München: ÖPNV

U- und S-Bahnen, Busse und Trambahnen sind auch in München das Rückgrat des ÖPNV, also des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Preise der Fahrkarten für den ÖPNV in München gehören zu den höchsten in Europa. Aber das Verkehrsnetz der MVG ist dicht und die Taktung hoch. Weit über die Stadtgrenzen hinaus ist das Angebot attraktiv, weil die Landeshauptstadt und die beteiligen Landkreise, die Bahn und der Freistaat Bayern im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) zusammenspielen. Schwer verständlich ist, warum die MVG ihr Angebot immer wieder ausweitet, obwohl das System offenbar bereits am Limit gefahren wird und die Störanfälligkeit hoch ist.

Hauptbahnhof

Der erste Bahnhof in München entstand 1838 auf dem Marsfeld (ungefähr an der heutigen Hackerbrücke). Im Jahr darauf fuhr der erste Nahverkehrszug von dort zum Vorort Lochhausen. Das Gebäude aus Holz wurde rasch zu klein, lag weit von der Innenstadt entfernt und brannte 1847 ab. König Ludwig I. hatte 1843 bereits Friedrich von Gärtner* beauftragt, einen neuen Bahnhof zu bauen, und der hatte den Auftrag an seinen Schüler Friedrich Bürklein* weitergegeben. Der »Centralbahnhof« wurde 1849 eingeweiht, später erweitert und 1876 bis 1884 umgebaut.

Im Rahmen der Bauarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München wurde die Schalterhalle des Hauptbahnhofs 2019 abgerissen. Für 2026 ist die Inbetriebnahme eines Interim-Bahnhofs geplant, und der eigentliche Neubau des Münchner Hauptbahnhofs wird voraussichtlich bis 2038/39 dauern.

*) Mehr zu Friedrich Bürklein und Friedrich von Gärtner im Album über Architekten

Straßenbahnen und Busse

1861 nahm der Lohnkutscher Michael Zechmeister den Betrieb eines fahrplanmäßigen Stellwagenverkehrs zwischen dem Centralbahnhof und dem → Mariahilfplatz auf. Weil die Armen sich die Fahrt mit dem »Groschenwagen« nicht leisten konnten und die Reichen Kutschen bevorzugten, blieb die erhoffte Nachfrage zwar aus, aber Michael Zechmeister begann dennoch 1869 mit dem Betrieb eines von Pferden gezogenen Stadtbusses. Und 1876 fuhr die erste Pferde-Trambahn in München auf Schienen zwischen dem → Promenadeplatz und Nymphenburg. Dafür hatte der belgische Unternehmer Édouard Otlet (1842 – 1907) eine Konzession bekommen.

ÖPNV: Nachbau einer Pferdetrambahn am Max-Weber-Platz
Nachbau einer Pferdetrambahn am Max-Weber-Platz (Foto: November 2024)

August Ungerer (1860 – 1921) nahm 1886 auf einer 776 Meter langen Strecke zum Würmbad am Würmkanal (heute: Ungerer Bad am Biedersteiner Kanal) die erste elektrische Bahn in München – die dritte in Deutschland – in Betrieb. Sie fuhr neun Jahre lang.

1895 ersetzte eine elektrische Trambahn die Pferdetrambahn zwischen dem Färbergraben und dem Isartalbahnhof.

1907 übernahm die Stadt München den öffentlichen Personennahverkehr, zunächst mit Trambahnen (»Städtische Straßenbahnen«), nach dem Ersten Weltkrieg auch mit Bussen. Bevor Hitler 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, fuhren in München 60 Busse auf neun Linien.

MVG-Museum

In einer 1993 frei gewordenen Halle der 1918 als Kriegsmetallwerk errichteten Trambahn-Hauptwerkstätte in Ramersdorf wurde im Oktober 2007 das MVG-Museum eröffnet (MVG: Münchner Verkehrsgesellschaft). Ausgestellt sind 25 historische Straßenbahnen (darunter eine Pferdetram von 1893), Busse, Arbeitsfahrzeuge und anderes aus verschiedenen Epochen.

1925/26 nahmen die Städtischen Straßenbahnen München hundert Triebwagen mit 60-PS-Motoren und 200 Beiwagen der Baureihe E bzw. e in Betrieb. Die Münchner mochten diese Dreiwagenzüge nicht, weil die Plattformen geschlossen waren und deshalb ein Aufspringen während der Fahrt nicht mehr möglich war. Die letzten Fahrzeuge dieser Baureihe wurden in den Sechzigerjahren ausgemustert. Eines steht vor dem MVG-Museum.

ÖPNV: MVG-Museum in Ramersdorf
Triebwagen E, Baujahr 1925 (Foto: März 2024)

Der von den Siemens-Schuckert-Werken hergestellte Nockenfahrschalter Typ OF 89 wurde von 1929 bis 1972 verwendet.

MVG-Museum in Ramersdorf
Nockenfahrschalter Typ OF (Foto: März 2024)

Der Triebwagen 670 Typ G 1.8 wurde 1943 von RAW-Aubing auf Teilen eines ausgebrannten E-Wagens aus dem Jahr 1925 aufgebaut und blieb bis 1978 im Gebrauch. Der Triebwagen 721 Typ j 1.30 entstand 1944 bei der Firma Fuchs in Heidelberg. 1973 wurde er ausgemustert.

MVV

Von 1954 an diskutierten die Deutsche Bundesbahn und die Stadt München Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr. Die Bahn wollte einen Tunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof bauen, um ihre westlichen und östlichen Vorortsstrecken zu verbinden, aber darauf ließ sich die Stadt zunächst nicht ein. Erst 1963 gab man nach und einigte sich mit der Bahn auf ein gemeinsames Verkehrssystem.

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) wurde 1971 durch ein Vertragswerk gegründet. Zweck des MVV ist es, die verschiedene öffentlichen Verkehrsmittel zu bündeln und Reisenden ‒ besonders Pendlern ‒ im Großraum München durch die Zusammenarbeit der Stadt und der beteiligen Landkreise, der Bahn und des Freistaats Bayern ein einheitliches Netz mit aufeinander abgestimmten Fahrplänen zu bieten, für das konsequenterweise auch nur ein gemeinsamer Fahrschein benötigt wird.

U-Bahn

Die weltweit erste unterirdische Bahnstrecke wurde 1863 in London eröffnet. Bemerkenswert ist dabei auch, dass Dampflokomotiven die Züge durch den sechs Kilometer langen Tunnel zogen. Die erste elektrische U-Bahn wurde 1890 ebenfalls in London in Betrieb genommen.

In Deutschland fuhr 1902 die erste U-Bahn in Berlin, teils unterirdisch, teils als Hochbahn. In München begann der Bau einer Tunnelstrecke für eine Verbindung zwischen → Harras und Freimann im Mai 1938 in der Lindwurmstraße, wurde jedoch 1941 wegen des Krieges eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg züchtete man in dem 590 Meter langen, teilweise zugeschütteten Tunnel Champignons, bis die Stadt ihn der Bahn abkaufte, 1965 wieder frei sprengen ließ und in den geplanten U-Bahn-Bau integrierte.

1964/65 beschloss der Münchner Stadtrat den Bau zunächst einer in Nord-Süd-Richtung verlaufenden U-Bahn-Strecke. 1965 löste der bayrische Ministerpräsident Alfons Goppel in der Ungererstraße auf Höhe des → Nordfriedhofs symbolisch den ersten Rammstoß für den U-Bahn-Bau aus. Und zwei Jahre später begann der Bau des S-Bahn-Tunnels.

Als das IOC 1966 die XX. Olympischen Sommerspiele nach München vergab, erhielt das Projekt weiteren Auftrieb. Schon im Jahr darauf konnten die ersten Testfahrten mit U-Bahn-Prototypen zwischen den Stationen → Alte Heide und → Studentenstadt stattfinden. Die Stadt, die Bahn und die betroffenen Landkreise vereinbarten 1971 die Bildung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV), und rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 1972 in München nahmen U- und S-Bahn den Betrieb auf.

Album über Münchner U-Bahnhöfe

In den Neunzigerjahren erweiterte die U-Bahn das Streckennetz bis → Fürstenried (1991), → Fröttmaning (1994) bzw. Garching-Hochbrück (1995), Feldmochung (1996) und zur → Messestadt Ost (1999). Moosach folgte 2010. Zur Zeit werden die Strecken der U5 nach Pasing und der U6 nach Martinsried verlängert.

Aktuell (2024) beträgt die Gesamtlänge der U-Bahn-Strecken mit rund hundert Haltestellen über 100 Kilometer. 450 Millionen Fahrgäste pro Jahr (2024) benutzen das Verkehrsmittel.

München U-Bahn-Netz, U-Bahn-Linien
U-Bahn-Netz München

MVG

2002 löste die Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG), eine Tochter der Stadtwerke München (SWM), die 1945 gegründeten Stadtwerke München Verkehrsbetriebe ab.

S-Bahn

Das von der DB Regio betriebene S-Bahn-Netz reicht weit ins Münchner Umland. Engpass ist die von allen Linien befahrene Stammstrecke zwischen Ostbahnhof und Pasing.

Nach jahrzehntelanger Diskussion über eine zweite Stammstrecke der S-Bahn einigten sich Bund, Land, Stadt und Bahn 2016 auf den Bau einer weiteren, elf Kilometer langen Verbindung zwischen Laim und Leuchtenbergring, sieben Kilometer davon in einem neuen Tunnel. 2017 erfolgte auf dem Marienhof der Spatenstich zum Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Die zunächst für 2028 geplante Fertigstellung hat sich inzwischen auf 2035 verschoben, und die Kostenschätzung hat sich von 3,8 auf 7 Milliarden Euro verdoppelt. Einer der Bahnhöfe wird 41 Meter unter dem Marienhof gebaut.

Im Oktober 2021 begann die Bahn, das Relais-Stellwerk am Ostbahnhof aus dem Jahr 1971 durch ein elektronisches zu ersetzen. 400 Kilometer Kabel wurden verlegt. Mit zwei Jahren Verspätung gegenüber der ursprünglichen Planung konnte die neue, 195 Millionen Euro teure Anlage im Juni 2025 in Betrieb genommen werden. Personal ist dort nicht vorgesehen. Zwei von zwölf Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale an der Donnersbergerbrücke schalten über das Stellwerk am Ostbahnhof 150 Signale und 60 Weichen der Münchner S-Bahn. Ein Teil des Gebäudes an der Friedenstraße 23 steht noch leer. Dort soll das Stellwerk für die zweite Stammstrecke entstehen.

Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (offizielle Website des MVV)