München: Schlosspark Nymphenburg

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Der bayrische Kurfürst Ferdinand Maria erwarb 1663 das Dorf Kemnaten (Chemenaten) östlich des → Schlosses Blutenburg in Obermenzing und ließ dort 1664 bis 1675 für seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen ein Landschloss errichten, dem sie den Namen »borgo delle nimfe« (Nymphenburg) gab. Es war ein Geschenk für sie, weil sie einen Thronfolger geboren hatte.

Von Amedeo Castellamonte (1613 – 1683), dem Architekten des piemontesischen Jagdschlosses Venaria Reale, das als Vorbild diente, stammten die ursprünglichen Entwürfe für das zunächst kubische Schloss. Die Planung übernahm Agostino Barelli*, der Architekt der Münchner Theatinerkirche, und die Bauleitung oblag dem Hofbaumeister Marx (Markus) Schinnagl, bis er von Lorenzo Perti abgelöst wurde. Nach dem Tod des Kurfürstenpaars ruhten die Bauarbeiten jahrzehntelang.

Unter Kurfürst Max II. Emanuel wurde 1701 der Grundstein für die Erweiterung des Anwesens zur barocken Schlossanlage durch Enrico Zuccalli* und Giovanni Antonio Viscardi* gelegt. Bis 1704 bauten sie die beiden Galerien neben dem Hauptschloss und die Pavillons. Der Hofbaumeister Joseph Effner* gestaltete 1716 bis 1719 die Fassaden des Haupttrakts nach französischem Vorbild um. Und im 19. Jahrhundert gab zunächst König Maximilian I. Joseph Umgestaltungen in Auftrag, dann arbeitete Leo von Klenze* für König Ludwig I. weiter an Schloss Nymphenburg.

Mit einer Breite von 632 Metern ist das Schloss Nymphenburg breiter als das Schloss Versailles.

*) Mehr zu Agostino Barelli, Joseph Effner, Leo von Klenze, Giovanni Antonio Viscardi und Enrico Zuccalli im Album über Architekten

Schlosskanal

Kurfürst Max II. Emanuel ließ 1701 bis 1703 den Nymphenburger Kanal anlegen, um Schloss Nymphenburg und den Schlosspark mit Wasser aus der Würm zu versorgen. Der repräsentative östliche Teil, der Schlosskanal, entstand erst 1728 bis 1730 unter Kurfürst Karl Albrecht von Bayern bzw. Kaiser Karl VII. Für die zu beiden Seiten des Schlosskanals geplante »Karlstadt« legte man zwar 1728 den Grundstein (»Metzgerwirt«, Nördliche Auffahrtsallee 69), aber das Projekt konnte nicht realisiert werden, weil viel zu wenige so weit vor der Stadt wohnen wollten.

Wegen der Zunahme des Verkehrs musste die Sichtachse mit zwei Brücken durchbrochen werden. Die nach Ludwig Ferdinand Prinz von Bayern benannte Brücke wurde 1892 nach Plänen des Architekten Friedrich von Thiersch* gebaut. Es war der erste Eisenbetonbogen in München. 1914 und 1956 wurde die Ludwig-Ferdinand-Brücke verbreitert. Seit 1897 überspannt auch die neubarocke Gerner Brücke den Schlosskanal.

*) Mehr zu Friedrich von Thiersch im Album über Architekten

Schloss Nymphenburg, Ludwig-Ferdinand-Brücke PRESS REFRESH
Schloss Nymphenburg: Blick von der Ludwig-Ferdinand-Brücke (Foto: Mai 2023)

Nymphenburger Schlossrondell

1728 bis 1730 ließ der bayrische Kurfürst Karl Albrecht und Kaiser Karl VII. den Schlosskanal und das Rondell vor dem Schloss Nymphenburg anlegen. Die Rondellbebauung hatte Joseph Effner als Kern einer »Carlstadt« konzipiert, aber davon konnte er bis 1758 nur zehn Kavalierhäuser für höhere Hofbedienstete und die beiden Auffahrtsalleen entlang des Schlosskanals realisieren. In einem der Rondellpavillons richtete sich 1761 die Porzellanmanufaktur Nymphenburg ein.

Verschiedene Blickwinkel

Schloss Nymphenburg PRESS REFRESH
Schloss Nymphenburg
Schloss Nymphenburg, Schlossrondell (Fotos: Oktober 2023)

Figurengruppen

Fliederblüte

Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte

Großes Gartenparterre

Das Gartenparterre des Jagdschlosses Venaria Reale bei Turin, das sich ein Bruder der Kurfürstin Adelheid hatte bauen lassen, diente als Vorbild für den barocken Teil des Schlossparks Nymphenburg, das Große Gartenparterre.

Schlosstreppe: Löwe PRESS REFRESH
Gartenparterre Schloss Nymphenburg PRESS REFRESH

Nymphenburg: Schlosstreppe, Gartenparterre (Fotos: 2014 / Juni 2023)

Joseph von Baader (1763 – 1835) gewann Kurfürst Max IV. Joseph 1803 für seinen Plan, die hölzerne Pumpanlage für die Fontäne im Großen Parterre aus dem Jahr 1767 durch eine von ihm konstruierte Saug- und Hebetechnik aus Metall zu ersetzen. 1808 tauschte er auch die Pumpanlage für die Fontäne im Schlossrondell aus. Seine beiden Konstruktionen gelten als technische Meisterleistungen und älteste seit ihrer Entstehung noch immer arbeitende Maschinen in Europa.

Schloss Nymphenburg Großes Parterre
Fontäne im Gartenparterre Schloss Nymphenburg

Der aus Böhmen stammende Bildhauer Dominik Auliczek (1734 – 1804) zog 1762 nach München und folgte drei Jahre später Franz Anton Bustelli als Modellmeister in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. 1773 avancierte er zum Inspektor der Manufaktur. Im Jahr davor hatte ihn Kurfürst Maximilian III. Joseph bereits zum Hofbildhauer ernannt. In dieser Funktion formte er einige Gartenskulpturen für den Schlosspark Nymphenburg.

Roman Anton Boos (1733 – 1810) arbeitete von 1760 bis 1769 (mit Unterbrechungen) in der Werkstatt des Münchner Rokoko-Bildhauers Johann Baptist Straub, der 1777 sein Schwiegervater werden sollte. 1774 folgte er Charles de Grof als Hofbildhauer in München, und er schuf bis 1792 neun Statuen für den Schlosspark Nymphenburg. 1780 gestaltete er die Kanzel für die Frauenkirche, aber davon blieben nur Teile erhalten. Und bis 1806 leitete Roman Anton Boos die Bildhauer-Klasse der Münchner Kunstakademie.

Fünf der zwölf Statuen im Mittelfeld des Großen Parterres sind hier abgebildet: Proserpina mit Ascalaphus von Dominik Auliczek, 1778; Hermes / Mercurius von Roman Anton Boos, 1778; Dionysos / Bacchus mit Satyr von Roman Anton Boos, 1782; Hades / Pluto und Juno / Pfau von Dominik Auliczek, 1791/92

Auch im nördlichen Bereich des Großen Parterres stehen Skulpturen. Eine von dem Bildhauer Landolin Ohmacht 1804 bis 1807 aus rotem Sandstein geschaffene Gruppe stellt Paris mit dem Apfel, Aphrodite, Hera und Pallas Athene dar (»Urteil des Paris«).

Nördlicher Kabinettsgarten Schloss Nymphenburg PRESS REFRESH
Paris, Aphrodite, Hera und Pallas Athene (Foto: Juni 2023)

Peter Simon Lamine* modellierte 1816 für König Maximilian I. Joseph die Figur eines Knaben, der von einem Delphin in die Tiefe gezogen wird. Der Entwurf für die andere Brunnenfigur stammt ebenfalls von Peter Simon Lamine, aber ausgeführt wurde sie erst ein Jahr nach seinem Tod von Johann Nepomuk Haller (1818). Die Skulptur stellt einen auf einem Delphin reitenden Knaben dar. (Über die Frauenfigur ist nichts bekannt.)

*) Mehr zu Peter Simon Lamine im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Nördlicher und südlicher Flügel

Im nördlichen Flügel des Nymphenburger Schlosses befindet sich das Museum »Mensch und Natur«. 2024 beschloss jedoch der Freistaat Bayern, das Museum unter dem Namen »Biotopia. Naturkundemuseum Bayern« in einem vom Architekten Volker Staab entworfenen Neubau von 2500 auf mehr als 7000 m² Ausstellungsfläche zu erweitern. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.

Nördlicher Flügel des Schlosses Nymphenburg
Nördlicher Flügel des Schlosses Nymphenburg

Im südlichen Innenhof ist die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zu finden. Im abgebildeten Trakt befindet sich das Marstall-Museum.

Parkburgen

Neben dem → Schloss Nymphenburg gibt es im Nymphenburger Schlosspark drei zwischen 1716 und 1739 errichtete Lustschlösschen (Pagodenburg, Badenburg, Amalienburg) und die Magdalenenklause. Sie werden als »Parkburgen« bezeichnet.

Album über die Parkburgen

Pagodenburg

Die doppelgeschossige, achteckige Pagodenburg – die älteste zum Nymphenburger Schloss gehörende Parkburg – wurde angeblich von Kurfürst Max Emanuel entworfen. Wahrscheinlicher ist es, dass sich Joseph Effner* an Entwürfen des Architekten Germain Boffrand (1667 – 1754) für den Pavillon Bouchefort bei Brüssel orientierte, als er das ungewöhnliche Bauwerk 1716 bis 1719 errichtete. 1767 gestaltete François Cuvilliés der Ältere* das Bauwerk im Stil des Rokoko um.

*) Mehr zu Joseph Effner und François Cuvilliés im Album über Architekten

Badenburg

Nach der Pagodenburg errichtete Joseph Effner 1718 bis 1724 für Kurfürst Max Emanuel die Badenburg im Nymphenburger Schlosspark, ein spätbarockes Gebäude mit Festsaal, Wohnräumen und dem ersten beheizbaren Hallenbad der Neuzeit.

Schlosspark Nymphenburg Badenburg
Badenburger See, Badenburg (Foto: September 2026)

Magdalenenklause

Kurfürst Max Emanuel ließ Joseph Effner 1725 bis 1728 auch die Magdalenenklause im Schlosspark Nymphenburg errichten. Die Magdalenenklause sollte dem Kurfürsten als Ort der Besinnung dienen und war deshalb einer Eremitage nachempfunden. Die Fertigstellung erlebte er jedoch nicht mehr. Der Ruinen-Stil weist auf die Vergänglichkeit alles Irdischen hin.

Magdalenenklause Kapelle
Magdalenenklause Kapelle

Amalienburg

Bei der 1734 bis 1739 nach Plänen von François Cuvilliés dem Älteren* gebauten Amalienburg handelt es sich um ein Jagdschlösschen im Rokoko-Stil, das Kurfürst Karl Albrecht seiner Frau Maria Amalia schenkte. Von einer Plattform auf dem Dach konnten Fasane geschossen werden. Johann Baptist Zimmermann* schuf die Halbplastik mit der Jagdgöttin Diana an der Ostfassade. Von ihm und Johann Joachim Dietrich (1690 – 1753) stammt auch der Stuck. Die 1737 nach seinen Entwürfen angefertigten, inzwischen verschollenen Ziervasen wurden 1992 durch Nachbildungen von Hans Geiger ersetzt.

*) Mehr zu François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann im Album über Architekten

Amalienburg Spiegelsaal
Spiegelsaal der Amalienburg (Foto: 2014)

Album über die Parkburgen im Nymphenburger Schlosspark

Pan-Skulptur im Schlosspark Nymphenburg

Östlich des Badenburger Sees befindet sich die Skulptur eines Pan, der neben einem Ziegenbock ruht und auf einer Hirtenflöte spielt. Der Bildhauer Peter Simon Lamine* (1738 – 1817) schuf das Werk 1815 und wiederholte dabei ein Motiv, das er 1774 für den Schlosspark Schwetzingen gestaltet hatte. Die Figur aus Carrara-Marmor sitzt auf einem Sockel aus Nagelfluh mit einer künstlichen Quelle aus dem Abfluss des Sees.

*) Mehr zu Peter Simon Lamine im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Pan mit Ziegenbock im Schlosspark
Pan mit Ziegenbock (Foto: Juni 2023)
Pan mit Ziegenbock im Schlosspark
Pan mit Ziegenbock im Schlosspark

Apollotempel

Von der Badenburg blickt man über den See hinüber zum Apollotempel mit zehn Sandstein-Säulen im korinthischen Stil. Er wurde 1862 bis 1865 von Carl Mühlthaler nach Plänen von Leo von Klenze* gebaut.

*) Mehr zu Leo von Klenze im Album über Architekten

Badenburger See Apollotempel
Badenburger See, Apollotempel (Foto: September 2026)

Große Kaskade im Schlosspark Nymphenburg

1717 wurde die Große Marmor-Kaskade im Nymphenburger Schlosspark nach einem Entwurf von Joseph Effner gebaut. Ein Teil der Figuren stammt von Giuseppe Volpini, andere schuf Charles Debut. Ein halbes Jahrhundert später kamen weitere von Guillaume de Grof und Roman Anton Boos* dazu. Einige der Statuen wurden 1999 in den Orangerietrakt des Schlosses gebracht und an der Großen Kaskade durch Kopien ersetzt.

*) Mehr zu Roman Anton Boos im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Große Kaskade PRESS REFRESH
Flora von Charles Debut, 1725 (Foto: Juni 2023)

Kronprinzengarten

Bei der Gestaltung des Schlossparks legte Friedrich Ludwig von Sckell 1799 als erstes einen Garten für den 13-jährigen Kronprinzen Ludwig an und baute dort einen achteckigen Holzpavillon (»Hexenhäuschen«). Der Kronprinzen- oder Ludwigsgarten wurde 1982/83 restauriert.

Schlosspark Nymphenburg

1715 begannen Dominique Girard und Joseph Effner, den Schlossgarten zu erweitern und ein Kanalsystem zu bauen, um Wasser von der Würm heranzuführen. Kurfürst Karl Theodor öffnete den Nymphenburger Park 1792 fürs Volk. Der Gartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823), der 1777 im Schwetzinger Schlossgarten einen französischen Barockgarten und englischen Landschaftspark harmonisch verbunden hatte, schuf 1804 bis 1807 den südlichen Landschaftsgarten in Nymphenburg, 1810 bis 1823 den nördlichen. Das barocke Parterre behielt er bei. Der unter Denkmalschutz stehende und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Nymphenburger Schlosspark gilt als eines der größten und bedeutendsten Gartenkunstwerke Deutschlands.

Nymphenburger Schlosspark PRESS REFRESH

Schloss Nymphenburg: Museen

Der Nymphenburger Schlosspark ist mit Ausnahme der Marienklause und der Parkburgen frei zugängig. Im Schloss Nymphenburg gibt es einige Museen, die gegen Eintritt besichtigt werden können: Schlossmuseum, Marstall-Museum, Museum »Nymphenburger Porzellan« und Museum »Mensch und Natur«.

Album über Museen im Schloss Nymphenburg

Mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Schlösserverwaltung

Literatur:
. Margret Wanetschek: Grünanlagen in der Stadtplanung von München 1790 ‒ 1860 (München 2005)