München: Schlosspark Nymphenburg

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Der bayrische Kurfürst Ferdinand Maria erwarb 1663 das Dorf Kemnaten (Chemenaten) östlich des → Schlosses Blutenburg in Obermenzing und ließ dort 1664 bis 1675 für seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen ein Landschloss errichten, dem sie den Namen »borgo delle nimfe« (Nymphenburg) gab. Es war ein Geschenk für sie, weil sie einen Thronfolger geboren hatte. 1664 begann Agostino Barelli mit den Bauarbeiten am Schloss Nymphenburg**.

1671 wurde ein erster Schlossgarten nach italienischen Vorbildern in Nymphenburg angelegt. Als Kurfürst Max Emanuel 1715 aus dem Exil nach München zurückkehte, brachte er den Garteningenieur Dominique Girard mit. Der begann noch im selben Jahr mit Joseph Effner, den Schlossgarten zu erweitern und ein Kanalsystem zu bauen, um Wasser von der Würm heranzuführen.

»Prunkvolle Gartenanlagen gehörten zu jedem bedeutenden Schlossbau des 18. Jahrhunderts. Dass jedoch in Nymphenburg eine zumindest im deutschsprachigen Raum außergewöhnliche Schöpfung entstand, ist Kurfürst Max Emanuel zu danken, dessen Lebensumstände eine ungemein enge Beziehung zur Hofkunst in Frankreich mit sich brachten. Der französischen Kunst verpflichtet schufen Joseph Effner, Dominique Girard und Guillielmus de Grof ein Hauptwerk der bayerischen Hofkunst dieser Zeit […].« (Elmar D. Schmid: Nymphenburg. Schloss und Garten ‒ Pagodenburg ‒ Badenburg ‒ Magdalenenklause ‒ Amalienburg, Seite 40)

Kurfürst Karl Theodor öffnete den Nymphenburger Park 1792 fürs Volk. Der Gartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell* (1750 – 1823) schuf 1804 bis 1823 den Landschaftsgarten. Das barocke Parterre blieb bestehen.

»Soweit beibehalten, hatte man Elemente des französischen Gartens vereinfacht oder umgeformt. Wasserkünste und Brunnen wurden beseitigt und durch einfache Anlagen oder „natürliche“ Quellen und Bachläufe ersetzt. Für den Betrieb der beiden mächtigen Fontänen vor und hinter dem Schloss installierte Joseph Baader im neu erbauten „Grünen Brunnhaus“ sowie im Johannis-Turm des Orangerieflügels 1803 bis 1817 neue Wassermaschinen.« (a,. a. O. Seite 97)

*) Mehr zu Agostino Barelli und Friedrich Ludwig von Sckell im Album über Architekten
**) Album übers Schloss Nymphenburg

Schlosskanal

Kurfürst Max II. Emanuel ließ 1701 bis 1703 den Nymphenburger Kanal anlegen, um Schloss Nymphenburg und den Schlosspark mit Wasser aus der Würm zu versorgen. Der repräsentative östliche Teil, der Schlosskanal, entstand erst 1728 bis 1730 unter Kurfürst Karl Albrecht von Bayern bzw. Kaiser Karl VII. Für die zu beiden Seiten des Schlosskanals geplante »Karlstadt« legte man zwar 1728 den Grundstein (»Metzgerwirt«, Nördliche Auffahrtsallee 69), aber das Projekt konnte nicht realisiert werden, weil viel zu wenige so weit vor der Stadt wohnen wollten.

Wegen der Zunahme des Verkehrs musste die Sichtachse mit zwei Brücken durchbrochen werden. Die nach Ludwig Ferdinand Prinz von Bayern benannte Brücke wurde 1892 nach Plänen des Architekten Friedrich von Thiersch* gebaut. Es war der erste Eisenbetonbogen in München. 1914 und 1956 wurde die Ludwig-Ferdinand-Brücke verbreitert. Seit 1897 überspannt auch die neubarocke Gerner Brücke den Schlosskanal.

*) Mehr zu Friedrich von Thiersch im Album über Architekten

Schloss Nymphenburg, Ludwig-Ferdinand-Brücke PRESS REFRESH
Schloss Nymphenburg: Blick von der Ludwig-Ferdinand-Brücke (Foto: Mai 2023)

Nymphenburger Schlossrondell

1728 bis 1730 ließ der bayrische Kurfürst Karl Albrecht und Kaiser Karl VII. den Schlosskanal und das Rondell vor dem Schloss Nymphenburg anlegen. Die Rondellbebauung hatte Joseph Effner als Kern einer »Carlstadt« konzipiert, aber davon konnte er bis 1758 nur zehn Kavalierhäuser für höhere Hofbedienstete und die beiden Auffahrtsalleen entlang des Schlosskanals realisieren. In einem der Rondellpavillons richtete sich 1761 die Porzellanmanufaktur Nymphenburg ein.

Verschiedene Blickwinkel

Schloss Nymphenburg PRESS REFRESH
Schloss Nymphenburg
Schloss Nymphenburg, Schlossrondell (Fotos: Oktober 2023)

Figurengruppen

Fliederblüte

Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte
Schlossrondell Fliederblüte

Nördlicher und südlicher Flügel

Im nördlichen Flügel des Nymphenburger Schlosses befindet sich das Museum »Mensch und Natur«. 2024 beschloss jedoch der Freistaat Bayern, das Museum unter dem Namen »Biotopia. Naturkundemuseum Bayern« in einem vom Architekten Volker Staab entworfenen Neubau von 2500 auf mehr als 7000 m² Ausstellungsfläche zu erweitern. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.

Nördlicher Flügel des Schlosses Nymphenburg
Nördlicher Flügel des Schlosses Nymphenburg

Im südlichen Innenhof ist die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zu finden. Im abgebildeten Trakt befindet sich das Marstall-Museum.

Großes Gartenparterre

Das Gartenparterre des Jagdschlosses Venaria Reale bei Turin, das sich ein Bruder der Kurfürstin Adelheid hatte bauen lassen, diente als Vorbild für den barocken Teil des Schlossparks Nymphenburg, das Große Gartenparterre.

Schlosstreppe: Löwe PRESS REFRESH
Gartenparterre Schloss Nymphenburg PRESS REFRESH

Nymphenburg: Schlosstreppe, Gartenparterre (Fotos: 2014 / Juni 2023)

Joseph von Baader (1763 – 1835) gewann Kurfürst Max IV. Joseph 1803 für seinen Plan, die hölzerne Pumpanlage für die Fontäne im Großen Parterre aus dem Jahr 1767 durch eine von ihm konstruierte Saug- und Hebetechnik aus Metall zu ersetzen. 1808 tauschte er auch die Pumpanlage für die Fontäne im Schlossrondell aus. Seine beiden Konstruktionen gelten als technische Meisterleistungen und älteste seit ihrer Entstehung noch immer arbeitende Maschinen in Europa.

Schloss Nymphenburg Großes Parterre
Fontäne im Gartenparterre Schloss Nymphenburg

Der aus Böhmen stammende Bildhauer Dominik Auliczek (1734 – 1804) zog 1762 nach München und folgte drei Jahre später Franz Anton Bustelli als Modellmeister in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. 1773 avancierte er zum Inspektor der Manufaktur. Im Jahr davor hatte ihn Kurfürst Maximilian III. Joseph bereits zum Hofbildhauer ernannt. In dieser Funktion formte er einige Gartenskulpturen für den Schlosspark Nymphenburg.

Roman Anton Boos (1733 – 1810) arbeitete von 1760 bis 1769 (mit Unterbrechungen) in der Werkstatt des Münchner Rokoko-Bildhauers Johann Baptist Straub, der 1777 sein Schwiegervater werden sollte. 1774 folgte er Charles de Grof als Hofbildhauer in München, und er schuf bis 1792 neun Statuen für den Schlosspark Nymphenburg. 1780 gestaltete er die Kanzel für die Frauenkirche, aber davon blieben nur Teile erhalten. Und bis 1806 leitete Roman Anton Boos die Bildhauer-Klasse der Münchner Kunstakademie.

Fünf der zwölf Statuen im Mittelfeld des Großen Parterres sind hier abgebildet: Proserpina mit Ascalaphus von Dominik Auliczek, 1778; Hermes / Mercurius von Roman Anton Boos, 1778; Dionysos / Bacchus mit Satyr von Roman Anton Boos, 1782; Hades / Pluto und Juno / Pfau von Dominik Auliczek, 1791/92

Auch im nördlichen Bereich des Großen Parterres stehen Skulpturen. Eine von dem Bildhauer Landolin Ohmacht 1804 bis 1807 aus rotem Sandstein geschaffene Gruppe stellt Paris mit dem Apfel, Aphrodite, Hera und Pallas Athene dar (»Urteil des Paris«).

Nördlicher Kabinettsgarten Schloss Nymphenburg
Paris, Aphrodite, Hera und Pallas Athene (Foto: Juni 2023)
Paris, Aphrodite, Hera und Pallas Athene (Foto: Oktober 2026)

Peter Simon Lamine* modellierte 1816 für König Maximilian I. Joseph die Figur eines Knaben, der von einem Delphin in die Tiefe gezogen wird. Der Entwurf für die andere Brunnenfigur stammt ebenfalls von Peter Simon Lamine, aber ausgeführt wurde sie erst ein Jahr nach seinem Tod von Johann Nepomuk Haller (1818). Die Skulptur stellt einen auf einem Delphin reitenden Knaben dar. (Über die Frauenfigur ist nichts bekannt.)

*) Mehr zu Peter Simon Lamine im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Parkburgen

Neben dem → Schloss Nymphenburg gibt es im Nymphenburger Schlosspark drei zwischen 1716 und 1739 errichtete Lustschlösschen (Pagodenburg, Badenburg, Amalienburg) und die Magdalenenklause. Sie werden als »Parkburgen« bezeichnet.

Album über die Parkburgen

Große Kaskade im Schlosspark Nymphenburg

1716 begann der Hofsteinmetzmeister Simon Pusfeger mit dem Bau der Großen Marmor-Kaskade im Nymphenburger Schlosspark nach Entwürfen von Joseph Effner und François Roëttiers. Dominique Girard war für die Wassertechnik verantwortlich.

Die Figuren stammen von Giuseppe Volpini, Charles Debut, Guillielmus de Grof, Giovanni Marchiori und Roman Anton Boos*. Einige der Statuen wurden 1999 in den Orangerietrakt des Schlosses gebracht und an der Großen Kaskade durch Kopien ersetzt.

*) Mehr zu Roman Anton Boos im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Große Kaskade PRESS REFRESH
Flora von Charles Debut, 1725 (Foto: Juni 2023)

Kronprinzengarten

Bei der Gestaltung des Schlossparks legte Friedrich Ludwig von Sckell 1799 als erstes einen Garten für den 13-jährigen Kronprinzen Ludwig an und baute dort einen achteckigen Holzpavillon (»Hexenhäuschen«). Der Kronprinzen- oder Ludwigsgarten wurde 1982/83 restauriert.

Pan-Skulptur im Schlosspark Nymphenburg

Östlich des Badenburger Sees befindet sich die Skulptur eines Pan, der neben einem Ziegenbock ruht und auf einer Hirtenflöte spielt. Der Bildhauer Peter Simon Lamine* (1738 – 1817) schuf das Werk 1815 und wiederholte dabei ein Motiv, das er 1774 für den Schlosspark Schwetzingen gestaltet hatte. Die Figur aus Carrara-Marmor sitzt auf einem Sockel aus Nagelfluh mit einer künstlichen Quelle aus dem Abfluss des Sees.

*) Mehr zu Peter Simon Lamine im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Pan mit Ziegenbock im Schlosspark
Pan mit Ziegenbock (Foto: Juni 2023)
Pan mit Ziegenbock im Schlosspark
Pan mit Ziegenbock im Schlosspark

Apollotempel

Von der Badenburg blickt man über den See hinüber zum Apollotempel mit zehn Sandstein-Säulen im korinthischen Stil. Er wurde 1862 bis 1865 von Carl Mühlthaler nach Plänen von Leo von Klenze* gebaut.

*) Mehr zu Leo von Klenze im Album über Architekten

Badenburger See Apollotempel
Badenburger See, Apollotempel (Foto: September 2026)

Schlosspark Nymphenburg

Kurfürst Karl Theodor öffnete den Nymphenburger Park 1792 ebenso wie den Englischen Garten fürs Volk. Der Gartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell* (1750 – 1823), der 1777 im Schwetzinger Schlossgarten einen französischen Barockgarten und englischen Landschaftspark harmonisch verbunden hatte, schuf 1804 bis 1807 den südlichen Landschaftsgarten in Nymphenburg, 1810 bis 1823 den nördlichen. 1805 bzw. 1813 entstanden der Badenburger und der Kleine See. Der unter Denkmalschutz stehende und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Nymphenburger Schlosspark gilt als eines der größten und bedeutendsten Gartenkunstwerke Deutschlands.

*) Mehr zu Friedrich Ludwig von Sckell im Album über Architekten

Nymphenburger Schlosspark
Nymphenburger Schlosspark

Mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Schlösserverwaltung

Literatur:
. Elmar D. Schmid: Nymphenburg. Schloss und Garten ‒ Pagodenburg ‒ Badenburg ‒ Magdalenenklause ‒ Amalienburg (München 1979)
. Margret Wanetschek: Grünanlagen in der Stadtplanung von München 1790 ‒ 1860 (München 2005)