München: Hofgarten
Der Hofgarten
Als Herzog Wilhelm IV. von Bayern die Residenz der Wittelsbacher vom → Alten Hof in die Neuveste verlegte, ließ er ab 1526 anstelle eines wohl schon Anfang des 15. Jahrhunderts existierenden »Baumgartens auf dem Bach« nördlich der Residenz einen Park im Stil der italienischen Renaissance anlegen, den Kurfürst Maximilian I. 1613 bis 1617 zum heutigen Hofgarten erweiterte und Kurfürst Karl Theodor um 1780 zumindest teilweise für die Bevölkerung öffnete. (Kurfürst Max Emanuel (1662 – 1726) hatte seinen Plan, den Hofgarten bis zur Schlossanlage Schleißheim zu verlängern, nicht realisieren können.)
Bei der Neuanlage des im Zweiten Weltkrieg verwüsteten Hofgartens wählte der Gartenarchitekt Kurt Hentzen (1906 – 1960) eine Kombination aus Renaissance- und Landschaftsgarten nach historischen Vorbildern.
Die vier um 1822 von Leo von Klenze* entworfenen Schalenbrunnen im Hofgarten wurden in der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre von Joseph Wackerle* aus Trientiner Rotmarmor und Nagelfluh nachgebaut.
*) Mehr zu Leo von Klenze im Album über Architekten und über Joseph Wackerle im Album über Brunnen


Im Süden wird der Hofgarten von der Münchner Residenz (Herkulessaal) begrenzt, im Osten von der → Bayerischen Staatskanzlei. Die nördlichen Arkaden (an der Galeriestraße) wurden 1780/81 von Karl Albert von Lespilliez gebaut. Im Westen stehen das 1816 bis 1818 gebaute Hofgartentor und das 1824 bis 1826 errichtete Bazargebäude, beides klassizistische Bauwerke von Leo von Klenze*.
*) Mehr zu Leo von Klenze im Album über Architekten
Hofgartentor und westliche Hofgarten-Arkaden


Nachdem Leo von Klenze das Hofgartentor mit den Arkaden am Odeonsplatz errichtet hatte, schufen der Hofmaler Peter von Cornelius* und seine Schüler 1826 bis 1829 eine Reihe von 18 Fresken zu Themen aus acht Jahrhunderten bayrischer Geschichte. (2016 wurden sie restauriert.) Daneben malte Carl Rottmann (1797 – 1850) italienische Landschaften (1829 bis 1833). Diese Fresken sind inzwischen im Allerheiligengang der Residenz zu finden, und Carl Rottmanns 1838 bis 1850 für die Nordarkaden gemalten griechische Landschaften befinden sich in der Neuen Pinakothek.
*) Mehr zu Peter von Cornelius im Album über Kunst im öffentlichen Raum




Herzog Otto II. der Erlauchte heiratet 1225 in Worms Agnes von der Pfalz.
In der Schlacht bei Mühldorf am Inn bzw. Ampfing besiegt 1322 Ludwig der Bayer seinen Konkurrenten Friedrich den Schönen.
Ludwig der Bayer wird 1328 in Rom zum Kaiser gekrönt.
(Fotos: Januar 2026)


Maximilian I. Herzogs von Bayern Erhebung zum Churfürsten 1623
(Fotos: März 2026)




Bayern erstürmen 1717 eine türkische Verschanzung vor Belgrad (Fotos: Januar 2026)
Nymphenbrunnen
Ferdinand von Miller goss 1852 den Nymphenbrunnen nach einem Entwurf von Ludwig von Schwanthaler* aus den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Seit 1853 steht der Brunnen vor dem Basargebäude im Hofgarten, und bei trockenem Wetter treffen sich in dem Bereich Boule-Spieler.
*) Mehr über Ludwig von Schwanthaler im Album über Brunnen

Dianatempel
Den Dianatempel im Zentrum des Hofgartens in München errichtete der Hofbaumeister Heinrich Schön der Ältere 1615. Im Inneren fallen vier Muschelbrunnen auf. Die Bronzefigur auf dem Dach hatte der Hofbildhauer Hubert Gerhard* bereits um 1590 geformt. (Inzwischen handelt es dabei sich um eine Kopie. Das Original der Tellus Bavarica befindet sich im Residenzmuseum.) Die Vorläuferin von Bavaria-Darstellungen trägt über dem rechten Arm eine Hirschdecke (Jagd) und hält Getreideähren (Landwirtschaft) in der linken Hand. Zu ihren Füßen befindet sich ein Salzfass (Handel). Der Reichsapfel kam erst in der Kurfürstenzeit dazu.
*) Mehr zu Hubert Gerhard im Album über Kunst im öffentlichen Raum







Nördliche Hofgarten-Arkaden
Der Bildhauer Roman Anton Boos vollendete 1781 einen Figurenzyklus mit den Raten des Herkules für die 1780/81 von Karl Albert von Lespilliez gebauten nördlichen Hofgartenarkaden. Erhalten blieben davon nur seine Terrakottamodelle (Residenz-Museum).
Von Juli bis November 1937 fand in den nördlichen Hofgartenarkaden die von Adolf Ziegler organisierte NS-Propagandaausstellung »Entartete Kunst« statt, bei der 600 Gemälde der von den Nationalsozialisten abgelehnten Stilrichtungen (Expressionsimus, Dadaismus, Surrealismus, Neue Sachlichkeit) präsentiert wurden. Es war damals eine der meistbesuchten Ausstellungen Moderner Kunst.
Nördliche Hofgartenarkaden (Fotos: vor 1985 / 2023)
1841 bis 1844 malte Christoph Friedrich Nilson (1811 – 1879) in den nördlichen Hofgarten-Arkaden 39 Fresken mit Szenen aus dem griechischen Freiheitskampf nach Entwürfen des Schlachtenmalers Peter von Hess (1792 – 1871). Bei der Zerstörung der Arkaden im Zweiten Weltkrieg gingen auch die Fresken verloren.
Der Wiederaufbau erfolgte 1952 bis 1954 durch die Baufirma Hans Fries nach Plänen von Josef Wiedemann und Karl Habermann. 1961 malte dort Richard Seewald (1889 – 1976) 15 Grisaillen mit griechischen Landschaften.




Deutsches Theatermuseum München
Die Clara-Ziegler-Stiftung entstand im Jahr nach dem Tod der Hofschauspielerin Clara Ziegler (1844 – 1909) in ihrer schlossähnlichen Villa ( (im Zweiten Weltkrieg zerstört) am Englischen Garten in München. 1979 wurde die Stiftung zum staatlichen Museum aufgewertet.
Zu finden ist das Deutsche Theatermuseum München in der 1780/81 von Karl Albert von Lespilliez erbauten frühklassizistischen Churfürstlichen Galerie – dem Vorläufer der Alten Pinakothek – in den nördlichen → Hofgartenarkaden (Galeriestraße 4a). Das Deutsche Theatermuseum verfügt neben einem Archiv und einer Bibliothek über die größte Sammlung von Theaterfotografien der Welt, zeigt aber keine Dauerausstellung, sondern kuratiert wechselnde Sonderausstellungen.
Plakat / Ausstellungsraum (Fotos: Januar 2026)
Vom 25. Juni 2025 bis 12. April 2026 zeigt das Deutsche Theatermuseum die Sonderausstellung »making THEATRE. Wie Theater entsteht«.
Das Team der Kuratorin Maren Richter beobachtete 2024/25 die Inszenierung des Dramas »Romeo und Julia« von William Shakespeare am Münchner Residenztheater unter der Leitung der Regisseurin Elsa-Sophie Jach – von den Anfängen bis zur Premiere am 16. Mai 2025. Mehrere Stunden Filmmaterial werden in der Ausstellung gezeigt, dazu das Probenbuch, technische Skizzen, Puff-Ärmel der Lady Capulet, Masken, andere Gegenstände und zum Beispiel ein Modell der Bühnenbildernin Marlene Lockemann, das die Spirale der Gewalt spiegelt, um die sich »Romeo und Julia« dreht. Mit der von Sigi Colpe gestalteten Holzfigur »Das Theaterwesen« – einem »Wald der Vielen« aus Theaterlatten – veranschaulicht die Ausstellung, dass eine Theateraufführung auf dem Zusammenwirken vieler Menschen basiert. 40.000 Theaterschaffende arbeiten an den mehr als 140 Bühnen in Deutschland zusammen. Jede Aufführung wird gemeinschaftlich sowohl geschaffen als auch erlebt – und ist flüchtig.
Die Puff-Ärmel der Lady Capulet (Kostüme: Johanna Stenzel) wurden in der Damenschneiderei Gabriele Behne hergestellt. Zunächst entstand ein Prototyp, danach das Schnittmuster und im dritten Schritt das Kostüm.
Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826 – 1914), ein Gründungmitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (1864), entwarf 1897 mit Bleistift und Feder ein Kostüm für die Julia.
Regole generali di prospettiva / Hommage au Théâtre (Fotos: Januar 2026)
Giovanni Battista Aleotti (1546 – 1626), der sich als »architetto mathematico« verstand, schuf die Pläne für das 1617/18 gebaute Teatro Farnese in Parma. In seinem um 1620 mit der Hand geschriebenen Traktat »Regole generali di prospettiva« erläutert Giovanni Battista Aleotti das perspektivische Zeichnen beispielsweise beim Entwerfen einer Bühnendekoration.
Annemarie Rost (1924 – 2018), eine gelernte Damenschneiderin, studierte 1947 bis 1952 Bühnenbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Bühnenbildnerinnen in der DDR. 2000 schuf Annemarie Rost die Collage »Hommage au Théâtre«.
Deutsches Theatermuseum München (offizielle Website)
Denkmal »Weiße Rose«
An der nordöstlichen Ecke des Hofgartens in München steht seit 1996 das von dem Bildhauer Leo Kornbrust (1929 – 2021) gestaltete Denkmal »Weiße Rose«, ein dunkler Steinkubus mit Zitaten des Generalfeldmarschalls Erwin von Witzleben und des Bauern Josef Hufnagel, dazu ein Text aus einem Flugblatt der Weißen Rose. Im Sommer 2024 lagen Steinmandl auf dem Denkmal.



Mehr über die Geschwister Scholl und die »Weiße Rose« in den Alben über Denkmäler und Mahnmale
Armeemuseum / Bayerische Staatskanzlei
Um im Osten des Hofgartens 1805 eine Kaserne bauen zu können, wurden Barockgebäude abgerissen. Parallel dazu entfernte man Springbrunnen.
General Friedrich von Bothmer und Kriegsminister Joseph Maximilian von Maillinger regten König Ludwig II. dazu an, auf dem Areal 1879 das Bayerische Armeemuseum zu gründen. Nachdem die Kaserne 1899 abgerissen worden war, schüttete man das Gelände am Ostrand des Hofgartens um drei Meter auf, und es entstand 1900 bis 1905 nach Plänen von Ludwig Mellinger ein Bauwerk im Stil monumentaler Neurenaissance. Davon existierte nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch der zentrale Kuppelbau. (1969 wurde das Bayerische Armeemuseum in das Neue Schloss in Ingolstadt verlegt.)


Um das zerstörte Bayerische Armeemuseum herum wollte Ministerpräsident Franz Josef Strauß einen Neubau der Bayerischen Staatskanzlei errichten. Einen dafür ausgeschriebenen Wettbewerb gewann 1982 das Architektenteam Diethard J. Siegert und Reto Gansser. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen konnte 1989 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Am 6. Mai 1993 zog Ministerpräsident Edmund Stoiber dort ein.


Nachdem der Bildhauer → Georg Wrba (1872 – 1939) 1905/06 ein Reiterstandbild aus Stein für Otto I. von Wittelsbach (1117 ‒ 1183) für die → Wittelsbacherbrücke geschaffen hatte, formte sein Kollege → Ferdinand von Miller d. J. (1842 – 1929) 1911 ein weiteres aus Bronze im Stil der Neurenaissance für den Hofgarten. Es steht vor dem ehemaligen Armeemuseum bzw. der Bayerischen Staatskanzlei.




Mehr zur Bayerischen Staatskanzlei im Album übers Graggenauer Viertel












