Fritz Koenig in München

Fritz Koenig

Fritz Koenig wird 1924 in Würzburg geboren – als Enkel der russischen Aristokratin Anastasia lsmailowa und Urenkel des Druckers Johann Friedrich Gottlob Koenig (1774 – 1833), der 1817/18 mit dem Techniker Andreas Friedrich Bauer (1783 – 1860) gemeinsam die Schnellpressen-Fabrik Koenig & Bauer in Würzburg gegründet hatte: heute eines der weltweit führenden Unternehmen im Banknoten-, Zeitungs-, Verpackungs- und Blechdruck.

Der Vater Maximilian Koenig (1896 – 1943) sträubt sich gegen den Leistungsdruck in der Familiendynastie und gilt als Aussteiger ohne Ehrgeiz. Die aus der Fabrikantenfamilie Schumm stammende Mutter Gertrud (1903 – 1997) verlässt ihren Ehemann, heiratet 1929 kurz nach der Scheidung den Ingenieur Hermann Preisser (1894 – 1966) und zieht mit ihrem Sohn zu ihm nach Landshut.

Dort wird Fritz Koenig 1931 eingeschult. Nach dem Abitur im Jahr 1942 meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst in Russland. Er wird zweimal verwundet, kehrt aber 1945 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Landshut zurück.

1946 beginnt Fritz Koenig sein Studium bei Joseph Wackerle* (1880 – 1959) an der Akademie der Bildenden Künste München, das er 1952 als Meisterschüler von Anton Hiller (1893 – 1985) abschließt. Nachdem er 1951 bereits als Student mit einem Stipendium in Paris war, verbringt er 1957 ein halbes Jahr als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. 1958 stellt Fritz Koenig bei der Biennale in Venedig und bei der Expo 58 in Brüssel aus, im Jahr darauf bei der documenta in Kassel, und der Galerist Günther Franke (1900 – 1976) organisiert 1959 in der Villa Stuck Fritz Koenigs erste Einzelausstellung. Der internationale Durchbruch gelingt dem Künstler 1961 mit einer Einzelausstellung in der Galerie des Kunsthändlers George W. Stämpfli (1910 – 1999) in New York.

Von 1964 bis 1995 lehrt Fritz Koenig Plastisches Gestalten für Architekten an der Technischen Hochschule München.

Alexander Rudigier attestiert Fritz Koenig nicht nur »starke Gemütsschwankungen« (Alexander Rudigier: Annäherung an Fritz Koenig und sein Werk, in: Fritz Koenig. Leben ‒ Werk ‒ Wirkung, Seite 98), sondern auch eine »eine in Bayern nicht ganz seltene Mischung aus höchst feinsinnig und grob, mitunter auch mit Wonne saugrob« (a. a. O., Seite 95). Der Künstler sei »egozentrisch, mitunter egomanisch und geltungssüchig« gewesen, schreibt der Kunsthistoriker (a. a. O., Seite 96). »Er hatte eine spontane Begeisterungsfähigkeit, gepaart mit Sprunghaftigkeit und oft gefolgt von Rückziehern. Alles musste sich einpendeln.« (a. a. O., Seite 95) Fritz Koenig selbst bezeichnete sich 1974 in einem Dokumentarfilm von Dagmar Damek (»Fritz Koenig und seine Welt«) als »Kurzstreckler«: »Ich mag immer wieder ansetzen, immer wieder starten, immer wieder los …« (hier zit. a. a. O., Seite 99).

Sein Hauptwerk, die 20 Tonnen schwere und knapp acht Meter hohe »Große Kugelkaryatide N. Y.« (»The Sphere«) entsteht 1968 bis 1971. Die 1972 auf dem Vorplatz des World Trade Centers aufgestellte Plastik wird nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 aus den Trümmern der Twin Towers geborgen und befindet sich seit 2017 als Objekt des 9/11 Memorial Museums im Liberty Park – etwa 200 Meter neben dem ursprünglichen Standort.

Auf dem Ganslberg bei Landshut lässt Fritz Koenig Anfang der Sechzigerjahre nach seinen Vorstellungen Wohnhaus, Atelier und Anlagen für seine Vollblutaraberzucht bauen. Das Ehepaar Fritz und Maria Koenig (1921 – 2010) überträgt 1993 das gesamte Eigentum – darunter eine renommierte Sammlung afrikanischer Kunst – einer Stiftung, und die Stadt Landshut baut im Gegenzug 1995 bis 1998 das KOENIGmuseum nach Vorgaben von Fritz Koenig und Plänen von Peter Gehring und Meike Gerchow.

*) Mehr zu Joseph Wackerle im Album über Brunnen

Kunstwerke fürs Deutsche Patentamt

Als in den Fünfzigerjahren der Neubau für das → Deutsche Patentamt (heute: Deutsches Patent- und Markenamt) an der Ecke Ecke Erhardt- / Zweibrückenstraße entstand, erhielt Fritz Koenig 1956 den Auftrag für zwei Kunstwerke (»Kunst am Bau«). Er schuf einen Quellbrunnen aus Nagelfluh im Hof des Atriumbaus an der Zweibrückenstraße und eine Supraporte: das Relief einer Schlange mit Schlüssel, die das Patentamt als Schutz des geistigen Eigentums symbolisieren soll.

»Votiv 68«

Im Treppenhaus der → Akademie der Schönen Künste in der Münchner Residenz entdeckten wir die 1968/69 von Fritz Koenig gestaltete Bronzeplastik »Votiv 68«.

»Votiv 68« (Foto: Februar 2026)

»Große Kugelkopfsäule« und »Großes Votiv K«

Vor dem Lenbachhaus bzw. unweit davon ‒ zwischen dem Garten und dem Eingang zur → Geologischen Staatssammlung in der Luisenstraße ‒ stehen zwei zur Sammlung der Städtischen Galerie gehörende Kunstwerke aus Bronze von Fritz Koenig: »Große Kugelkopfsäule« (1969/71) und »Großes Votiv K« (1963/64). In der Mitte von »Großes Votiv K« ist die stilisierte Figur eines Menschen zu erkennen. Ob er von den mächtigen ihn umgebenden Brocken bedroht oder beschützt wird, bleibt offen.

Große Kugelkopfsäule
»Große Kugelkopfsäule« (Foto: September 2025)

»Flora III«

2002/03 gestaltete der Landschaftsarchitekt Peter Kluska (1938 – 2020) den Kabinettsgarten neben der Allerheiligenkirche der Münchner Residenz neu. Dabei wurde eine 1971 von Fritz Koenig geschaffene »Säulenkaryatide« enthüllt. Bei dieser Bronzefigur mit dem Titel »Flora III« geht es um Natur und Abstraktum, Stamm und Knospe, Ruhe und Balance.

Frotz Koenig Flora III
Frotz Koenig Flora III
Frotz Koenig Flora III

»Große Zwei VI«

An der Treppe, die zum Haupteingang des Klinikums Bogenhausen (Englschalkinger Straße 77) hinaufführt, steht seit 1982 die 1973 von Fritz Koenig modellierte Bronzeplastik »Große Zwei VI«, das Pendant zu seinem gleichzeitig geschaffenen Kunstwerk »Große Zwei V« im Kunstareal.

Fritz Koenig: Große Zwei VI in Bogenhausen
Fritz Koenig: »Große Zwei VI« (Foto: Mai 2025)

»Große Kore III«

Vor dem Schulzentrum Fürstenried West an der Ecke Graubündner / Engadiner Straße steht die 1972 bis 1975 von Fritz Koenig gestaltete »Große Kore III« aus Bronze.

»Große Torfigur 1985«

Der Architekt Sep Ruf (1908 – 1982) und der Landschaftsarchitekt Karl Kagerer (1930 – 2015) entwarfen Ende der Sechzigerjahre den Tucherpark. Die Grünflächen zwischen den Gebäuden wurden als Skulpturengarten angelegt, und die damalige Bayerische Vereinsbank, die 1969 auf dem nach ihrem Vorstandssprecher Hans Christoph Freiherr von Tucher (1904 – 1968) benannten Gelände ein Verwaltungsgebäude bauen ließ, erwarb dafür Kunstwerke für den öffentlichen Raum, darunter die »Große Torfigur 1985« von Fritz Koenig.

Fritz Koenig: Große Torfigur 1985
»Große Torfigur 1985« (Foto: April 2023)

»Turbinenbrunnen«

1990 gestaltete Fritz Koenig den »Turbinenbrunnen« mit Aluminiumschaufeln vor dem 1986 errichteten BMW-Forschungs- und Innovationszentrum (»FIZ Future«) an der Knorrstraße 147.

*) Mehr zu Joseph Wackerle im Album über Brunnen und zu Fritz Koenig im Album über Kunst im öffentlichen Raum

»Turbinenbrunnen« vor dem BMW-Forschungs- und Innovationszentrum (Fotos: August 2025)

»Große Flora V«

Vor dem 1912/13 von Hans Grässel (1860 – 1939) fürs damalige Münchner Arbeitsamt an der Thalkirchner Straße 56 in der Isarvorstadt errichtete neubarocke Gebäude an der Thalkirchner Straße 56 (heute: Wohnanlage) steht das 1991 von Fritz Koenig gestaltete Kunstwerk »Große Flora V«.

Fritz Koenig: Große Flora V
Fritz Koenig: Große Flora V
Fritz Koenig: Große Flora V

»Große Flora V« vor dem ehemaligen Münchner Arbeitsamt (Fotos: Mai 2025)

»Große Blattfigur«

Im Hof vor dem 1990 bis 1994 vom Architekten Rudolf Wienands (*1940) errichteten Audimax der Technischen Universität München befindet sich seit 1995 die von Fritz Koenig 1986 geschaffene »Große Blattfigur«.

Fritz Koenig: Große Blattfigur
»Große Blattfigur« vor dem Audimax der TUM (Foto: Juli 2024)

»Große Biga«

Fritz Koenigs Bronzeplastik »Große Biga« aus dem Jahr 2000 befindet sich im → Skulpturenpark Pinakothek im Kunstareal.

Fritz Koenig: Große Biga - Kunst im öffentlichen Raum
»Große Biga« / Erich Hauser: Doppelsäule 23/70 (Foto: Juni 2023)

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Literatur:

. Freundeskreis Fritz Koenig e. V. (Hg.): Fritz Koenig. Leben ‒ Werk ‒ Wirkung (Landshut 2024)
. Freundeskreis Fritz Koenig e. V. (Hg.): Fritz Koenig ganz nah. Werke im öffentlichen Raum. München und Oberbayern (Landshut 2026)
. Peter-Klaus Schuster (Hg.): Fritz Koenig. Skulptur und Zeichnung (München 1988)