München: Theatergeschichte
Die Münchner Theatergeschichte begann Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Kurfürstlichen Opernhaus am Salvatorplatz. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden und entwickelten sich die großen Häuser vom Nationaltheater bis zum Münchner Volkstheater.
Über eigene Ensembles verfügen die Bayerische Staatsoper (Nationaltheater), das Bayerische Staatsschauspiel (Residenztheater, Cuvilliés-Theater), das Staatstheater am Gärtnerplatz, das Prinzregententheater (mit den Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding), die Münchner Kammerspiele und das Münchner Volkstheater.
Neben den Staatstheatern – Bayerische Staatsoper, Residenztheater, Theater am Gärtnerplatz – sind in München zahlreiche kleine und alternative Bühnen aktiv.
Kurfürstliches Opernhaus
Herzog Albrecht V. holte 1556 den flämischen Musiker Orlando di Lasso nach München und ernannte ihn 1564 zum Hofkapellmeister. Der berühmteste Komponist und Kapellmeister des 16. Jahrhunderts vollendete die polyphone Vokalmusik.
Die 1627 in Torgau uraufgeführte Oper »Dafne« von Heinrich Schütz gilt als erste deutschsprachige Oper. Ein erstes festes Opernhaus in Europa wurde 1637 in Venedig eröffnet: das Teatro San Cassiano. Die damals in Italien entstehende Opernkultur kam mit Henriette Adelaide von Savoyen 1652 nach München. Sie war seit Dezember 1650 per procuram mit dem bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria verheiratet, den sie nun in Kufstein zum ersten Mal sah.
Zur Zeit ihrer Ankunft oder kurz danach baute man einen Getreidespeicher (Haberkasten) im Kreuzviertel nach Plänen des Venezianers Francesco Santurini (1627 – 1682) und unter Mitwirkung des Münchner Architekten Marx Schinnagl (1612 – 1681) zum ersten Opernhaus in München um. 1657 wurde das kurfürstliche Opernhaus (»Oper- und Comedihauß«) mit der Oper »Oronte« von Johann Caspar von Kerll eröffnet.
Damit begann die Münchner Theatergeschichte.
1728 und 1729 gastierte mit Farinelli der berühmteste aller Kastraten am Kurfürstlichen Opernhaus in München.
Nachdem ein Feuer 1750 den St.-Georg-Theatersaal in der Residenz zerstört hatte, ließ Kurfürst Maximilian III. Joseph 1751 bis 1753 von François de Cuvilliés dem Älteren und dessen Schüler Karl Albert von Lespilliez ein neues Theater bauen. Während im → Cuvilliés-Theater Opern aufgeführt wurden, nahm das kurfürstliche Opernhaus am Salvatorplatz von da an fast ausschließlich kurze, leichte Werke (Vorläufer der Operette) und Ballettaufführungen ins Programm. Die Oper »La finta giardiniera«, die Wolfgang Amadeus Mozart im Auftrag des Kurfürsten Max III. Joseph komponiert hatte, wurde allerdings 1775 nicht im Cuvilliés-Theater, sondern im Opernhaus am Salvatorplatz uraufgeführt.
1802 brach man das seit 1799 nicht mehr bespielte Opernhaus am Salvatorplatz ab.
Cuvilliés-Theater
Nachdem ein Feuer im März 1750 den St.-Georg-Theatersaal in der Residenz zerstört hatte, ließ Kurfürst Maximilian III. Joseph 1751 bis 1753 auf dem Areal des abgerissenen Franziskanerklosters neben der Residenz von François de Cuvilliés dem Älteren* und dessen Schüler Karl Albert von Lespilliez ein neues Theater bauen, das von den Bildhauern Johann Baptist Straub, Anton Pichler und Joachim Dietrich kunstvoll ausgestattet wurde. Ab 1795 durften auch Bürger der Stadt München die Opernaufführungen in diesem Residenztheater besuchen.
König Ludwig I. ließ die Innenausstattung des Rokoko-Theaters entfernen, aber sein Nachfolger Maximilian II. Joseph gab eine Restaurierung in Auftrag, und 1857 konnte das Cuvilliés-Theater wiedereröffnet werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1949 bis 1951 auf den Grundmauern der alten Bühne im Nordosten des → Max-Joseph-Platzes ein neues → Residenztheater.
Weil man die aus Holz bestehenden Teile des Cuvilliés-Theaters kurz vor der Zerstörung der Gebäude durch Luftangriffe ausgelagert hatte, konnte 1956 bis 1958 ein Wiederaufbau erfolgen, und zwar im Apothekenstock der Residenz nach einem Konzept des Architekten Rudolf Esterer und unter Leitung von Otto Meitinger.
Das Cuvilliés-Theater fungiert heute als Spielstätte des (neuen) Residenztheaters.
*) Mehr zu François de Cuvilliés im Album über Architekten
Von 2004 bis 2008 sanierte man das Cuvilliés-Theater und modernisierte die Bühnentechnik.
Während dieser Sanierung entstand auch der mit Glas überdachte »Comité-Hof« als Foyer des Cuvilliés-Theaters. An diesem Ort hatte sich das aus der Neuveste stammende Ballhaus befunden. Das war 1799 abgerissen worden, damit für die Kurfürstin Karoline Friederike und ihre Hofgemeinde die erste protestantische Kirche Münchens gebaut werden konnte. Ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg hatte man dort das »Brunnenhoftheater« eingeweiht, an dessen ersten Intendanten Paul Verhoeven (1901 – 1975) eine Büste im Comité-Hof erinnert.
Cuvilliés-Theater: Comité-Hof (Fotos: November 2025)
Mehr zum Cuvilliés-Theater im Album über die Residenz
Nationaltheater München
Nach der Schließung des Kurfürstlichen Opernhauses am Salvatorplatz existierte nur noch das 1751 bis 1753 errichtete Residenztheater (Cuvilliés-Theater), und weil das zu klein war, gab König Maximilian I. Joseph 1810 bei Karl von Fischer* (1782 – 1820) Pläne für ein neues Königliches Hof- und Nationaltheater in Auftrag, mit dessen Bau 1811 begonnen wurde. Allerdings ließen sich die ehrgeizigen Vorstellungen des Architekten aus finanziellen Gründen nur teilweise umsetzen, und ein Feuer zerstörte 1817 einen Teil des noch unfertigen Bauwerks. Gut vier Jahre nach der Eröffnung des Nationaltheaters am 12. Oktober 1818 brannte es ab. Es heißt, zum Löschen sei bei einem weiteren Großfeuer im Januar 1823 Bier aus dem Hofbräuhaus geholt worden, weil das Löschwasser eingefroren war.
Leo von Klenze* leitete den Wiederaufbau und fügte die bereits von Karl von Fischer geplante, aber nicht realisierte korinthische Säulenvorhalle hinzu. Für die Innengestaltung des Zuschauerraums im späten Empirestil war der Hofdekorateur Jean Baptiste Métivier zuständig. Die Wiedereröffnung des klassizistischen Bauwerks erfolgte 1825. 1854 machte die Verbreiterung der Maximilianstraße einen Umbau erforderlich.
Ein Luftangriff zerstörte 1943 auch dieses Opernhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über einen modernen Neubau diskutiert, aber die Befürworter einer Rekonstruktion setzten sich durch: 1958 bis 1963 leiteten Gerhard Moritz Graubner und Karl Fischer den Wiederaufbau. Die Malereien von Ludwig Schwanthaler** in den Giebelfeldern der Hauptfassade des Nationaltheaters hatte man bereits 1894 durch Mosaike ersetzt. Das obere Mosaik – »Pegasus und die Horen« – blieb erhalten; anstelle des kriegszerstörten unteren Mosaiks schuf der Bildhauer und Architekt Georg Brenninger** (1909 – 1988) eine Figurengruppe.
*) Mehr zu Karl von Fischer und Leo und Klenze im Album über Architekten
**) Mehr zu Georg Brenninger und Ludwig von Schwanthaler im Album über Kunst im öffentlichen Raum
Beim Wiederaufbau des Nationaltheaters nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine der größten Opernbühnen der Welt und die drittgrößte in Europa (Hauptbühne: 750 m²; gesamte Bühnenfläche: 2.400 m²). 2101 Sitzplätze machen das Nationaltheater München zum größten Opernhaus in Deutschland. Die Bühnentechnik wurde 1987 bis 1989 auf den damals neuesten Stand gebracht. 2006 erfolgte eine weitere Modernisierung, verbunden mit einem Austausch des Bühnenbodens.
Das Nationaltheater in München ist die Spielstätte der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts.


Album übers Nationaltheater München
Münchner Marionettentheater
Josef Leonhard Schmid (»Papa Schmid«, 1822 – 1912) erkannte den pädagogischen Wert des Marionettentheaters, das um 1800 als Jahrmarktsattraktion aufgekommen war. Deshalb schlug er der Schulbehörde Münchens 1858 die »Errichtung eines ständigen Marionettentheaters« vor. Noch im selben Jahr erhielt er die Genehmigung. Allerdings änderte sich der Aufführungsort in den ersten Jahrzehnten mehrmals, bis Papa Schmid 1900 in der Blumenstraße ein nach Plänen des Architekten Theodor Fischer* gebautes Theater eröffnen konnte, ein neuklassizistisches Kuriosum.
*) Mehr zu Theodor Fischer im Album über Architekten

Staatstheater am Gärtnerplatz
Parallel zum Bau eines Volkstheaters auf dem »Eichthalanger« legte Zu diesem Zweck hatte Karl Freiherr von Eichthal das Areal der Stadt überlassen.
1861, als die Isarvorstadt noch großenteils aus Wiesen bestand, legte der Hofbankier Karl Freiherr von Eichthal (1813 – 1880), dem ein »Eichthalanger« genanntes Areal gehörte, einen Bebauungsplan für ein neues Stadtviertel vor und begann Mietshäuser für den ärmeren Teil der Bevölkerung zu errichten. Auf einem dafür von Karl Freiherr von Eichthal zur Verfügung gestellten Grundstück legte der Gartenarchitekt Max Kolb (1829 – 1915) ab 1860 im Auftrag der Stadt München den nach Friedrich von Gärtner benannten Platz an.
Auch ein Volkstheater – ein bürgerliches Pendant zu den Hoftheatern – sollte zum neuen Stadtviertel gehören. Franz Michael Reiffenstuel (1804 – 1871) entwarf 1864 das spätklassizistische Gebäude nach dem Vorbild des Nationaltheaters, und König Ludwig II. legte am 25. August 1865, seinem 20. Geburtstag, den Grundstein. Franz Michael Reiffenstuel führte alle Zimmer- und Schreinerarbeiten selbst aus; seinem Sohn oblagen die Maurerarbeiten. Bereits im Mai 1865 konnte das Richtfest gefeiert werden, und eröffnet wurde das Volkstheater im November 1865.

Der Bildhauer Max von Widnmann* (1812 – 1895) schuf vor 1869 die Giebelfigur des Gärtnerplatztheaters: Thalia mit einer Maske und einem Schäferstab.
1872 machte König Ludwig II. das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Theater zur dritten bayrischen Hofbühne, stellte also das »Königliches Theater am Gärtnerplatz« dem → Cuvilliés- und dem → Nationaltheater gleich.
In den Dreißigerjahren wurde das Gärtnerplatztheater zur »Bayerischen Staatsoperette«.
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 21. April 1945, wurde das Theater im Glockenbachviertel durch Bomben schwer beschädigt, aber bereits im Juni 1948 konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden.
Zu Beginn der Fünfzigerjahre bemalte Günter Voglsamer (1918 – 2004) die Wände des Pausenfoyers der »Bayerischen Staatsoperette« – so die damalige Bezeichnung des Theaters am Gärtnerplatz – mit Figuren der »Commedia dell’arte«. Später bearbeitete der Künstler sein Werk, indem er beispielsweise Schatten hinzufügte. Und als nach seinem Tod bei der Generalsanierung des Gebäudes die Durchgänge bogenförmig verkleinert wurden, also neue Wandflächen entstanden, ergänzte seine Tochter Ninon Voglsamer (*1957) die Wandmalerei entsprechend.
*) Mehr über Max von Widnmann im Album über Kunst im öffentlichen Raum
Von Mai 2012 bis Oktober 2017 wurde das Bauwerk generalsaniert. Parallel dazu ersetzte man das Rückgebäude an der Klenzestraße durch einen Neubau, der 16 Meter in die Tiefe reicht. Auch ein neuer Orchesterprobensaal gehört zu den Errungenschaften. Die Kosten beliefen sich auf rund 120 Millionen Euro.
Das Staatstheater am Gärtnerplatz – so die Bezeichnung seit 1955 – ist neben dem Bayerischen Staatsschauspiel und der Bayerischen Staatsoper eines von drei Bayerischen Staatstheatern und einer der fünf großen staatlichen Theaterbauten der Stadt München.
Mehr zum Staatstheater am Gärtnerplatz im Album über die Isarvorstadt
Deutsches Theater München
Das im Volksmund damals »Feenpalast« genannte, 1896 von Alexander Blum, Josef Rank und Karl Stöhr errichtete neubarocke Bauwerk wurde als Gastspieltheater für Varietés und Komödien genutzt.
In den Zwanzigerjahren war das Deutsche Theater München für aufwändige Revuen berühmt. 1929 erhielt Josephine Baker einen Vertrag, aber die Münchner Behörden verboten den Auftritt der »Negernackttänzerin«.
1949 bis 1951 bauten Ludwig und Willy Reiber das kriegszerstörte Gebäude nur teilweise wieder auf. Stars wie Johannes Heesters, Marika Rökk, Hans Moser und Zarah Leander traten nun im Deutschen Theater auf. 1961 wurde hier mit »West Side Story« von Leonard Bernstein die Musikgattung Musical eingeführt.
Der Münchner Stadtrat beauftragte 1977 den Architekten Reinhard Riemerschmid mit der erforderlichen Sanierung des Deutschen Theaters. Dabei dachte man an ein halbes Jahr und drei Millionen D-Mark, aber daraus wurden fünf Jahre und 54 Millionen D-Mark. Weil sich kein privater Betreiber fand, übernahm die Landeshauptstadt sowohl die »Deutsche Theater München Betriebs GmbH« als auch die »Deutsche Theater Grund- und Hausbesitz GmbH«.
Während das Deutsche Theater 2008 bis 2014 erneut auf Kosten der Stadt München saniert wurde, diesmal für 97 Millionen Euro, ging der Spielbetrieb in einem Zeltkomplex in Fröttmaning weiter.


Heute werden im Deutschen Theater an der Schwanthalerstraße 13 Musicals und Operetten, Shows und Konzerte aufgeführt, und im Fasching mutiert es zum größten Ballhaus Münchens. Mit 1679 Plätzen und etwa 300 Vorstellungen pro Jahr ist es nach der Oper das größte Theater in München. Neben dem Theatersaal gibt es in dem Gebäudekomplex noch den »Silbersaal«, Restaurants, Geschäfte und 30 Wohnungen.
Im Innenhof steht seit der Eröffnung des Deutschen Theaters ein damals (1896) von dem Bildhauer Carl Fischer* (1838 – 1891) im Einvernehmen mit den Architekten gestalteter Wandbrunnen mit einer Pan-Gruppe.
*) Mehr über Carl Fischer im Album über Brunnen
Deutsches Theater, Pan-Brunnen (Fotos: Juli 2024)
Münchner Kammerspiele
Die Brüder Karl und Arthur Riemerschmid (1860 – 1929; 1864 – 1929) ließen 1900/01von Max Littmann* ein Schauspielhaus entwerfen, von dessen Schwiegervater Jakob Heilmann* an der Maximiliansstraße bauen und von Richard Riemerschmid im Inneren im Jugendstil gestalten.
1926 zogen dort die Kammerspiele ein. Dabei handelte es sich um das 1911 in der Augustenstraße gegründetes alternatives privates Theater »Zum großen Wurstel (Grand Guignol)«, das sich ein halbes Jahr später in »Lustspielhaus« umbenannte und 1912 »Münchner Kammerspiele« erhielt.
Die Nationalsozialisten »arisierten« die Münchner Kammerspiele 1933. Die Gesellschafterin Flora Fromm und der Gesellschafter Benno Bing wurden 1942 im KZ Theresienstadt bzw. in Auschwitz ermordet. Hitler benannte das Haus 1939 in »Bühne der Hauptstadt der Bewegung« um, aber seine Pläne, die Jugendstil-Architektur durch eine Umgestaltung zu beseitigen, wurden wegen des Zweiten Weltkriegs nicht realisiert.
Trotz der Zerstörungen im Krieg konnten die Münchner Kammerspiele bereits im Oktober 1945 wieder eröffnet werden.
Die 1946 gegründete, den Münchner Kammerspielen angegliederte Städtische Schauspielschule wurde 1948 nach Otto Falckenberg (1873 – 1947) benannt, der die Kammerspiele von 1917 bis 1944 geleitet hatte: »Otto Falckenberg Schule. Fachakademie für darstellende Kunst der Landeshauptstadt München«.
Der Architekt Reinhard Riemerschmid* (1914 – 1996) renovierte das Schauspielhaus 1971 nach Vorlagen seines Großonkels. Es handelt sich um das einzige erhaltene Jugendstil-Theater in Deutschland.
Heute zählen die Münchner Kammerspiele mit dem Schauspielhaus in der Maximilianstraße, dem Werkraum in der Hildegardstraße und der Therese-Giehse-Halle in der Falckenbergstraße zu den experimentierfreudigen Sprechtheatern der Stadt. Auch der »Habibi Kiosk«, in dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, gehört dazu.
*) Mehr zu Jakob Heilmann, Max Littmann und Reinhard Riemerschmid im Album über Jugendstil
Prinzregententheater
Unter König Ludwig II. kam 1865 die Idee auf, ein Festspielhaus für Wagner-Opern in München zu bauen. Ernst von Possart (1841 – 1921), der Generaldirektor und Intendant der königlichen Hoftheater, engagierte sich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts dafür. 1899 wurde der Architekt Max Littmann beauftragt, das Opernhaus zu entwerfen. Dabei orientierte er sich am 1872 bis 1875 von Otto Brückwald nach Entwürfen von Richard Wagner im Stil der hellenistischen Romantik errichteten Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth. Das Ergebnis war eine Kombination von Antiken-Rezeption, Jugendstil, Neorenaissance und Klassizismus. Die Bauarbeiten begannen am 27. April 1900, und am 20. August 1901 weihte man das nach Prinzregent Luitpold benannte Theater mit einer Aufführung der »Meistersinger von Nürnberg« ein.

Der plastische Fassadenschmuck stammt von den Bildhauern Ernst Pfeifer (1862 ‒ 1948) und Heinrich Waderé (1865 – 1950).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ruine des Gartensaals 1958 abgerissen, und im März 1964 musste das Prinzregententheater wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Am 23. Juni 1983 wären die 2,7 Millionen D-Mark verfallen, die Max Littmanns Tochter Gertrud Proebst (1892 – 1980) in ihrem Testament für eine Wiederherstellung des Theaters vorgesehen hatte. Um das zu verhindern, ließ August Everding – der als Generalintendant für alle bayrischen Theater und Opernhäuser verantwortlich war – am 23. Juni 1983 symbolisch ein bisschen Wandfarbe auftragen und deklamierte: »Hiermit beginne ich mit der Wiederherstellung des Prinzregententheates.« Nach einer zunächst teilweisen Instandsetzung in den Achtzigerjahren für schätzungsweise 35 Millionen DM (»kleine Lösung«) erfolgte die vollständige Restaurierung 1995/96. (Die Kosten sind nicht öffentlich bekannt.)
Der Zuschauerraum des Prinzregententheaters verfügt über mehr als 1000 Sitzplätze im Parkett und sechs Logen. Die Sicht von und die Akustik auf allen Plätzen wird viel gelobt. Der Orchestergraben für bis zu 95 Musikerinnen und Musiker lässt sich in der Höhe verstellen. Kleinere Produktionen werden im Akademietheater (300 Plätze) und im Akademiestudio (100 Plätze) gezeigt.
Julius Mössel (1871 – 1957) bemalte die Decken und orientierte sich dabei am Grotesk-Ornament-Stil. Im Zuschauerraum ist seine Bemalung weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben. Das 7.30 Meter hohe Muldengewölbe im 26 mal 16 Meter großen Gartensaal mit einer korinthischen Kolonnaden-Architektur bemalte Elmar Albrecht (1915 – 1997) beim Wiederaufbau nach dem Vorbild des Originals von Julius Mössel mit floralen Motiven. Von ihm stammt auch die Bemalung der Foyers.
August Everding gründete 1993 die nach ihm benannte Bayerische Theaterakademie. Mit neun Studiengängen ist die Akademie die größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe im deutschsprachigen Raum: Schauspiel, Musiktheater / Operngesang, Musical, Regie, Performative Künste, Dramaturgie, Bühnenbild und -kostüm, Maskenbild, Kulturjournalismus. Die Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding immatrikulieren sich je nach Studiengang an der Hochschule für Musik und Theater München, der Ludwig-Maximilians-Universität München oder der Akademie der Bildenden Künste München.
Album übers Prinzregententheater
Residenztheater
Auf den Grundmauern des im Zweiten Weltkrieg zerstörten alten Residenztheaters (Cuvilliéstheater) entstand 1949 bis 1951 zwischen dem Königsbau der Residenz und dem Nationaltheater am Max-Joseph-Platz das neue Residenztheater. Adolf Linnebach (1876 ‒ 1963) konzipierte damals die Bühnentechnik.
Nach Plänen des Architekten Alexander Freiherr von Branca (1919 – 2011) wurde das Residenztheater 1988 bis 1991 renoviert und umgestaltet. Dabei bemalte Fred Thieler (1916 – 1999) unter Mitwirkung von Matthias Hollefreund (*1947) die Decke des Zuschauerraums (»Nachthimmel«, 1989). Das Foyer und der Pausenraum darüber wurden 2011 von dem Industriedesigner Konstantin Grcic (*1965) noch einmal neu gestaltet.
Die Guckkasten-Bühne misst 20×20 Meter, verfügt über eine Drehbühne mit einem Durchmesser von 15 Metern, eine 8 Meter tiefe Unterbühne und einen 20 Meter hohen Schnürboden.

Inspizientenpult / Maske (Fotos: November 2024)
Das Residenztheater ist die Hauptspielstätte des Bayerischen Staatsschauspiels, zu dem auch das → Cuvilliés-Theater und der Marstall gehören. Neben der → Bayerischen Staatsoper, dem → Prinzregententheater und dem → Theater am Gärtnerplatz ist das Residenztheater (»Resi«) eines der vier Bayerischen Staatstheater in München. Mit einem 50-köpfigen Ensemble und insgesamt rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt es als größtes Sprechtheater im deutschsprachigen Raum. Im Zuschauerraum stehen 880 Sitzplätze zur Verfügung.
Schauburg. Theater der Jugend
In einem Neubau am Elisabethplatz in Schwabing eröffnete 1926 das Ufa-Lichtspieltheater »Schauburg«. Daraus wurde 1966 ein Privattheater, das allerdings nur einige Monate lang existierte.
1967 bauten die Brüder Anusch und Temur Samy das Gebäude um und richteten dort die erste deutsche Großraum-Diskothek »Blow Up« für bis zu 2500 Gäste ein. Nach fünf Jahren war auch damit Schluss.
Eine Bürgerbewegung verhindert danach die Nutzung der Schauburg als Supermarkt und erreichte, dass die Stadt München die Immobilie erwarb. So wurde aus der Schauburg das Kinder- und Jugendtheater der Stadt München.
Dessen Wurzeln reichen allerdings bis 1953 zurück: Damals gründeten Siegfried Jobst und Annemarie Jobst-Grashey die »Münchner Märchenbühne« mit dem Ziel, nach den moralischen Verwüstungen unter dem NS-Regime einen Beitrag zum kulturellen Wiederaufbau zu leisten. 1968 übernahm die Landeshauptstadt München das »Theater der Jugend« und gliedert es den Münchner Kammerspielen an.
Nach einem Umbau 1990 bis 1993 wurde die nun offiziell »Schauburg. Theater der Jugend« genannte Bühne neu eröffnet.
Münchner Volkstheater
1903 wurde das Münchner Volkstheater mit 1000 Sitzplätzen in einem Neubau aus Eisenbeton in der Josephspitalstraße im Hackenviertel eröffnet. Dort erhielt die später berühmte Volksschauspielerin Elise Aulinger ihr erstes Engagement. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört.
Von 1983 bis 2020 befand sich das Münchner Volktheater am → Stiglmaierplatz.
2021 konnte der vom Architekturbüro LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei in Stuttgart und der Firma Georg Reisch in Bad Saulgau ausgeführte Neubau in der Tumblingerstraße auf dem Gelände des ehemaligen Viehhofs in Betrieb genommen werden. Intendant ist seit 2002 Christian Stückl, der durch seine Inszenierungen der Oberammergauer Passionsspiele bekannt geworden war.

»schwere reiter«
Beispielhaft für die zahlreichen alternativen und kleinen Theater in München sei das Theater »schwere reiter« genannt.
2008 wurde diese Bühne für Theater, Musik und Tanz im → Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße in Neuhausen gegründet. Dabei engagierte sich vor allem Karl Wallowsky, bis die Nutzungsgenehmigung 2018 auslief. Das baufällige Gebäude wurde abgerissen und durch einen 2020/21 nach Entwürfen des Münchner Architekturbüro Mahlknecht Herrle realisierten Neubau ersetzt, in dem das »schwere reiter« weitermachen konnte. Die Architektur weist bewusst darauf hin, dass es sich um eine Zwischennutzung handelt.


































