München: Nationaltheater, Staatsoper

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Baugeschichte

1657 bis 1795 stand am Salvatorplatz das von Francesco Santurini (1627 – 1682) gebaute erste öffentliche Opernhaus Münchens. Nach der Schließung existierte nur noch das 1751 bis 1753 errichtete Residenztheater (→ Cuvilliés-Theater). Weil es zu klein war, gab König Maximilian I. Joseph 1810 bei Karl von Fischer* Pläne für ein neues Königliches Hof- und Nationaltheater in Auftrag, mit dessen Bau 1811 begonnen wurde. Allerdings ließen sich die ehrgeizigen Vorstellungen des Architekten aus finanziellen Gründen nur teilweise umsetzen, und ein Feuer zerstörte 1817 einen Teil des noch unfertigen Bauwerks. Gut vier Jahre nach der Eröffnung des Nationaltheaters am 12. Oktober 1818 brannte es ab. Es heißt, zum Löschen sei bei einem weiteren Großfeuer im Januar 1823 Bier aus dem Hofbräuhaus geholt worden, weil das Löschwasser eingefroren war.

Karl von Fischer, Büste im Nationaltheater
Karl von Fischer, Büste im Nationaltheater (Foto: Mai 2026)

Leo von Klenze* leitete den Wiederaufbau und fügte die bereits von Karl von Fischer geplante, aber nicht realisierte korinthische Säulenvorhalle hinzu. Für die Innengestaltung des Zuschauerraums im späten Empirestil war der Hofdekorateur Jean Baptiste Métivier zuständig. Die Wiedereröffnung des klassizistischen Bauwerks erfolgte 1825. Die Verbreiterung der Maximilianstraße machte 1854 einen Umbau erforderlich.

Ein Luftangriff zerstörte am 3. Oktober 1943 auch dieses Opernhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über einen modernen Neubau diskutiert, aber die Befürworter einer Rekonstruktion setzten sich durch: 1958 bis 1963 leiteten Gerhard Moritz Graubner und Karl Fischer den Wiederaufbau. Die Malereien von Ludwig Schwanthaler in den Giebelfeldern der Hauptfassade des Nationaltheaters hatte man bereits 1894 durch Mosaiken ersetzt. Das obere – »Pegasus und die Horen« – blieb erhalten; anstelle des kriegszerstörten unteren Mosaiks schuf der Bildhauer und Architekt Georg Brenninger** (1909 – 1988) eine Figurengruppe.

*) Mehr zu Karl von Fischer und Leo und Klenze im Album über Architekten
**) Mehr zu Georg Brenninger im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Theatersaal

Mit 2101 Sitzplätzchen ist das Nationaltheater München das größte Opernhaus in Deutschland.

Zugang zur Mittelloge
Kronleuchter

Zugang zur Mittelloge, Kronleuchter, Friedensskulptur (Fotos: Juli 2023)

München: Nationaltheater, Staatsoper, Mittelloge

An der Holzdecke über dem Zuschauerraum hängt ein 3,6 Tonnen schwerer Kronleuchter aus 70.000 Teilen, dessen Höhe verstellt werden kann.

Harfe im Orchestergraben
Harfe im Orchestergraben (Foto: 2023)

Porträtbüsten von Komponisten und Dirigenten

Das Nationaltheater München hat eine ganze Reihe von Porträtbüsten gesammelt und aufgestellt. Dargestellt sind Komponisten und Dirigenten, die mit der Geschichte der Bayerischen Staatsoper verbunden sind.

Bruno Walter (1876 – 1962) war von 1913 bis 1922 Generalmusikdirektor der königlichen Hofoper bzw. der Bayerischen Staatsoper in München.

Karl Böhm (1894 – 1981) kam 1921 mit Unterstützung Bruno Walters zur Bayerischen Staatsoper und wirkte hier, bis er 1927 Generalmusikdirektor in Darmstadt wurde.

Hans Knappertsbusch (1888 – 1965) leitete von 1922 bis 1935 als Nachfolger von Bruno Walter (1876 – 1962) die Bayerische Staatsoper. Nach dem Zweiten Weltkrieg amtierte er erneut als Generalmusikdirektors der Bayerischen Staatsoper, aber nach wenigen Monaten, im Herbst 1945, verhängte die amerikanische Besatzungsmacht ein Berufsverbot gegen Hans Knappertsbusch. Das wurde zwar Ende 1946 annulliert, aber zu diesem Zeitpunkt hatte bereits Georg Solti die Nachfolge übernommen.

Clemens Krauss (1893 – 1954) kam 1936 zur Bayerischen Staatsoper und leitete sie von 1937 bis 1944 als Generalmusikdirektor.

Opernbühne

Beim Wiederaufbau des Nationaltheaters nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine der größten Opernbühnen der Welt und die drittgrößte in Europa (Hauptbühne: 750 m²; gesamte Bühnenfläche: 2.400 m²). Die Bühnentechnik wurde 1987 bis 1989 auf den damals neuesten Stand gebracht. 2006 erfolgte eine weitere Modernisierung, verbunden mit einem Austausch des Bühnenbodens.

Das Nationaltheater in München ist die Spielstätte der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts.

Rheingold Bar & Bistro

2020 – 151 Jahre nach der Uraufführung der Wagner-Oper »Das Rheingold« – wurde die »Rheingold Bar & Bistro« im Nationaltheater neu eröffnet. Die 24 m² große von hinten beleuchtete Onyx-Wand wiegt mehr als eine Tonne. Und die Theke besteht aus 7,5 Tonnen Marmor.

Figur im Korridor
Rheingoldbar

Figur im Korridor, Rheingold Bar & Bistro(Fotos: Juli 2023)

»Apollon Foyers«

Am 8. Mai 2026 beginnt das Bayerische Nationaltheater in München, freitags kostenlos und ohne Konsumzwang die Türen des Vorderhauses für die Öffentlichkeit zu öffnen. Auch die Prunksäle sind im Rahmen des Projekts »Apollon Foyers« zugängig. Ebenso wie die anderen »Dritten Orte« im Haus der Kunst, im Schauburg LAB und im Flux der Pinakothek der Moderne wird auch »Apollon Foyers« von der 1976 von Otto Beisheim (1924 – 2013) gegründeten Beisheim Stiftung in München unterstützt.

Apollon Foyers in der Staatsoper
»Apollon Foyers« (Foto: 8. Mai 2026)

Den Begriff »Dritter Ort« führte der Soziologe und Stadtplaner Ray Oldenburg (1932 – 2022) 1989 ein. 2001 verwendete er ihn für den Titel seines Buches »Celebrating the Third Place«. Gemeint ist damit ein dritter Ort nach dem Zuhause und dem Arbeitsplatz, ein mehr oder weniger öffentlicher Raum, in dem Menschen sich frei und ohne Hierarchie begegnen, Meinungen austauschen, das Gemeinschaftsgefühl stärken und vielleicht Beziehungen aufbauen. Dabei dachte Ray Oldenburg zum Beispiel an Buchhandlungen, britische Pubs, Wiener Kaffeehäuser – und Münchner Biergärten.

Prunksäle und Treppenhaus

Zu den innenarchitektonischen Glanzlichtern des Nationaltheaters in München gehören der Königssaal als Teil der Prunksäle und das dazugehörige Treppenhaus.

Königssaal

Bayerische Staatsoper (offizielle Website)