München: Prinzregententheater
Baugeschichte
Unter König Ludwig II. kam 1865 die Idee auf, ein Festspielhaus für Wagner-Opern in München zu bauen. Ernst von Possart (1841 – 1921), der Generaldirektor und Intendant der königlichen Hoftheater, engagierte sich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts dafür. 1899 wurde der Architekt Max Littmann beauftragt, das Opernhaus zu entwerfen. Dabei orientierte er sich am 1872 – 1875 von Otto Brückwald nach Entwürfen von Richard Wagner im Stil der hellenistischen Romantik errichteten Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth. Das Ergebnis ist eine Kombination von Antiken-Rezeption, Jugendstil, Neorenaissance und Klassizismus. Die Bauarbeiten begannen am 27. April 1900, und am 20. August 1901 weihte man das nach Prinzregent Luitpold benannte Theater mit einer Aufführung der »Meistersinger von Nürnberg« ein.
Der plastische Fassadenschmuck stammt von den Bildhauern Ernst Pfeifer (1862 ‒ 1948) und Heinrich Waderé (1865 – 1950).





Wiederherstellung
Wegen der Zerstörung des → Nationaltheaters diente das Prinzregententheater von 1944 bis 1963 als Spielstätte der Bayerischen Staatsoper.
Die Kriegsruine des Gartensaals wurde 1958 abgerissen, und im März 1964 musste das Prinzregententheater wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Am 23. Juni 1983 wären die 2,7 Millionen D-Mark verfallen, die Max Littmanns Tochter Gertrud Proebst (1892 – 1980) in ihrem Testament für eine Wiederherstellung des Theaters vorgesehen hatte. Um das zu verhindern, ließ August Everding – der als Generalintendant für alle bayrischen Theater und Opernhäuser verantwortlich war – am 23. Juni 1983 symbolisch ein bisschen Wandfarbe auftragen und deklamierte: »Hiermit beginne ich mit der Wiederherstellung des Prinzregententheates.« Nach einer zunächst teilweisen Instandsetzung in den Achtzigerjahren für schätzungsweise 35 Millionen DM (»kleine Lösung«) erfolgte die vollständige Restaurierung 1995/96. (Die Kosten sind nicht öffentlich bekannt.)
Deckengemälde
Julius Mössel (1871 – 1957) bemalte die Decken und orientierte sich dabei am Grotesk-Ornament-Stil. Im Zuschauerraum ist seine Bemalung weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben. Das 7.30 Meter hohe Muldengewölbe im 26 mal 16 Meter großen Gartensaal mit einer korinthischen Kolonnaden-Architektur bemalte Elmar Albrecht (1915 – 1997) beim Wiederaufbau nach dem Vorbild des Originals von Julius Mössel mit floralen Motiven. Von ihm stammt auch die Bemalung der Foyers.














Zuschauerraum
Der Zuschauerraum des Prinzregententheaters verfügt über mehr als 1000 Sitzplätze im Parkett und sechs Logen. Die Sicht von und die Akustik auf allen Plätzen wird viel gelobt. Der Orchestergraben für bis zu 95 Musikerinnen und Musiker lässt sich in der Höhe verstellen. Kleinere Produktionen werden im Akademietheater (300 Plätze) und im Akademiestudio (100 Plätze) gezeigt.











Bayerische Theaterakademie August Everding
August Everding gründete 1993 die nach ihm benannte Bayerische Theaterakademie. Mit neun Studiengängen ist die Akademie die größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe im deutschsprachigen Raum: Schauspiel, Musiktheater / Operngesang, Musical, Regie, Performative Künste, Dramaturgie, Bühnenbild und -kostüm, Maskenbild, Kulturjournalismus. Die Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding immatrikulieren sich je nach Studiengang an der Hochschule für Musik und Theater München, der Ludwig-Maximilians-Universität München oder der Akademie der Bildenden Künste München.
Im Garten zwischen dem Prinzregententheater und der Theaterakademie August Everding befindet sich ein Kunstwerk, das Theatermasken darstellt.
Der Brunnen vor der Bayerischen Theaterakademie August Everding wurde 1901 vermutlich vom Bildhauer Mathias Gasteiger* (1871 – 1934) gestaltet.
*) Mehr zu Mathias Gasteiger im Album über Brunnen



Richard-Wagner-Denkmal
Das Prinzregententheater war ursprünglich als Festspielhaus für Wagner-Opern in München gedacht. Passenderweise wurde am 21. Mai 1913 – einen Tag vor dem 100. Geburtstag des Komponisten – in der Nähe des Prinzregententheaters in Bogenhausen ein Denkmal für Richard Wagner* (1813 – 1883) enthüllt. Geschaffen hatte es der Bildhauer Heinrich Waderé (1865 – 1950) aus einem drei Tonnen schweren Block Untersberger Mamor.
*) Mehr zu Richard Wagner im Album über Denkmäler

Bayerische Theaterakademie August Everding (offizielle Website)





