München: »Der Blaue Reiter«

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»Der Blaue Reiter« im Lenbachhaus

Was wir als »Der Blaue Reiter« kennen, geht bis zur Kunst des Jugendstils und des Impressionismus zurück. Die neue Stilrichtung kristallierte sich heraus, als Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in den Sommermonaten 1908 und 1909 in Murnau neue Ausdrucksmöglichkeiten fanden (»Murnauer Künstlerkolonie«). »Die […] gemeinsam verbrachten Malwochen im August und September 1908 in Murnau wurden zu einem Wendepunkt im Schaffen von Kandinsky, Jawlensky, Münter und mittelbar auch von Werefkin. ‚Murnau 1908‘ […] bedeutete den Durchbruch zu einer neuartigen, expressiven Malerei; dieser Wendepunkt leitete die unmittelbare künstlerische Vorgeschichte des ‚Blauen Reiter‘ ein. Intensive, stark leuchtende, meist großflächig und ungemischt nebeneinander gesetzte Farben, die sich vom Naturbild zu lösen beginnen, verbinden sich mit einer flächenhaften Strukturierung des Bildaufbaus und einer Vereinfachung der Formen bis hin zu einem abstrahierenden Konzentrat des Gesehenen.« (Annegret Hoberg in »Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München«)

»Der Blaue Reiter« entstand 1911 als Abspaltung (Sezession) von der zwei Jahre zuvor gegründeten »Neuen Künstlervereinigung München«. Die Bezeichnung wählten Wassily Kandinsky und Franz Marc für ihren Almanach sowie zwei Ausstellungen 1911 und 1912 in München. »Den Namen Der Blaue Reiter erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau, Marc – Pferde, ich – Reiter. So kam der Name von selbst.« (Wassily Kandinsky in »Das Kunstblatt«, 1930) Franz Marc assoziierte die Farbe Blau mit dem Herben, Geistigen und Männlichen.

»Der Künstlerkreis des ‚Blauen Reiter‘, der sich nach längerer Vorgeschichte 1911 in München zusammenschloss, ist neben der 1905 in Dresden gegründeten Gruppe ‚Brücke‘ die wichtigste künstlerische Erneuerungsbewegung des 20. Jahrhunderts in Deutschland.« (Annegret Hoberg a. a. O.) Die im Umfeld des Blauen Reiters tätigen expressionistischen Künstler bildeten allerdings keine Künstlergruppe im engeren Sinne wie die »Brücke« in Dresden, sondern ein lockeres Beziehungsnetz der Avantgarde.

»Der ‚Blaue Reiter‘ war ein Zusammenwirken verschiedener Künstlerpersönlichkeiten auf der Basis der Vielfältigkeit. Verbindendes Moment war das Bestreben, in der Kunst neue Formen zu finden, die es ermöglichten, eine innere Vision unmittelbar und originär zum Ausdruck zu bringen, unabhängig von jedem traditionellen Formenkanon […].« (Helmut Friedel in »Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München«) Zwar verwendete auch der Blaue Reiter die Farben abstrakt, flächenhaft und als reine Ausdruckswerte, aber hier kam es nicht wie bei den Fauvisten und den norddeutschen Expressionisten auf den heftigen Ausdruck an. Charakteristisch für den Blauen Reiter ist das Interesse an bayrischer Volks- und Kinderkunst, vor allem aber das Bedürfnis nach freier künstlerischer Entfaltung bzw. einer neuen Sprache der Kunst. Florian Heine fasst zusammen: »Formvereinfachung, Farbe nicht als Gegenstandsbeschreibung, sondern als Gefühlsausdruck, Reduzierung der Gegenstände auf fast geometrische Formen und Abstraktion«. Das zeigt sich in den Abstraktionen von Franz Marc und Wassily Kandinskys ebenso wie in den expressiven Menschen- und Naturdarstellungen von Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin.

Der Erste Weltkrieg beendete den Blauen Reiter, aber das Spätwerk von Gabriele Münter und Elisabeth Epstein verband ihn mit der Neuen Sachlichkeit, die in der Weimarer Republik als Gegenbewegung zum Expressionismus entstand.

Bevor Wassily Kandinsky zu Beginn des Ersten Weltkriegs nach Russland zurückkehrte, bevollmächtigte er seine Lebensgefährtin Gabriele Münter, die gemeinsame Wohnung in Schwabing aufzulösen. Ihr gelang es dann auch, viele Werke des Blauen Reiters vor den Nationalsozialisten zu verstecken. 1957 schenkte sie dem Lenbachhaus in München Hunderte von Kunstwerken des Blauen Reiters, darunter 25 eigene Gemälde. (Mehr dazu in der Kurzbiografie über Gabriele Münter.) 1965 wurde die Sammlung durch den Bestand der Bernhard und Elly Koehler Stiftung ergänzt. Seither verfügt die Städtische Galerie im Lenbachhaus über die größte Sammlung zur Kunst des Blauen Reiters weltweit.

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus zeigt seit 1957 Teile der Sammlung »Der Blaue Reiter«. Dabei gestaltete man die Ausstellung mehrmals um, erweiterte sie und setzte neue Akzente. Vom 25. April 2024 bis 25. Januar 2026 war beispielsweise »Der Blaue Reiter. Eine neue Sprache« zu sehen, kuratiert von Melanie Vietmeier, Nicholas Maniu und Matthias Mühling.

Vom 10. März 2026 bis 5. September 2027 präsentiert die Städtische Galerie im Lenbachhaus die von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling unter Mitwirkung von Johannes Michael Stanislaus kuratierte Ausstellung »Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter«. Das Lenbachhaus kooperiert dabei mit der Gabriele Münter- und der Johannes-Eichner-Stiftung. Der Titel bezieht sich auf das Gedicht »Die Stimme Edens« (1911) von Else Lasker-Schüler: »[…] Gottseele … / Und sie wächst / Über die Welt hinaus […]«.

Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München
Lenbachhaus: »Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter« (Foto: März 2026)

Vorläufer des Blauen Reiters

Wassily Kandinsky
Wladimir von Bechtejeff

Wassily Kandinsky: Reisiger Ritter, 1902/03 / Wladimir von Bechtejeff: Porte de France, Tunis, ca. 1906 (Fotos: April 2024)

Franz Marc
Franz Marc: Der Panther

Franz Marc: Orpheus bei den Tieren (Entwurf für einen Gobelin), ca. 1907/09; Der Panther (Bronze), 1908
(Fotos: März 2026 / Dezember 2025)

Jean Bloé Niestlé: Wasserpieper
Jean Bloé Niestlé: Wasserpieper, 1909 (Foto: Dezember 2023)

»Der Blaue Reiter«

Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky (1866 – 1944) wurde in Moskau geboren, wuchs jedoch in Odessa auf. Von 1886 bis 1892 studierte er Jura, Nationalökonomie und Ethnologie an der Lomonossow-Universität in Moskau und 1893 promovierte er dort. Bald darauf wechselte Wassily Kandinsky zur Kunst und zog nach München, wo er von 1897 bis 1899 die private Malschule von Anton Ažbe (1862 – 1905) besuchte und ab 1900 bei Franz von Stuck an der Kunstakademie studierte.

Anton Ažbe im Leopoldpark
Anton Ažbe: Denkmal im Leopoldpark
(Foto: September 2024)

Während Wassily Kandinsky von 1901 bis 1904 die »Schule für Malerei und Aktzeichnen« der von ihm mitbegründeten Künstlergruppe »Phalanx« in München leitete, wurde Gabriele Münter seine Lebensgefährtin, obwohl er seit 1892 mit seiner Cousine Anna Tschemjakina verheiratet war. (Die Ehe wurde 1911 geschieden.)

1908 begannen Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau, mit dem Malerpaar Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky zusammenzuarbeiten. In Marianne von Werefkins Atelierwohnung in Schwabing lernten Gabriele Münter und Wassily Kandinsky 1911 Franz Marc kennen.

1911 legte Wassily Kandinsky den Vorsitz der 1908 gegründeten »Neuen Künstlervereinigung München« nieder. Noch im selben Jahr verließen er, Gabriele Münter und Franz Marc die N. K. V. M. Die beiden Männer veranstalteten im Dezember 1811 eine mit der Jahresausstellung der Künstlervereinigung in der »Modernen Galerie Heinrich Thannhauser« im Arco-Palais konkurrierende Ausstellung. Eine zweite folgte im Frühjahr 1812 in der Galie von Hans Goltz, und kurz darauf brachten Wassily Kandinsky und Franz Marc den Almanach »Der Blaue Reiter« heraus.

Zwei Tage nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs setzte sich Wassily Kandinsky mit Gabriele Münter in die Schweiz ab, und im November 1914 kehrte er allein nach Moskau zurück. Dort heiratete er im Februar 1917 Nina Nikolajewna Andreevskaja.

1922 folgte Wassily Kandinsky einem Ruf von Walter Groupius ans Bauhaus und lehrte dort, bis die Nationalsozialisten dafür sorgten, dass die Einrichtung 1933 geschlossen wurde. Daraufhin emigrierte er nach Frankreich. Er starb am 13. Dezember 1944 in Neuilly-sur-Seine.

Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Wassily Kandinsky: Orientalisches, 1909 (Foto: März 2026)
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky: Allerheiligen II, 1911; Aquarell Nr. 8 Jüngster Tag, 1911/12 (Fotos: Dezember 2023)

Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky: Improvisation 26 (Rudern), 1912; Roter Fleck (nächtlich), 1913/14 (Fotos: April / Dezember 2023)

Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Wassily Kandinsky: Roter Fleck II, 1921 (Foto: März 2026)
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky: Quer und Hoch, 1927; Nachdruck, 1926 (Fotos: Dezember 2025 / April 2024)

Der Blaue Reiter im Lenbachhaus: Wassily Kandinsky
Wassily Kandinsky: Parties diverses, 1940 (Foto: April 2023)

Franz Marc

Der Münchner Franz Marc (1880 – 1916) immatrikulierte sich 1899 nach dem Abitur an der → Ludwig-Maximilians-Universität für ein Philologiestudium, leistete aber vor dem Beginn seines Studiums erst noch seinen Wehrdienst ab und begann dann 1901 ein Studium an der Münchner Kunstakademie, das er allerdings 1903 abbrach. Im Jahr darauf richtete sich Franz Marc ein Atelier in Schwabing ein. 1910 freundete er sich mit August Macke an.

In Marianne von Werefkins Atelierwohnung in Schwabing lernte Franz Marc am Neujahrsabend 1911 das Künstlerpaar Gabriele Münter und Wassily Kandinsky kennen. Kurz darauf schloss er sich der von Wassily Kandinsky geleiteten »Neuen Künstlervereinigung München« an, aber noch im selben Jahr trennten sie sich von der N. K. V. M. Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky unterstützten zwar die drei Sezessionisten, blieben jedoch in der Künstlervereinigung.

Franz Marc und Wassily Kandinsky veranstalteten im Dezember 1811 eine mit der Jahresausstellung der N. K. V. M. in der »Modernen Galerie Heinrich Thannhauser« im Arco-Palais konkurrierende Ausstellung. Eine zweite folgte im Frühjahr 1812 in der Kunsthandlung Hans Goltz, und kurz darauf brachten die beiden Künstler den Almanach »Der Blaue Reiter« heraus.

Ebenso wie der mit ihm befreundete Künstler August Macke wurde Franz Marc sofort nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs eingezogen. Am 4. März 1916 fiel er in der Nähe von Braquis bei Verdun.

Franz Marc
Franz Marc: Blaues Pferd I, 1911 (Foto: April 2023)
Franz Marc
Franz Marc

Franz Marc: Rehe im Schnee, 1911; Kühe, rot, grün, gelb, 1911 (Fotos: April 2023)

Franz Marc
Franz Marc

Franz Marc: Äffchen und Mensch, um 1912; Tiger, 1912 (Fotos: April 2024 / Dezember 2023)

Franz Marc
Franz Marc: Das Äffchen, 1912 (Foto: April 2024)
Franz Marc
Franz Marc

Franz Marc: Reh im Walde II, 1914; Vögel, 1914 (Fotos: April / Dezember 2023)

Maria Marc

Maria Franck (1876 – 1955) ließ sich in ihrer Heimatstadt Berlin zur Zeichenlehrerin ausbilden. 1903 besuchte sie die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins. Zum Studium an Hochschulen wie der Kunstakademie waren Frauen noch nicht zugelassen.

Im Fasching 1905 begegnete sie Franz Marc in Schwabing. Nachdem sie sich im Sommer und Herbst in der Künstlerkolonie Worpswede von Otto Modersohn hatte unterrichten lassen, traf sie im Dezember desselben Jahres Franz Marc erneut und freundete sich mit ihm an. So kam es 1906 in Kochel zu einem Dreiecksverhältnis zwischen ihr, Franz Marc und seiner Geliebten Marie Schür (1869 – 1934). 1907 heirateten Franz Marc und Marie Schür, aber die Ehe wurde bereits nach 15 Monaten geschieden. 1910 freundete sich das Künstlerpaar Franz Marc und Maria Franck mit August Macke und Elisabeth Erdmann-Macke an.

An der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters im Frühjahr 1912 in der Kunsthandlung Hans Golz in München nahm auch Maria Franck mit drei Gemälden teil.

Obwohl Franz Marc wegen der Scheidung vorerst nicht erneut heiraten durfte, verkündeten er und »Maria Marc, geb. Franck« im Juni 1911 ihre Eheschließung. Standesamtlich trauen lassen konnten sich die beiden erst zwei Jahre später in München. Anfang 1914 zogen sie nach Ried bei Kochel am See.

Aber das Glück war nicht von langer Dauer: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Franz Marc sofort eingezogen, und am 4. März 1916 fiel er in der Nähe von Braquis bei Verdun.

Maria Marc begann 1922 am Bauhaus in Weimar Weberei zu studieren. Nachdem sie von 1929 bis 1938 die meiste Zeit in Ascona verbracht hatte, kehrte sie 1939 in ihr Haus in Ried zurück. Dort arbeitete sie zusammen mit Johanna Schütz-Wolff (1896 – 1965) als Bildwirkerin. 1955 starb sie in Ried.

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München veranstaltete 1995 eine erste Ausstellung zum zum textilen und malerischen Werk der Künstlerin.

Maria Marc
Maria Franck-Marc: Mädchen mit Kleinkind, um 1913 (Foto: März 2026)

Gabriele Münter

Gabriele Münter (1877 – 1962) nahm 1897 Privatunterricht beim Genre- und Porträtmaler Ernst Bosch (1834 – 1917) in Düsseldorf und besuchte dort auch vorübergehend die Damenkunstschule von Willy Spatz. Aber als im November desselben Jahres ihre Mutter starb – der Vater war bereits 1886 gestorben – brach Gabriele Münter die Ausbildung ab und reiste zwei Jahre lang mit ihrer Schwester durch die USA. Das ermöglichte ihnen die Erbschaft.

1901 zog Gabriele Münter nach München und begann dort an der Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins zu studieren, weil die Hochschulen noch keine Frauen aufnahmen. Ende des Jahres wechselte sie zu der Malschule, die zur Künstlergruppe »Phalanx« gehörte – und wurde die Lebensgefährtin ihreres Lehrers Wassily Kandinsky.

Gabriele Münter und Wassily Kandinsky freundeten sich in Schwabing mit dem Künstlerpaar Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky an, und den Spätsommer 1908 verbrachten sie zu viert in Murnau. Dort nahm Gabriele Münter auch Unterricht beim Glasmaler Heinrich Rambold. Im Jahr darauf kaufte Gabriele Münter eine kurz zuvor nach Plänen des Architekten Ernst Hegemann gebaute Villa am Rand von Murnau (»Münter-Haus«) für sich und Wassily Kandinsky. Franz Marc und August Macke gehörten ebenso wie der Komponist Arnold Schönberg zu ihren Besuchern.

Zwei Tage nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs setzte sich Wassily Kandinsky mit Gabriele Münter in die Schweiz ab, und im November 1914 kehrte er allein nach Moskau zurück. Ein letztes Mal sahen sich die beiden 1916 in Stockholm, wo Gabriele Münter eine Ausstellung für Wassily Kandinsky arrangiert hatte.

Bei der überstürzten Abreise aus München hatte Wassily Kandinsky seinen Besitz zurücklassen müssen. Er bevollmächtigte dann Gabriele Münter, die gemeinsame Wohnung in der Ainmillerstraße in Schwabing aufzulösen, und sie sorgte dafür, dass vor allem die Kunstwerke professionell eingelagert wurden.

1922 folgte Wassily Kandinsky einem Ruf von Walter Groupius ans Bauhaus in Weimar und kam wieder nach Deutschland – mit seiner Ehefrau Nina. Erst jetzt erfuhr Gabriele Münter, der er die Ehe versprochen hatte, dass er seit 1917 verheiratet war. Als er nun seine Sachen aus München und Murnau zurückforderte, sträubte sich Gabriele Münter – und setzte sich in einem jahrelangen Rechtsstreit durch: Am 2. April 1926 erkannte Wassily Kandinsky ihr »volles, bedingungsloses Eigentumsrecht an allen Arbeiten […], die ich bei ihr zurückgelassen habe« an (zit. nach Helmut Friedel in »Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München«).

1936 zog Gabriele Münters neuer Lebensgefährte, der Philosoph und Kunsthistoriker Johannes Eichner (1886 – 1958), zu ihr nach Murnau. Testamentarisch gründeten die beiden die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, die 1966 mit Sitz im Lenbachhaus in München rechtsfähig wurde und inzwischen im »Münter-Haus« ein Museum als Erinnerungsstätte für die Kunst von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky betreibt. 1957, fünf Jahre vor ihrem Tod, hatte Gabriele Münter dem Lenbachhaus Hunderte von Kunstwerken des Blauen Reiters geschenkt, darunter 25 eigene Gemälde.

Gabriele Münter
Gabriele Münter

Gabriele Münter: Jawlensky und Werefkin, 1909; Stillleben mit Figur II, 1910 (Fotos: April / Dezember 2023)

Gabriele Münter
Gabriele Münter

Gabriele Münter: Olga von Hartmann, um 1910; Glaspokal, um 1910 (Fotos: März 2026 / April 2024)

Gabriele Münter
Gabriele Münter

Gabriele Münter: Stillleben mit Madonna und Spielzeugvogel, 1911; Sinnende, 1917 (Fotos: April 2024)

Gabriele Münter
Gabriele Münter

Gabriele Münter: In der Erdbeerzeit, 1919; Fräulein Gerti Holz, 1917 (Fotos: März 2026)

Gabriele Münter
Gabriele Münter: Liegende Dame in Grün, 1919 (Foto: Juli 2025)
Gabriele Münter
Gabriele Münter: Erdarbeiten, 1935 (Foto: März 2026)

Marianne von Werefkin

Marianne von Werefkin (Marianna Wladimirowna Werjowkina, 1860 – 1938) wurde 1880 Privatschülerin des russischen »Wandermalers« Ilja Repin (1844 – 1930) und begann 1883 in Moskau Kunst zu studieren. 1888 durchschoss sie sich bei einem Jagdunfall die rechte Hand. Zu dieser Zeit feierte man sie bereits als »russischen Rembrandt«, und als 1892 Alexej von Jawlensky (1864/65 – 1941) ihr Lebensgefährtin wurde, lernte er von ihr.

Nach dem Tod ihres Vaters zog Marianne von Werefkin 1896 mit Alexej von Jawlensky und ihrem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff nach Schwabing. Dort ließ sie ihren Lebensgefährten von Anton Ažbe unterrichten und hielt sich selbst mit ihrer Kunst im Hintergrund, um ihn zu fördern. Florian Heine vermutet, dass es sich auch um eine Schaffenskrise gehandelt habe.

Erst während eines Aufenthalts beim Maler Pierre Girieud (1876 – 1948) an der französischen Mittelmeerküste begann Marianne von Werefkin 1906 wieder zu malen, und im Jahr darauf – noch vor Gabriele Münter und Wassily Kandinsky – schuf sie ihre ersten expressionistischen Werke. Im Sommer 1908 arbeiteten die beiden Künstlerpaare gemeinsam in Murnau.

1909 gründete Marianne von Werefkin mit anderen zusammen die »Neue Künstlervereinigung München«, und im Jahr darauf gewannen sie und Wassily Kandinsky auch Franz Marc dafür. Aber im Winter 1911/12 verließen sie die N. K. V. M. und bildeten das Netzwerk »Der Blaue Reiter«.

Sofort nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs flohen Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky ebenso wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in die Schweiz.

Alexej von Jawlensky zog 1921 ohne Marianne von Werefkin, aber mit ihrem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff und deren von ihm gezeugten, 1902 geborenen Sohn Andreas nach Wiesbaden.

1938 starb Marianne von Werefkin als Staatenlose in Ascona. Bis zuletzt hatte sie sich als Künstlerin weiterentwickelt und sich beispielsweise in ihrem Alterswerk von japanischer Kunst inspirieren lassen.

Marianne von Werefkin
Marianne von Werefkin: Selbstbildnis I, ca. 1910 (Foto: Juli 2025)

Alexej von Jawlensky

Alexej von Jawlensky (Alexei Georgijewitsch Jawlenski, 1864/65 – 1941) begeisterte sich während seiner Offiziersausbildung bei der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung in Moskau 1882 für die Kunst und versuchte sich daraufhin autodidaktisch als Maler.

Um an der Russischen Kunstakademie in Sankt Petersburg studieren zu können, ließ sich der Fähnrich dorthin versetzen. Ilja Repin (1844 – 1930) riet ihm, sich von dessen ehemaliger Privatschülerin Marianne von Werefkin unterrichten zu lassen. 1892 wurden die Lehrerin und ihr Schüler ein Paar, und 1896 zogen sie nach Schwabing. Dort ließ sich Alexej von Jawlensky von Anton Ažbe (1862 – 1905) weiterbilden.

In den Sommermonaten der Jahre 1908 und 1909 arbeiteten Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky mit dem Künstlerpaar Gabriele Münter und Wassily Kandinsky gemeinsam in Murnau.

1909 gründeten Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky mit anderen zusammen die »Neue Künstlervereinigung München«, und im Jahr darauf gewannen sie und Wassily Kandinsky auch Franz Marc dafür. Aber im Winter 1911/12 verließen sie die N. K. V. M. und bildeten das Netzwerk »Der Blaue Reiter«.

Sofort nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs emigrierten Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin ebenso wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in die Schweiz.

1920 lösten Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky ihren Haushalt in München auf. Im Jahr darauf zog Alexej von Jawlensky ohne seine langjährige Lebensgefährtin nach Wiesbaden. 1922 heiratete er dort Helene Nesnakomoff, die als Dienstmädchen mit Marianne von Werefkin nach München gekommen war und 1902 seinen Sohn Andreas geboren hatte.

Ab 1927 litt Alexej von Jawlensky zunehmend stärker unter rheumatoider Arthritis, die ihn auch beim Malen schwer behinderte und 1937 zwang, einen Rollstuhl zu benützen. Von 1938 bis zu seinem Tod am 15. März 1941 lag Alexej von Jawlensky gelähmt im Bett.

Alexej von Jawlensky
Alexej von Jawlensky: Spanierin

Alexej von Jawlensky: Reife, um 1912; Spanierin, 1913 (Fotos: April 2023 / Dezember 2025)

Alexander Sacharoff

Alexander Sacharoff (Alexander Zuckermann, 1886 – 1963) wurde in Mariupol geboren. 1903 begann er ein Jura- und Kunststudium in Paris, aber als er dort die Schauspielerin Sarah Bernhardt tanzen sah, beschloss er, Tänzer zu werden, zog 1905 nach München und ließ sich hier nicht nur in klassischem Ballett, sondern auch in Akrobatik ausbilden.

1909 wurde Alexander Sacharoff Mitglied der »Neuen Künstlervereinigung München«. Alexej von Jawlensky porträtierte ihn. Wassily Kandinsky und der russische Komponist Thomas von Hartmann unterstützten den Maler, Tänzer und Choreografen bei der Vorbereitung eines synästhetischen Kunstwerks. Am 2. Juni 1910 trat er in der Münchner Tonhalle (Odeon) als Solotänzer in seinem Stück auf. Sein Bestreben war es, nicht zur Musik zu tanzen, sondern Musik in Bewegung sichtbar zu machen.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs setzten sich Alexander Sacharoff und seine Lebensgefährtin Clotilde von Derp (Clotilde Edle von der Planitz, 1892 – 1974) in die Schweiz ab. Dort heirateten die beiden 1919, und Marianne von Werefkin fungierte als Trauzeugin.

In den Zwanziger- und Dreißigerjahren trat das Tänzer-Paar nicht nur in New York, Paris und London auf, sondern unternahm auch Tourneen im Fernen Osten sowie in Süd- und Nordamerika. Als der Zweite Weltkrieg begann, hielten sich Alexander Sacharoff und Clotilde von Derp in Portugal auf und konnten nicht an ihren damaligen Wohnort Paris zurückkehren. Stattdessen emigrierten die beiden 1941 nach Südamerika. Dort trennten sie sich zwar, traten aber auch weiter gemeinsam auf.

1948/49 kehrten sie nach Europa zurück, und 1952 zogen sie nach Italien. Am 25. September 1963 starb Alexander Sacharoff in Siena.

Alexander Sacharoff
Alexander Sacharoff: Pavane Fantastique, ca. 1916/17
(Foto: April 2024)

Pierre Girieud

Pierre Girieud (1876 – 1948) wurde in Paris geboren, wuchs jedoch ab 1879 in Marseille auf. Vom Vater, einem Ingenieur, unterstützt, zog er kurz vor seinem 24. Geburtstag nach Paris und wurde autodidaktisch Maler. Picasso und andere Größen der Kunstszene freundeten sich mit ihm an, und Gertrude Stein (1874 – 1946) lud Pierre Girieud in ihren berühmten Pariser Salon ein. Ab 1906 gehört auch das Künstlerpaar Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zu Pierre Girieuds Freundeskreis.

Im Dezember 1909 nahm er an der ersten Ausstellung der »Neuen Künstlervereinigung München« teil, und im Jahr darauf wurde er Mitglied. Während die »Moderne Galerie Heinrich Thannhauser« im Mai 1911 in München eine Ausstellung von ihm und Franz Marc veranstaltete, wohnte Pierre Girieud bei Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in Schwabing.

Das Künstlerpaar besuchte ihn im Oktober 1911 in Paris, und Franz Marc und Wassily Kandinsky gewannen ihn für die Mitarbeit am Almanach »Der Blaue Reiter«. Allerdings versäumte Pierre Girieud die Abgabe der geplanten Abhandlung und war dann nur mit dem Faksimile eines Gemäldes im Almanach vertreten. Die beiden Organisatoren des Blauen Reiters forderten ihn zwar im Dezember 1911 auf, ihrem Beispiel zu folgen, die N. K. V. M. zu verlassen und bei der ersten Ausstellung des Blauen Reiters mitzumachen, aber das lehnte Pierre Girieud ab. Stattdessen beteiligte er sich 1912 sowohl an der dritten Ausstellung als auch an der Publikation »Das Neue Bild« des N. K. V. M.

Der Erste Weltkrieg zerriss den Kontakt des Franzosen mit seinen Freunden in München. Nach dem Krieg nahm Pierre Girieud eine Professur der École des Beaux-Arts in Nantes an. Er starb 1948 in einem Seniorenheim in Nogent-sur-Marne.

Pierre Girieud: Judas
Pierre Girieud: Judas 1909 (Foto: April 2023)

August Macke

August Macke (1887 – 1914) wurde in Meschede geboren, wuchs jedoch in Köln und Bonn auf. In Köln freundete er sich mit dem nach einem Unfall beinamputierten Nachbarsjungen Hans Thuar an. (Dessen Tochter Gisela heiratete später August Mackes Sohn Wolfgang.)

Gegen den Willen der Eltern brach August Macke 1904 die Schulausbildung ab und immatrikulierte sich im Jahr darauf an der Königlichen Kunstakademie Düsseldorf, aber auch das Studium beendete er 1906 ohne Abschluss, während er gleichzeitig Kurse der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule besuchte.

1908/09 absolvierte August Macke seinen Wehrdienst. Danach heiratete er seine Jugendfreundin Elisabeth Gerhardt (1888 – 1978), die zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger war. Die Familie zog 1909 nach Tegernsee. 1910 begann die Freundschaft von August Macke und Franz Marc. Die Mackes kehrten Ende des Jahres nach Bonn zurück, bezogen im Februar 1911 ein Wohnhaus, das Elisabeth Mackes Mutter gehörte (»August-Macke-Haus«) und ließen dort ein Atelier bauen.

Franz Marc und Wassily Kandinsky luden August Macke 1911 ein, am Almanach »Der Blaue Reiter« mitzuwirken. Er kam dem Wunsch nach und beteiligte sich dann auch an den beiden Ausstellungen des Blauen Reiters, obwohl er dem Künstler-Netzwerk ebenso wie zuvor schon der »Neuen Künstlervereinigung München« skeptisch gegenüber stand und 1913 ein Bild mit dem Titel »Persiflage auf den Blauen Reiter« malte.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde August Macke eingezogen und kurz darauf an die Westfront abkommandiert. Er fiel am 26. September 1914 bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne.

August Macke
August Macke
August Macke

August Macke: Tegernseer Bauernjunge, 1910; Türkisches Café, 1914; Porträt mit Äpfeln, 1909
(Fotos: April 2024 / März 2026 / April 2023)

August Macke
August Macke

August Macke, I******* auf Pferden, 1911; Blumen im Garten, Clivia und Pelargonien, 1911 (Fotos: Dezember / April 2023)

August Macke
August Macke: Zoologischer Garten I, 1912 (Foto: Dezember 2023)
August Macke
August Macke

August Macke: Hutladen, 1913; Promenade, 1913 (Fotos: Dezember 2023)

Paul Klee

Paul Klee (1879 – 1940) wurde als Sohn einer Schweizer Sängerin und eines deutschen Musiklehrers geboren und wuchs in Bern auf. Obwohl er bereits im Alter von elf Jahren in der Bernischen Musikgesellschaft Geige spielen durfte, wollte er 1898 gegen den Willen der Eltern Kunst statt Musik studieren. Aber die Münchner Kunstakademie wies ihn zunächst zurück und nahm ihn erst im Herbst 1900 auf – als Paul Klee bereits in einem eigenen Atelier arbeitete. In der Malklasse von Franz von Stuck gehörte Wassily Kandinsky zu seinen Kommilitonen. Bereits nach einigen Monaten brach Paul Klee das Studium ab.

Ab 1902 lebte Paul Klee wieder bei den Eltern und verdiente nun seinen Lebensunterhalt als Geiger der Bernischen Musikgesellschaft. 1906 zog er erneut nach München und heiratete dort noch im selben Jahr Karoline (»Lily«) Stumpf (1876 – 1946). Während die Pianistin Lily Klee für das Familieneinkommen sorgte, kümmerte sich Paul Klee um den 1907 geborenen Sohn Felix und den Haushalt in Schwabing.

1911 freundeten sich Paul Klee und Alfred Kubin (1877 – 1959) an. Im selben Jahr gehörte Paul Klee zu den Gründungsmitgliedern der Münchner Künstlervereinigung »Sema« und wurde deren Geschäftsführer. Nachdem er August Macke und Wassily Kandinsky kennengelernt hatte, arbeitete er beim Almanach »Der Blaue Reiter« mit. Werke von ihm wurden bei der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters im Frühjahr 1912 gezeigt.

Anfang März 1916, an dem Tag, an dem Paul Klee erfuhr, dass Franz Marc gefallen war, wurde auch er zum Militärdienst einberufen, aber er entging einem Fronteinsatz und konnte sogar während des Kriegs malen und ausstellen.

Willi Baumeister (1889 – 1955) und Oskar Schlemmer (1888 – 1943) setzten sich 1919 mit der von ihnen mitbegründeten zur »Üecht«-Gruppe dafür ein, Paul Klee an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zu berufen, aber daraus wurde nichts. Und weil sich Paul Klee im Frühjahr 1919 im Rat bildender Künstler und im Aktionsausschuss Revolutionärer Künstler Münchens für die Bayerische Räterepublik engagiert hatte, musste er nach deren Niederschlagung nach Zürich fliehen.

Nachdem Paul Klee im Oktober 1919 einen Generalvertretungsvertrag mit dem Kunsthändler Hans Goltz in München unterschrieben hatte, veranstaltete dieser im Jahr darauf die erste Einzelausstellung des Künstlers.

Walter Gropius berief Paul Klee im Oktober 1920 ans Staatliche Bauhaus in Weimar, und im Jahr darauf fing der Maler dort mit seiner Lehrtätigkeit an. 1922 folgte ihm Wassily Kandinsky ans Bauhaus. Im Frühjahr 1924 gründete Paul Klee mit Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky die Künstlergruppe »Die Blaue Vier« in Weimar. Das Bauhaus musste 1925 in Weimar schließen und zog deshalb 1926 nach Dessau.

1931, drei Jahre nach Walter Gropius’ Rücktritt als Direktor des Bauhauses, nahm Paul Klee eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf an. Dort gehörten Heinrich Campendonk und Werner Heuser und Ewald Mataré zu seinen Kollegen. Die Nationalsozialisten sorgten dafür, dass er im April 1933 entlassen wurde. Ende des Jahres emigrierte die Familie Klee in die Schweiz. In der 1937 in München gestarteten Wanderausstellung »Entartete Kunst« wurden 17 Gemälde von Paul Klee präsentiert, und weitere 102 seiner Werke wurden beschlagnahmt.

Anerkennung fand Paul Klee dagegen bei John Cage (1912 – 1992), der 1939 in Seattle eine Ausstellung mit Bildern von Paul Klee, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky veranstaltete.

Am 29. Juni 1940 – eine Woche bevor über seine Einbürgerung in der Schweiz entschieden werden sollte – starb Paul Klee in einem Krankenhaus in Muralto.

Paul Klee
Paul Klee: Stadt R, 1919 (Foto: April 2024)
Paul Klee
Paul Klee
Paul Klee

Paul Klee: Früchte auf Rot, 1930; Klippen am Meer, 1931; Erzengel, 1938 (Fotos: April 2024)

Erma Bossi

Erma Bossi (Erminia Bosich, 1875 – 1952) wurde in Österreich-Ungarn (im heutigen Kroatien) geboren, wuchs aber wohl in Triest auf oder ging dort zumindest zur Schule. 1904 ist sie in München nachweisbar, wo sie sich von Anton Ažbe (1862 – 1905) in Kunst unterrichten ließ. Sie könnte außerdem die Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins und die Schule der »Phalanx« besucht haben.

Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky gehörten zu ihrem Freundeskreis, und 1908 war sie mit ihnen auch in Murnau. Erma Bossi beteiligte sich mit ihrem expressionistischen Gemälde »Zirkus« und fünf weiteren Bildern an der ersten Ausstellung der »Neuen Künstlervereinigung München« im Dezember 1909 in der Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser. Auch an der zweiten und dritten Ausstellung der N. K. V. M. beteiligte sie sich.

Ab 1921 lebte Erma Bossi in Mailand.

Erma Bossi: Zirkus
Erma Bossi

Erma Bossi: Zirkus, 1909; Selbstbildnis (Bildnis von Marianne von Werefkin), um 1910 (Fotos: April 2023 / März 2026)

Elisabeth Epstein

Elisabeth Epstein (geborene Hefter, 1879 – 1956) wurde als Russin in der Ukraine geboren. 1895 begann sie beim »Russischen Impressionisten« Leonid Ossipowitsch Pasternak (1862 – 1945) an der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur in Moskau zu studieren. Von 1896 bis 1904 ließ sie sich von Anton Ažbe (1862 – 1905) in München weiterbilden. Dort freundete sie sich mit ihren Kommilitonen Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky an, und Marianne von Werefkin lud sie in ihren »rosafarbenen Salon« ein.

1898 heiratete Elisabeth Hefter in Warschau den aus Włocławek stammenden, seit 1894 in München lebenden Arzt Mieszyslaw Epstein (1868 – 1931), und im Jahr darauf gebar sie ihren Sohn Alexander (1899 – 1946). (Die Ehe wurde 1912 geschieden.)

Nach mehreren Aufenthalten in Paris zog Elisabeth Epstein 1908 dauerhaft in die französische Hauptstadt. Über sie konnten Franz Marc und Wassily Kandinsky Kontakte zu Robert Delaunay (1885 – 1941) und anderen Künstlern der Avantgarde in Paris knüpfen. Im Gegenzug wurde bei der ersten Ausstellung des Blauen Reiters ein Gemälde von ihr präsentiert, und Franz Marc half ihr beim Verkauf von Bildern über den Münchner Kunsthändler Hans Goltz.

August Macke, Franz und Maria Marc besuchten sie 1912 in Montmorency bei Paris. Zwei Jahre später zog Elisabeth Epstein nach Genf, wohin ihr der Sohn zu Beginn des Ersten Weltkriegs aus München folgte. Solange Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky am Genfer See lebten, traf sich Elisabeth Epstein auch mit dem Künstlerpaar.

Ab 1929 lebte und arbeitete Elisabeth Epstein erneut bei Paris, und zwar in Montrouge. Aber 1937 kehrte sie nach Genf zurück. Dort starb sie 1956.

Elisabeth Epstein: Selbstporträt
Elisabeth Epstein: Selbstporträt, 1911 (Foto: April 2024)

Heinrich Campendonk

Heinrich Campendonk (1889 – 1957) besuchte von 1905 bis 1909 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Krefeld (heute: Hochschule Niederrhein). Danach schloss er sich – unterstützt von Franz Marc und Wassily Kandinsky – als jüngstes Mitglied dem Blauen Reiter in München an und beteiligte sich an den beiden Ausstellungen (1911/12).

1923 wurde Heinrich Campendonk Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Essen, und drei Jahre später folgte er einem Ruf an die Kunstakademie Düsseldorf. Aber die Nationalsozialisten sorgten 1933 dafür, dass er seine Professur einbüßte.

Im Jahr darauf emigrierte Heinrich Campendonk zuerst nach Belgien, dann in die Niederlande, wo er 1935 eine Professur an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam erhielt. Im Deutschen Reich brandmarkten die Nationalsozialisten sein Werk als »entartet« und präsentierten 1937 ein halbes Dutzend seiner Bilder bei der Ausstellung »Entartete Kunst«.

Am 9. Mai 1957 starb Heinrich Campendonk in Amsterdam.

Heinrich Campendonk
Heinrich Campendonk

Heinrich Campendonk: Wald, Mädchen, Ziege, 1917; Bild mit Kuh, um 1920 (Fotos: April 2024)

Adda Campendonk

1913 heiratete Adda Deichmann (1887 – 1976) ihren zwei Jahre jüngeren Jugendfreund Heinrich Campendonk, dessen Kunstschaffen ihr eigenes überschattete. 1932 wurde die Ehe geschieden.

Adda Campendonk
Adda Campendonk

Adda Campendonk: Hahn, Ziege und Eber, gestickt nach einem Entwurf von Franz Marc, um 1912 (Fotos: März 2026)

Albert Bloch

Albert Bloch (1882 – 1961) wurde als Sohn böhmischer Immigranten in St. Louis / Missouri geboren. Von 1898 bis 1900 besuchte er dort die »School and Museum of Fine Arts«. 1908 zog Albert Bloch nach München, wo er sich 1911 dem Blauen Reiter anschloss.

1921 kehrte der Amerikaner in die USA zurück, und zwei Jahre später übernahm er eine Professur an der University of Kansas. In Deutschland brandmarkten die Nationalsozialisten sein Werk als »entartete Kunst«.

Albert Bloch
Albert Bloch: Harlekinade, 1911 (Foto: Dezember 2023)
Albert Bloch
Albert Bloch

Albert Bloch: Boxkampf, 1912/13; Interieur, 1920 (Fotos: März 2026)

Albert Bloch
Albert Bloch: Straße, 1921 (Foto: März 2026)

Emmy Klinker

Emmy Klinker (1891 – 1969) wurde in Eupen geboren und wuchs in Barmen auf. Nachdem ihr der Landschaftsmaler Paul von Ravenstein (1854 – 1938) in Karlsruhe Unterricht gegeben hatte, setzte sie 1911 ihre Ausbildung bei Lovis Corinth und Martin Brandenburg in Berlin fort, bevor sie 1916 in München Schülerin von Albert Bloch wurde.

Sie stellte in Berlin, Düsseldorf und Barmen aus. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten 1937 mindestens drei ihrer Gemälde als »entartete Kunst«. Und weil Emmy Klinker jüdische Freunde in ihrer Münchner Wohnung versteckt hatte, sperrte man sie 1944/45 fünf Monate lang im Konzentrationslager Dachau ein.

Die Stadt München ehrte Emmy Klinker 1956 mit dem Kunstpreis.

Bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg zu ihrer Ausstellung im → Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten wurde Emmy Klinker so schwer verletzt, dass sie am 2. Juni 1969 starb.

Emmy Klinker
Emmy Klinker: Innenraum, 1917 (Foto: März 2026)

Wilhelm Morgner

Wilhelm Morgner (1891 – 1917) wurde in Soest geboren und wuchs dort auf. 1908 folgte er Otto Modersohns Rat und zog für ein Jahr in die Malerkolonie von Worpswede, wo er sich von Georg Tappert (1880 – 1957) unterrichten ließ. 1911 begegnete er Franz Marc in Berlin, der daraufhin Wassily Kandinsky einige Werke des angehenden Malers schickte. So kam es, dass Wilhelm Morgner 1911 bis 1913 nicht nur an Ausstellungen der »Neuen Secession« in Berlin und des »Sonderbundes« in Köln teilnahm, sondern auch an den Ausstellungen des Blauen Reiters in München.

1913 wurde Wilhelm Morgner zum Militärdienst eingezogen. Im Ersten Weltkrieg fiel er 1917 bei Langemarck, als er sich nicht von britischen Soldaten gefangen nehmen lassen wollte.

Wilhelm Morgner: Ornamentale Komposition
Wilhelm Morgner: Ornamentale Komposition

Wilhelm Morgner: Ornamentale Komposition XIII, 1912; Ornamentale Komposition XV, 1912 (Fotos: März 2026)

Literatur:
. Sybille Engels, Cornelia Trischberger: Der Blaue Reiter. Die Künstler, ihr Leben, ihre Zeit (München, London, New York 2014)
. Helmut Friedel, Annegret Hoberg: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München (München, London, New York 2013)
. Norbert Göttler: Der Blaue Reiter (Reinbek 2008)
. Florian Heine: Der Blaue Reiter (München, London, New York 2024)
. Annegret Hoberg (Hg.): Der Blaue Reiter (Faksimile, München 2008)
. Birgit Poppe: »Ich bin Ich«. Die Frauen des Blauen Reiter (Köln 2011)
. Brigitte Salmen: Marianne von Werefkin. Leben für die Kunst (München 2012)

Lenbachhaus (offizielle Website)