München: Deutsches Jagd- und Fischereimuseum
Von der Augustinerkirche zum Museum
Der Baumeister Veit Schmidt barockisierte 1618 bis 1621 ‒ vermutlich nach Plänen von Hans Krumpper* (um 1570 – 1634) ‒ die Klosterkirche der Augustiner-Eremiten in München, eine gotische Backsteinbasilika aus dem 13. Jahrhundert. Als das Kloster 1803 säkularisiert und die Brauerei privatisiert wurde (Augustiner Bräu), nutzte man die Kirche als Mauthalle. Der Architekt Theodor Fischer* (1862 – 1938) baute 1911 den »Weißen Saal« in die Kirche und 1914/15 eine Treppe zwischen den beiden Geschossen. Das Kloster wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen, um Platz für den Neubau des → Polizeipräsidiums München zu schaffen.
Der nationalsozialistische Kommunalpolitiker Christian Weber (1883 – 1945) hob 1934 den Verein »Deutsches Jagdmuseum. Forschungs- und Lehrstätte für Jagdkunde« aus der Taufe und initiierte die Gründung eines Reichsjagdmuseums, das dann 1938 im Schloss Nymphenburg unter der Schirmherrschaft des Reichsjägermeisters Hermann Göring eingerichtet, aber nicht eröffnet wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, am Hubertustag 1966 (3. November), öffnete das Deutsche Jagdmuseum in der für diesen Zweck von Erwin Schleich* 1962 bis 1964 rekonstruierten Augustinerkirche in München die Pforte. Und als die Sammlungen 1982 um Süßwasserfische und Fischereigerätschaften erweitert wurden, änderte sich der Name in »Deutsches Jagd- und Fischereimuseum« (Neuhauser Straße 2).
*) Mehr zu Theodor Fischer, Hans Krumpper und Erwin Schleich im Album über Architekten
Kunstwerke
1980 modellierte der Bildhauer Claus Nageler* (1943 – 2017) den Waller (Wels) aus Bronze vor dem Deutschen Jagd- und Fischereimuseum.
Die Bronze-Skulptur »Sitzender Keiler« schuf der Bildhauer Martin Mayer* 1960 im Auftrag von Bernhard Borst für die Borstei in München nach dem Vorbild der von Pietro Tacca um 1633 gestalteten Figur »Porcellino« auf dem Mercato Nuovo in Florenz. Bei der Plastik vor dem Deutschen Jagd- und Fischereimuseum handelt es sich um einen zweiten Guss aus dem Jahr 1976.
*) Mehr zu Martin Mayer und Claus Nageler im Album über Kunst im öffentlichen Raum
Claus Nageler: Waller / Martin Mayer: Sitzender Keiler (Fotos: Juni 2025 / März 2023)
Im Eingangsbereich des Deutschen Jagd- und Fischereimuseum steht eine »bayrische Diana«, eine in der Werkstatt von Franz Ragaller angefertigte Nachbildung der 1623 von Hubert Gerhard gestalteten »Tellus Bavarica«, die auf dem Hofgarten-Pavillon zu finden ist und von vielen für die griechische Jagdgöttin Diana gehalten wird.
Der Schwede George Desmarées (1697 – 1776), einer der bedeutendsten Porträtisten des Rokoko, wurde von Kurfürst Karl Albrecht – dem späteren Kaiser Karl VII. – 1730 als Hofmaler nach München berufen. Hier malte er nach einer Vorlage dessen verstorbenen Vater, den bayrischen Kurfürsten Max II. Emanuel in Galajagdkleidung.
»Waldpfad«
Beim »Waldpfad« im Jagd- und Fischereimuseum handelt es sich um kleine und große Dioramen, die verschiedene Lebensräume der heimischen Tierwelt darstellen. Auf interaktiven Bildschirmen lässt sich mehr über die Habitate und Tiere erfahren.


Jagdwaffen und -schlitten
Im »Weißen Saal« wird die Geschichte der Jagd in Bayern veranschaulicht. Ursprünglich war das Jagen lebensnotwendig, aber im Mittelalter beanspruchte der Adel das Jagdrecht als Privileg und präsentierte sich mit prächtigen Jagdgesellschaften. Nach dem Untergang der Monarchie wurde die höfische Parforcejagd von glanzlosen Schlepp- und Ansitzjagden abgelöst. Inzwischen geht es bei der Jagd um Ökologie, Artenschutz und Landschaftspflege.
Als Tschinken bezeichnet man hochwertige Jagdgewehre, wie sie im 17. Jahrhundert in der schlesischen Stadt Teschen (Cieszyn / Český Těšín) aufgekommen waren. Beim Radschloss rieb ein Stahlrad an einem Pyritstein und die Funken, die dabei entstanden, entzündeten das Schießpulver. Die Schäfte der Radschlossbüchsen waren häufig mit Einlagen aus Perlmutt, Knochen oder Hirschhorn kunstvoll verziert.


Schäfte von Radschloss-Tschinken, um 1620 (Fotos: März 2026)
Aristokraten unternahmen mit Prunkschlitten winterliche Jagdausflüge und präsentierten sie auch bei fürstlichen Schlittenparaden. Der abgebildete Löwenkörper ist vergoldet.

Süddeutscher Prunkjagdschlitten, um 1760 ‒ 1770 (Fotos: März 2026)
Tierpräparate
Mehr als tausend Tierpräparate bilden – neben Gemälden, Jagdwaffen und Angelgeräten – den Grundstock der Sammlung des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums.

Der Wandschmuck stammt aus der Augustinerkirche.
Im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum gibt es auch einen kleinen »Streichelzoo« mit Tierpräparaten für Kinder und Blinde.
Männliches Rehwild kann bei Verletzung oder Erkrankung des Kurzwildbrets (Hoden) aufgrund des gestörten Sexualhormonhaushalts Perückengehörne ausbilden, also Wucherungen des Basts ohne Verhärtung des Gehörns.
Wandschmuck / »Streichelzoo« / Perückenbock (Fotos: März 2026)
Tierpräparate: Dachs, Nutria (Fotos: März 2026)
Angelgeräte
Seit 2017 lädt die Abteilung »Wasserwelten. Fischgeschichten« zu einem »Spaziergang unter Wasser« ein, bei dem die Besucherinnen und Besucher allerdings nicht nass werden. Mithilfe von Augmented Reality und festinstallierten Tablets können die ausgestellten Fische zum Sprechen gebracht werden. Danach kommt man in eine umfangreiche Sammlung von Angelgeräten.


Deutsches Jagd- und Fischereimuseum (offizielle Website)

















