Dachau

Dachau ist ab 805 – als »Dahauua« – nachweisbar.

Arnold I. von Scheyern erhielt durch das Erbgut seiner Frau um 1100 die Grafschaft Dachau und ließ daraufhin auf dem Schlossberg eine Burg errichten. Als 1182 mit Konrad III. der letzte Graf von Dachau ohne Erben starb, erwarb sein Cousin Otto von Wittelsbach – seit 1180 Herzog von Bayern – die Herrschaft Dachau.

Im 13. Jahrhundert erhielt Dachau von Herzog Otto II. oder Ludwig dem Strengen Marktrechte. Nach dem Amtsverzicht des Herzogs Siegmund von Bayern-München im Jahr 1467 wurde Dachau als dessen Domäne zum Herzogtum Bayern-Dachau, aber diese Phase endete bereits 1501 mit Siegmunds Tod.

Im November 1933 wurde der Markt Dachau zur Stadt erhoben.

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Schloss Dachau

Anstelle der um 1400 abgerissenen Burg ließen die Wittelsbacher Herzöge Wilhelm IV. und Albrecht V. von Bayern zwischen 1546 und 1577 von den Hofbaumeistern Heinrich Schöttl und Wilhelm Egkl ein Renaissance-Schloss als Sommerresidenz bauen. Dabei gestaltete Hans Wisreutter 1564 bis 1566 die Holzdecke im Saal des Südwestflügels.

Kurfürst Max II. Emanuel ließ das Schloss ab 1715 von seinem Hofbaumeister Joseph Effner* im Régence-Stil umgestalten.

*) Mehr zu Joseph Effner im Album über Architekten

Festsaal

Ab 1800 nutzten napoleonische Truppen das Schloss als Lazarett. Dadurch entstanden große Schäden an der Bausubstanz, und weil König Max I. Joseph die Mittel für eine Sanierung fehlten, ließ er drei der vier Flügel abreißen. Erhalten blieb lediglich der Trakt mit der Renaissance-Decke von Hans Wisreutter. Die baute man zwar 1868 aus und brachte sie ins Bayerische Nationalmuseum, aber 1977 wurde der prächtige Saal im Schloss wieder hergestellt. Die Holzdecke macht ihn zu einem der prächtigsten Renaissance-Säle nördlich der Alpen. In diesem Festsaal finden beispielsweise die Dachauer Schlosskonzerte statt.

Schloss Dachau Festsaal
Schloss Dachau Festsaal
Schloss Dachau Festsaal
Schloss Dachau Festsaal
Schloss Dachau Festsaal

Treppenhaus

Von Joseph Effners Umbauten zeugt heute noch das Treppenhaus zum Festsaal mit dem 1716/17 von Guillielmus de Grof (1676 – 1742) geschaffenen Stuckdekor. Bei der barocken Figur des Herkules mit Keule und Cerberus handelt es sich um eine vergrößerte Kopie einer um 1779 von Roman Anton Boos* gestalteten Terrakotta-Skulptur, die im Bayerischen Nationalmuseum in München ausgestellt ist.

*) Mehr zu Roman Anton Boos im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Herkules mit Cerberus
Relief im Treppenhaus
Treppenhaus im Schloss Dachau
Treppenhaus im Schloss Dachau

Hofgarten

In den Siebzigerjahren des 16. Jahrhunderts hatte man damit begannen, einen geometrisch geordneten Hofgarten nach Plänen des Architekten Friedrich Sustris* anzulegen. Joseph Effner und sein Bruder Johann Christoph Effner barockisierten 1717 auch den Hofgarten. Dabei entstand der bis heute erhaltene Lindenlaubengang. Kurfürst Max Emanuel erwarb außerdem ein kleines Waldstück westlich des Hofgartens, aus dem Kurfürst Max III. Joseph 1765 einen Englischen Landschaftsgarten machen ließ. Friedrich Ludwig von Sckell* vereinfachte Anfang des 19. Jahrhunderts die Gestaltung des Hofgartens und ließ Obstbäume pflanzen.

*) Mehr zu Ludwig von Sckell und Friedrich Sustris im Album über Architekten

Hofgarten Schloss Dachau
Hofgarten Schloss Dachau

Die Aussicht von der Hofgarten-Terrasse über München bis zu den Alpen ist bemerkenswert.

Hofgarten-Terrasse Aussicht
Aussicht von der Hofgarten-Terrasse (Foto: Mai 2026)

Wasserturm

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stammte noch das meiste in Dachau genutzte Wasser aus der Amper. Erst 1906 wurde ein 62 Meter tiefer Brunnen gebohrt, der Trinkwasser lieferte. Um es nutzen zu können, baute man 1910 unterhalb des Schlosses einen 29 Meter hohen Wasserturm im Stil des Späthistorismus. Der blieb in Betrieb, bis er 1969 durch einen neuen Hochbehälter in Gründing abgelöst wurde. Nach einer umfassenden Restaurierung übernahm 1998 der Förderverein Dachauer Wasserturm e. V. das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäude am Hofgartenweg für kulturelle Veranstaltungen.

Dachau Wasserturm
Wasserturm (Foto: Mai 2026)

Altstadt

Der Künstler Ignatius bzw. Ignaz Taschner* stiftete der Marktgemeinde Dachau 1910 den Entwurf für einen Brunnen mit Figuren von Bauern und Bäuerinnen in Dachauer Tracht. 1919 wurde der Taschner-Brunnen aus rotem Marmor geschaffen. Er steht vor dem 1934/35 im Stil des Historismus gebauten Rathaus der 1934 zur Stadt erhobenen Gemeinde an der Konrad-Adenauer-Straße. ‒ Ein paar Schritte weiter, vor dem Bezirksmuseum, fällt eine Gartenfigur auf, über die ich keine weiteren Informationen gefunden habe.

*) Mehr zu Ignatius Taschner im Album über Brunnen

Pfarrkirche St. Jakobus in Dachau

Der Nordturm der Kirche St. Jakobus wurde Ende des 15. Jahrhunderts für die romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert errichtet. Unter Leitung des Münchner Hofbaumeisters Friedrich Sustris* erfolgte 1584 bis 1586 eine spätgotische Umgestaltung sowohl des Turms als auch des Chors. Und 1624 bis 1626 ersetzte man das romanische Langhaus durch einen Neubau nach Plänen von Hans Krumpper*. Den spätgotischen Turm stockte man 1678 auf. Dabei erhielt er eine Zwiebelhaube und eine Laterne. 1926/27 verlängerte man die Kirche nach Westen und errichtete die neue Westfassade mit Freitreppe.

*) Mehr zu Hans Krumpper und Friedrich Sustris im Album über Architekten

Pfarrkirche St. Jakobus in Dachau
Pfarrkirche St. Jakobus in Dachau

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KZ-Gedenkstätte Dachau

Im März 1933, zwei Monate nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, richtete Heinrich Himmler, der damals kurze Zeit als Polizeipräsident von München amtierte, ein für 5000 Häftlinge konzipiertes Konzentrationslager (»Schutzhaftlager«) auf dem Gelände der stillgelegten Königlichen Pulver- und Munitionsfabrik Dachau ein, um politische Gegner wegzusperren und die Bevölkerung einzuschüchtern. 1937/38 erweiterten die Nationalsozialisten das KZ Dachau, das sich nun auch mit Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und Zeugen Jehovas füllte. Im Zweiten Weltkrieg sperrte man außerdem Menschen aus den besetzten Gebieten dort ein, und neben der Repression erfüllte das KZ Dachau nun auch den Zweck, auf Zwangsarbeiter für die Rüstungsindustrie zugreifen zu können. Um das Hauptlager in Dachau bildete sich ein Netz von 140 Außenlagern.

Als die ersten Amerikaner am 29. April 1945 nach Dachau kamen, fanden sie dort einen zwei Tage zuvor eingetroffenen Zug aus dem KZ Buchenwald mit 1700 Lebenden und 2300 Leichen vor. Die Menschen waren während der drei Wochen langen Zugfahrt verdurstet, verhungert oder aus anderen Gründen gestorben. Im Lager selbst lebten zu diesem Zeitpunkt noch schätzungsweise 32.000 Häftlinge. Das grauenvolle Erlebnis brachte einige GIs dazu, spontan ein Massaker unter SS-Männern anzurichten. Mindestens 39 Männer kamen dabei ums Leben.

Im September 1948 übergab die Besatzungsmacht das Gelände des Hauptlagers dem bayrischen Staat. Nachdem man 1960 ein provisorisches Museum im Gebäude des ehemaligen Krematoriums eingerichtet hatte, entstand 1965 die großflächige KZ-Gedenkstätte Dachau. 2003 übernahm die vom Freistaat Bayern neu errichtete Stiftung Bayerische Gedenkstätten die Trägerschaft.

Album KZ-Gedenkstätte Dachau