München: Trudering Riem
772 wurde Trudering ‒ »Truhtheringa ‒ erstmals urkundlich erwähnt. Der namengebende Bauer Truchtaro, Truhtheri oder Drudheri lebte wohl schon im 6. Jahrhundert dort. Wo genau die Sippe ihren Hof hatte, weiß man nicht, aber es wird wohl auf dem Areal des heutigen Kirchtrudering gewesen sein.
Riem (»Riema«) taucht spätestens in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Urkunden auf. Der Name könnte von einen mittelhochdeutschen Wort für Ackerstreifen oder auch Kanal abgeleitet sein.
1818 bildeten sich die zwei selbstständigen Gemeinden Riem und Trudering. Die aus dem Doppeldorf Kirch- und Straßtrudering hervorgegangene Gemeinde Trudering vergrößerte sich im Lauf der Zeit um Waldtrudering, Michaeliburg und die Gartenstadt Trudering. Eingemeindet wurde Trudering 1932, Riem fünf Jahre später. Seit 1992 bilden Trudering und Riem den 15. Stadtbezirk: Trudering-Riem.


Trudering
Bajuwarenpark
Die Bajuwarenstraße wurde 1933 nach den Bajuwaren benannt, den Vorfahren der Bayern. Der gegen Ende der Völkerwanderung Mitte des 6. Jahrhunderts entstandene germanische Stamm besiedelte ein Gebiet in Altbayern, Österreich und Südtirol. Von der Bajuwarenstraße erhielt auch der Bajuwarenpark seinen Namen. Er wurde 2008 über einer zweieinhalb Jahrtausende alten keltischen Siedlung errichtet. Darauf weisen Informationstafeln an Granitblöcken hin.
Im Westen wird die Grünanlage von der Straße begrenzt, die seit 2006 den Namen von Marianne Plehn (1863 – 1946) trägt. Die auf Fischpathologie spezialisierte Biologin aus Westpreußen erhielt 1910 von der Königlichen Tierärztlichen Hochschule München (heute: Tiermedizinische Fakultät der LMU) eine Ehrenpromotion, und König Ludwig III. von Bayern verlieh ihr 1914 den Professorentitel. Damit wurde sie die erste Professorin in Bayern.
Bajuwarenpark (Fotos: Juni 2025)
Damaschkestraße
Seit 1933 erinnert die Damschkestraße an Adolf Damaschke (1865 – 1935).
Im Alter von 18 Jahren erhielt der Tischlersohn Adolf Damaschke eine Freistelle des Berliner Pädagogischen Seminars in Berlin, und 1893 fing er als Lehrer zu arbeiten an. Weil dem Berliner Magistrat sein Engagement für Lehrmittelfreiheit missfiel, wurde er strafversetzt. 1896 beendete Adolf Damachke seine Lehramtstätigkeit. Als Journalist engagierte er sich für eine ebenso einfache wie gesunde Ernährung und fand in der Bodenreformbewegung seine Lebensaufgabe, auch als Vorsitzender des Bundes Deutscher Bodenreformer von 1898 bis zum Tod.
Schnitterinbrunnen
Der Bildhauer Georg Gardi schuf die Figur einer Schnitterin aus Naturstein für einen Brunnen, dessen Becken Simon Leibl 1939 baute. Zu finden ist der Schnitterinbrunnen in der Damaschkestraße 46 in Trudering.
Friedenspromenade
Der Straßenname »Friedenspromenade« bezieht sich auf die Beendigung des Ersten Weltkriegs. Dass diese Namensgebung 1932/33 erfolgte, ist ein Treppenwitz der Geschichte, denn im Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt: der Mann, der den Versailler Friedensvertrag von 1919 für ein »Schanddiktat« hielt und 1939 den Zweiten Weltkrieg auslöste.
»Platz an der Sonne«
Vor dem 2013 eröffneten Staatlichen Gymnasium Trudering an der Friedenspromenade 64 schuf Ralf Homann* mit der Freien Klasse München 2013/14 das 13 Meter hohe Kunstwerk »Platz an der Sonne«. Dabei handelt es sich um einen acht mal vier Meter großen Parabolspiegel, der das Sonnenlicht über 162 Paneele auf verschattete Bereiche des Schulgebäudes reflektiert. Die Formgebung geht auf die (rotierende) Antenne der Radaranlage des ehemaligen Flughafens Riem zurück.
Die Freie Klasse München entstand 1987 an der Akademie der Bildenden Künste aus Kritik am Betrieb der Kunstakademien. Inzwischen gibt es Freie Klassen auch in anderen europäischen Städten. Die Befreiung von den Zwängen der Akademien – und nicht das Streben nach einer gemeinsamen Stilrichtung – eint diese heterogenen und interdisziplinären Künstlerkollektive.
*) Mehr zu Ralf Homann im Album über Kunst im öffentlichen Raum
»Platz an der Sonne« vor dem Staatlichen Gymnasium Trudering (Fotos: Mai 2026)
Lohnrößlerweg
1947 wurde der Lohnrößlerweg nach den Vorgängern der heutigen Taxifahrer benannt, den Lohnkutschern, die ihre Dienste vom 17. bis ins 20. Jahrhundert in europäischen Städten anboten.
Ehemaliger Bunker in Kirchtrudering
Der Hochbunker in Kirchtrudering wurde 1941 nach Plänen des Architekten Karl Meitinger (1882 – 1970) errichtet, der sich dabei von spätmittelalterlichen Wehrbauten inspirieren ließ. Das inzwischen unter Denkmalschutz stehende und 2009 mit dem Münchner Fassadenpreis ausgezeichnete Gebäude wird als Wohngebäude genutzt (Lohnrößlerweg 8).

Solalindenstraße
Die Solalindenstraße erhielt 1933 den Namen eines Ortsteils von Putzbrunn.
Druden-Brunnen
Der Bildhauer Josef Kaltenbach (1876 – 1963) schuf 1929 den Druden-Brunnen, der noch heute an der Ecke Martha-/Solalindenstraße zu finden ist. Auf einer Säule über einem oktogonalen Becken aus Muschelkalk sehen wir die Bronzefigur einer auf einem Besenstiel durch die Luft reitenden Drude mit Eule und Fledermaus an ihrer Seite. Das Wasser plätschert aus dem Kopf eines Fauns, der sich an einer mit einem Drudenfuß (Pentagramm) markierten Stelle der Säule befindet.



Sonnenspitzstraße
Die Sonnenspitzstraße trägt seit 1933 den Namen eines 1269 Meter hohen Bergs südlich von Kochel am See.
St. Franz Xaver in Trudering
Bei St. Franz Xaver an der Sonnenspitzstraße 2 in Trudering handelt es sich um einen 1965 bis 1967 am Ort einer abgerissenen Kirche aus den Dreißigerjahren errichteten Neubau. Die alte Kirche hatte Richard Steidle entworfen, die neue ist nach Plänen der Architekten Georg Berlinger und Georg Heigl entstanden. Das Künstler-Ehepaar gestaltete den Altar und den Taufstein aus hellem Muschelkalk.


Sulzer-Belchen-Weg
Der Sulzer-Belchen-Weg wurde 1933 nach dem 1424 Meter hohen Berg Sulzer Belchen in den Vogesen benannt, der auch als Große Belchen / Grand Ballon oder Gebweiler Belchen / Ballon de Guebwiller bezeichnet wird. Er gilt als kältester Ort im Elsass.
Friedrich-Ebert-Brunnen
Der Truderinger Bildhauer Hans Geist schuf 1930 einen Brunnen zu Ehren von Friedrich Ebert. Zu finden ist er nahe der Kirche St. Franz Xaver an der Ecke Sulzer-Belchen-Weg / Hochkönigstraße.
Friedrich Ebert (1871 – 1925) war von 1913 bis 1919 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und wurde 1919 zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt. Das blieb er bis zu seinem Tod im Februar 1925.

Truderinger Straße
Bahnhof Trudering
Beim Bau des U-Bahnhofs Trudering ereignete sich am 20. September 1994 das schwerste Unglück in der Geschichte des Münchner U-Bahn-Baus. Ein Wasser- und Kieseinbruch riss plötzlich einen Krater auf, und ein Linienbus stürzte in das »Truderinger Loch«. Ein Bauarbeiter, der den Busfahrer noch hatte warnen wollten, wurde mit in die Tiefe gerissen und kamen ebenso wie zwei Fahrgäste ums Leben. 36 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Seit 1999 erinnert ein vom Architektenpaar Julia Mang-Bohn und Peter Bohn gestalteter Gedenkstein beim Busbahnhof an das tragische Ereignis: »Den drei Opfern des Busunglücks beim U-Bahntunnelbau am 20. September 1994«.
Der 1999 eröffnete U-Bahnhof Trudering gehört zu den tiefsten in München (24 m).


Album über Münchner U-Bahnhöfe
Im Verbindungstunnel zwischen S- und U-Bahn in Trudering läuft man an zwei großformatigen Wandbildern von Sophie Kaiser aus dem Jahr 1998 vorbei: »Tattoo und Spiele«. Dargestellt sind Armdrücken und Fingerhakeln. Die Künstlerin, die von 1976 bis 1985 an der Akademie der Bildenden Künste studiert hatte, arbeitete bei der Gestaltung mit dem Tätowierer Ralf Waller, der Kalligrafin Ruth Gimpel und der Fotografin Silvana Weber zusammen. Der Künstler Günter Urban fertigte die Repros für den Siebdruck auf Aluminiumplatten an. Die Texte in Sütterlin-Schrift stammen von der Dichterin Birgit Riepl. (Die Behauptung, die Motive hätten mit Ludwig Thoma zu tun, ist falsch.)



Der 1999 eröffnete U-Bahnhof Trudering gehört zu den tiefsten in München (24 m).
»Truderinger Rathaus«
Um 1930 erwarb die damals noch selbstständige Gemeinde Trudering einen Bauernhof (»Loher-Hof«), um dort das Rathaus einzurichten. Aber zwei Jahre später wurde Trudering von München eingemeindet. Von da an wurde das »Truderinger Rathaus« sukzessive als Bezirksinspektion bzw. Bezirksausschuss-Geschäftsstelle, Turnhalle, Kindergarten, zur Armenspeisung und als Polizeistation genutzt. Heute sind dort (Truderinger Straße 288) eine Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes und die Freiwillige Feuerwehr zu finden.
Im Frühjahr 2024 versah Beastiestylez die Vorderfront des »Truderinger Rathauses« mit einem Mural. Das bezieht sich nicht nur auf BRK und Feuerwehr, sondern auch auf frühere Nutzungen: Ähren (Bauernhof), Akten (Verwaltung), Pauschenpferd (Turnhalle), Kinder im Spielzeugauto (Kindergarten), Suppenkellen (Armenspeisung), Dienstmütze (Polizei).

Truderinger Wald
Der Truderinger Wald befindet sich an der Grenze zwischen den Stadtbezirken Trudering-Riem und Ramersdorf-Perlach. Offiziell gehört ein Großteil des Truderinger Walds zu Waldperlach.
Marien-Grotte

1932 richtete man nahe der Fauststraße im Truderinger Wald den »Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatz« ein. Die dort aufgestellte Marienstatue wurde 1933 in eine Naturstein-Grotte eingefügt – und die überstand die Verwüstung des Areals im Zweiten Weltkrieg. Wenige Tage nach der Kapitulation führte Johann Oberbauer, der Chorregent von → Christi Himmelfahrt, eine Prozession zur »Lourdes-Grotte«. Die maroden Sitzbänke aus den Achtzigerjahren wurden 2016/17 erneuert, und Otto Pirthauer renovierte die Marienstatue. Seit 2017 steht die Marien-Grotte unter Denkmalschutz.
Marien-Grotte im Truderinger Wald (Fotos: Mai 2026)
Spazierwege
Von der Endhaltestelle der Buslinie 194 (Nauestraße) lassen sich Spaziergänge durch den Truderinger Wald unternehmen.






Grubenpark
Wo ein halbes Jahrhunderts lang Kies gebaggert wurde (Kiesgrube Roth), ist seit der Einstellung des Betriebs Anfang der Achtzigerjahre ein Biotop entstanden: der »Grubenpark« mit der »Perlacher Riviera«. Allerdings trocknet der Baggersee inzwischen immer wieder aus. Deshalb entwickelt sich dort keine dauerhafte Fischfauna.
Grubenpark (Fotos: Mai 2026)
Schwedenstein
Der Schwedenstein wird auf die Zeit um 1500 datiert, aber wir kennen weder den Anlass noch die Bedeutung. Handelt es sich um ein Marterl, einen Sühnestein oder eine Pestsäule? Die Legende, der Schwedenstein sei das Grabmal für den 1632 hier gefallenen schwedischen General Gustav Carlson Horn kann schon deshalb nicht stimmen, weil wir inzwischen seine Lebensdaten kennen: 1592 bis 1657.
Das Tuffstein-Original kam in den Fünfzigerjahren ins Münchner Stadtmuseum. 1988 ließ die Stadt München in der Nähe des ursprünglichen Standorts eine Kopie aufstellen. Der Ort befindet sich im Truderinger Wald, gehört jedoch offiziell zu Waldperlach.

Waldschulstraße
Die Waldschulstraße benannte man 1933 nach der Schule, die sich von 1930 bis 1939 dort befand. Als sie von der Turnerschule abgelöst wurde, funktionierte man sie zum Kindergarten um.
Kirche Christi Himmelfahrt in Waldtrudering
Die 1929 gegründete Kirchenstiftung »Christi Himmelfahrt« suchte zunächst den heutigen Graf-Spee-Platz (Namensgebung: 1935) als Bauplatz für eine neue Kirche aus, aber das Grundstück – eine ehemalige Kiesgrube – eignete sich nicht dafür. Anfang 1932, wenige Wochen vor der Eingemeindung nach München, stellte die Gemeinde Trudering ein Gelände an der späteren Waldschulstraße zur Verfügung. 1933 wurde die Kirche Christi Himmelfahrt nach Plänen des Architekten Ernst Jäger im Bauhaus-Stil errichtet. Um Kosten zu sparen, begnügte man sich mit einem Dachreiter statt eines Glockenturms.



Die Bildhauerin Ilse von Twardowski-Conrat* (1880 – 1942) gestaltete die Skulptur »Der Büßer«. – Die Marienstatue stammt von dem italienischen Bildhauer Angelo Negretti (1881 – 1930).
*) Mehr zu Ilse von Twardowski-Conrat im Album über Kunst im öffentlichen Raum
Waldtruderinger Straße
Utabrunnen
Nach Entwürfen des Künstlers August Erlacher (1873 – 1956) baute Sebastian Neumair 1905/06 einen 14 Meter tiefen Brunnen, der 1914 in einem Areal aufgestellt wurde, das gerade erst den Namen Waldtrudering erhalten hatte. Damals gab es dort ein Gasthaus (»Phantasie«), zwei Dutzend Häuser und zwischen 150 und 200 Gärten.
Der Brunnen an der Ecke Tangastraße / Waldtruderinger Straße erinnert einer Legende zufolge an die bayrische Prinzessin Uta, eine Tochter des Agilolfinger-Herzogs Theodo I. und dessen Ehefrau Gleisnod de Friuli. Die Familie lebte im 7. Jahrhundert in Regensburg. Als Uta schwanger wurde, vertraute sie sich dem Bischof Emmeram an, und der nahm die Schuld auf sich. Ihr Bruder Lantpert ermordete ihn deshalb, und Uta wurde aus Regensburg verbannt. Aus Reue soll sie in Trudering zur Wohltäterin geworden sein. Einer anderen Darstellung zufolge lebte Uta im 11. Jahrhundert in Rott am Inn und schenkte das ihr gehörende Ackerland in Trudering der Kirche.
Wasserburger Landstraße
Die Wasserburger Landstraße verläuft als Fortsetzung der Kreillerstraße und Abschnitt der Bundesstraße 304 nach Wasserburg von der Bajuwarenstraße bis zur Stadtgrenze (Haar) und geht dort in die Münchner Straße über.
Erzählkugel
Nach einer Ausbildung zum Mosaikbildner (1964 – 1966) studierte Peter Schwenk (*1946) von 1966 bis 1969 an der → Akademie der Bildenden Künste München Bildhauerei. Er schuf beispielsweise mehrere unterschiedlich große »Erzählkugeln«. Eine davon ist seit 2016 vor dem Kulturzentrum Trudering an der Wasserburger Landstraße 32 zu finden.



Hagelsturm am 12. Juli 1984
Als nach einer Hitzewelle am 11. Juli 1984 eine Kaltfront von Westen eindrang, tobte am 12. Juli zwischen Landsberg am Lech und München ein Hagelsturm, der gegen 20 Uhr vor allem in Trudering, Riem, Haar und Anzing die bis dahin höchsten Schäden in der deutschen Versicherungswirtschaft verursachte. Das größte nachgewiesene Hagelkorn wog 300 Gramm und hatte einen Durchmesser von fast 10 Zentimeter. Die bis zu 20 Zentimeter hohe Hagelschicht taute erst am nächsten Tag vollständig ab. Mehrere hundert Personen wurden verletzt, einige starben vor Aufregung während des Unwetters oder aus Überanstrengung bei den Aufräumarbeiten. 70.000 Gebäude wurden beschädigt, mehr als 200.000 Fahrzeuge verbeult. Der Gesamtschaden betrug 3 Milliarden DM.


Riem
Flughafen München-Riem
Der Architekt Ernst Sagebiel (1892 – 1970) begann 1936 mit der Planung eines neuen Flughafens in Riem, der den Flugplatz Oberwiesenfeld ablösen sollte. Gebaut wurde 1937 bis 1939. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben 70 Prozent der Anlagen, aber 1948 konnte der Betrieb in Riem wieder aufgenommen werden. 1992 wurde der Flughafen München-Riem allerdings durch den neuen Flughafen »Franz Josef Strauß« im Erdinger Moos ersetzt.
Der denkmalgeschützte Tower des ehemaligen Flughafens wird seit 2017 als Hauptsitz der Brainlab AG genutzt (»The Brainlab Tower«). Beim Abflug-Denkmal am Südrand des Platzes der Menschenrechte handelt es sich ebenfalls um ein Relikt des früheren Flughafens München-Riem.


Die Empfangshalle (»Wappenhalle«) des Flughafens München-Riem wurde 1939 nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel gebaut – aber wegen des Kriegs erst 1951 in Betrieb genommen. Seit 1995 steht die nach Umbauten 2003 als Eventlocation neu eröffnete Halle unter Denkmalschutz.



Am 10. Februar 1970 versuchten drei Palästinenser, eine El-Al-Maschine auf dem Weg von Tel Aviv nach London während des Zwischenstopps am Flughafen München-Riem zu kapern. Als sie die Crew und die Passagiere überfielen, wehrte sich der Flugkapitän Uriel Cohen (1926 – 2015) und wurde verletzt. Der Passagier Arie Katzenstein (1937 – 1970) starb vor den Augen seines Vaters Heinz, als er sich auf eine in den Flughafenbus geworfene Handgranate warf und anderen das Leben rettete. Unter den Schwerverletzten war auch die Schauspielerin Hanna Maron (1923 – 2014). Die Terroristen wurden festgenommen und noch im selben Jahr ohne Gerichtsverfahren abgeschoben.
Am 10. Februar 2025 – auf den Tag genau 55 Jahre nach dem Terroranschlag – wurden vor dem ehemaligen Tower in Riem ein acht Meter hohes Kunstwerk von Alicja Kwade (*1979) und eine Gedenktafel enthüllt. Die drei Uhren verweisen auf die Zeitpunkte der Explosionen am 10. Februar 1970. Dass die Uhrzeiten je nach Standort verschieden gelesen werden können, ist Absicht: »Das deutet das Unwägbare an, diesen unglücklichen Zufall oder wie auch immer man das nennen soll, dass diese Menschen zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort waren. Wer wann wo etwas tut, wer wann lebt, wer wann stirbt.« (Alicja Kwade im Interview mit Evelyn Vogel, Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2025)



Auf einem Teil des 1992 aufgegebenen Flughafengeländes entstanden ab 1994 die neuen Messehallen, die »Messestadt«, und der → Riemer Park für die Bundesgartenschau 2005.
Messe München
Die Messe München zog 1998 von der Theresienhöhe im Stadtbezirk Schwanthalerhöhe nach Riem und vergrößerte die Ausstellungsflächen in mehreren Schritten bis 2018.
Messesee Riem
Vor dem Eingang West der 1994 bis 1998 gebauten Messehallen befindet sich der 390 Meter lange Messesee, der von Nord nach Süd über zwei Spundwände fließt. Im Wasser steht die Installation »Gran Paradiso« von Stephan Huber* aus dem Jahr 1997, ein überdimensionales Regal mit Modellen verschiedener Gipfel der Alpen. Mit dieser Parodie auf die Präsentationsregale der Messen kritisiert der Künstler die Kommerzialisierung der Landschaft.
*) Mehr zu Stephan Huber im Album über Kunst im öffentlichen Raum





Messe-Architektur
Das vom Architekturbüro »jesse hofmayr werner« geplante Messe-Parkhaus Nord-West mit 4650 Stellplätzen wurde 1998 bis 2000 errichtet. Im Westen wie im Osten gibt es überdachte Fußwege zwischen den Messe-Eingängen und den U-Bahnhöfen.



WM-Brunnen
Vor dem Nordeingang der Messe München an der Paul-Henri-Spaak-Straße in Riem wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der »WM-Brunnen« aufgestellt. Ein Steinmetzbetrieb in Aicha vorm Wald hatte die Kugel aus einem vor der Bearbeitung 33 Tonnen schweren Impala-Block gefertigt und dabei auf Hundertstel Millimeter genau gearbeitet. Die mehr als 11 Tonnen schwere Kugel gleitet auf einem Wasserfilm in der Schale aus Tittlinger Granit. (Im Westpark gibt es einen → Kugelbrunnen von → Christian Tobin.)



Messeturm
Vor dem Osteingang des Messegeländes in Riem steht seit 1998 der 86 Meter hohe Messeturm aus 450 Tonnen Stahl mit dem Logo der Messe. Franz Kluge (1949 – 2022) hatte sein Werk mit einer dynamischen Lichtinstallation kombiniert (»Moving Tower«, aber die mehr als eine Million Leuchtdioden versagten im Lauf der Zeit und wurden nach einem Kabelbrand abgebaut.





Messestadt Riem
1992 wurde der Flughafen München-Riem durch den neuen Flughafen »Franz Josef Strauß« im Erdinger Moos ersetzt. Auf einem Teil des aufgegebenen Flughafengeländes entstanden ab 1994 zunächst die »Messestadt« und dann auch der → Riemer Park für die Bundesgartenschau 2005. Bei der Messestadt Riem handelt es sich um eine weitgehend autofreie Wohnsiedlung für 16.000 Menschen.
Riem Arcaden
Die Riem Arcaden, ein großes Einkaufszentrum am Willy-Brandt-Platz, wurden 2004 eröffnet und 2018 erweitert. Ein Portikus, ein weißes Flugdach, begrenzt den Platz im Norden, vor dem Eingang zum U-Bahnhof Messe-West.


Im Jahr 2000 stellte man das von dem Bildhauer und Objektkünstler Olaf Metzel* gestaltete Kunstwerk »Nicht mit uns« am Willy-Brandt-Platz ‒ damals eine Wiese ‒ in der Messestadt Riem auf. Als Titel wählte Olaf Metzel ein Zitat von Willy Brandt. Im Volksmund heißt die seit 2005 auf der Treppe zwischen dem U-Bahnhof Messe-West und den Riem Arcaden platzierte Metallskulptur wegen des Aussehens und der zwiespältigen öffentlichen Meinung dazu »Riem-Reibe«.
*) Mehr zu Olaf Metzel im Album über Kunst im öffentlichen Raum



Schmolchwand
2005 schuf der Künstler Steffen Schuster* die »Schmolchwand« in einem Durchgang an der Helsinkistraße in Riem. Die Schmolche zeigen, dass hier alle Bewohner ungeachtet ihrer Eigenheiten ihr Leben führen können. 2011 wurden die Schmolche als Marke geschützt. Inzwischen gibt es die Märchenfiguren von Steffen Schuster auch an anderen Orten in München, so zum Beispiel in der → Passauerstraße 118 im Stadtbezirk Sendling-Westpark.
*) Mehr zu Steffen Schuster im Album über Kunst im öffentlichen Raum




Platz der Menschenrechte
2003 erhielt der Platz der Menschenrechte in Riem seinen Namen. Der bezieht sich auf die 1948 von den Vereinten Nationen beschlossene »Allgemeine Deklaration der Menschenrechte« und die »Europäische Konvention der Menschenrechte« von 1950.
Auf dem Platz der Menschenrechte gibt es dazu seit 2005 ein Kunstwerk der seit 1992 als »Winter/Hörbelt« zusammenarbeitenden Bildhauer Berthold Hörbelt (*1958) und Wolfgang Winter (*1960): Auf einem symbolischen Tisch mit 30 Gedecken sind die Artikel der Deklaration der Menschenrechte eingraviert.

Ökumenisches Kirchenzentrum in Riem
2003 bis 2005 wurde am Platz der Menschenrechte in der Messestadt Riem ein ökumenisches Kirchenzentrum nach Entwürfen des Münchner Architekten Florian Nagler (*1967) gebaut. Die Sophienkirche ist evangelisch, die Kirche Sankt Florian katholisch. Die Gebäude sind betont nüchtern und rechtwinkelig. Das gilt auch für den 38 Meter hohen Kirchturm.

Die Künstlerin Hella Santarossa (*1949) schuf nicht nur das 7 mal 17 Meter große »Auferstehungsfenster« in St. Florian, sondern auch die roten Glasröhren in der Taufkapelle und das Nordfenster, dessen blaue Farbe sich auf die Marienverehrung bezieht. 2010 kamen das aus Glasfeldern von 14 Türen zusammengesetzte Kreuzweg-Panorama von Horst Thürheimer (*1952) und die Figuren des Bildhauers Stephan Balkenhol (*1957) dazu.






St. Florian in Riem (Fotos: Juni 2023 / Oktober 2024)
Riemer Park
Die Parkanlage
Der Riemer Park entstand nach Plänen des französischen Landschaftsarchitekten Gilles Vexlard (Büro Latitude Nord, Paris) für die Bundesgartenschau in München vom 28. April bis 9. Oktober 2005. Während beim Ostpark, Westpark und Olympiapark in München ebenso wie beim → Denninger Anger hügelige Landschaften angelegt wurden, machte Gilles Vexlard das Gegenteil: der Riemer Park ist von schnurgeraden Linien durchzogen. Nur der See und einige wenige Flächen fügen sich nicht in die Symmetrie.


Riemer See
Der 800 Meter lange, 150 Meter breite und bis zu 18 Meter tiefe Riemer See (BUGA-See) wurde ebenfalls für die Bundesgartenschau vom 28. April bis 9. Oktober 2005 angelegt. Im Osten befindet sich das Badeufer, und auf der gegenüberliegenden Seite überspannt ein die Messestadt Riem mit Gronsdorf verbindender Fußgängersteg die Flachwasserzone.




Löwenspinne
Ihm Rahmen des BUGA05-Kulturprogramms formte die damalige Münchner Kunststudentin Monica Felgendreher aus Wäschespinnen ein Kunstwerk, das wie eine überdimensionale Pusteblume aussieht und den Titel »Löwenspinne« trägt, eine Kombination aus den Begriffen Wäschespinne und Löwenzahn.

Garten der Freundschaft
Beim Garten der Freundschaft im Riemer Park handelt es sich um ein Geschenk der Stadt Cincinnati/Ohio anlässlich der Bundesgartenschau 2005. Der Weg durch den Garten ahmt den Flusslauf des Ohio nach, und die Modellierung der Fläche entspricht den sieben Hügeln im Stadtgebiet von Cincinnati. Die Pflanzen sind charakteristisch für Gartenanlagen in Ohio. Zwei scheibenförmige Mosaike zeigen München und Cincinnati von oben. Geschaffen wurden sie von zwei Künstlerinnen aus den beiden Städten. Suzanne Bühler schuf 2004 das Münchner Mosaik.




U-Bahnhöfe in Riem
U-Bahnhof Moosfeld
Der U-Bahnhof Moosfeld in Riem wurde im Mai 1999 eröffnet. Das Lichtkonzept stammt – wie am U-Bahnhof Westfriedhof – von Ingo Maurer (1932 ‒ 2019).


U-Bahnhof Messestadt West
Der U-Bahnhof Messestadt West in Riem wurde am 29. Mai 1999 eröffnet. Trotz oder gerade wegen seiner Bedeutung als Messebahnhof hat man bewusst nicht auf eine aufwendige Gestaltung gesetzt, sondern auf (rot lasierten) Sichtbeton.


U-Bahnhof Messestadt Ost
Der Zugang zur 1999 eröffneten U-Bahn-Station »Messestadt Ost« erfolgt durch den vom Bildhauer Blasius Gerg (1927 – 2007) gestalteten trichterförmigen Sonnenuhrenhof.




Album über Münchner U-Bahnhöfe
Literatur:
. Willibald Karl (Hg.): Trudering, Waldtrudering, Riem. Münchens ferner Osten (München 2003)




























