Münchner Stadtmuseum

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Das Museum

Der Stadtarchivar Ernst von Destouches (1843 – 1916) gründete 1888 das Stadtmuseum München im 1500 von Lukas Rottaler gebauten ehemaligen Zeughaus am Sankt-Jakobs-Platz. Im 20. Jahrhundert wurde das Museum um den Grässeltrakt (1926–28), den Leitentorfertrakt (1930/31) und den Gsaengertrakt (1959–64) erweitert. Außerdem kamen 1977 das einstige Wohn- und Atelierhaus des Münchner Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther und der Nachbau des mittelalterlichen Marstalls dazu. In der Dauerausstellung »Typisch München!« thematisiert das größte kommunale Museum Deutschlands die Geschichte Münchens und versucht, die Eigenheiten der Stadt und ihrer Bewohner zu veranschaulichen.

Im November 2023, kurz bevor das Münchner Stadtmuseum wegen der seit 1999 geplanten Generalsanierung bis voraussichtlich 2031 geschlossen sein wird, waren wir noch dort.

Dauerausstellung

In einer Vitrine sind Funde aus Münchner Latrinen ausgestellt: ein Nuppenbecher aus dem 15./16. Jahrhundert, eine gestauchte Flasche und ein Kuttrolf aus dem 14./15. Jahrhundert, dazu bemalte Flachglasscherben.

Funde aus Münchner Latrinen im Stadtmuseum
Funde aus Münchner Latrinen (Foto: November 2023)

Zum wertvollsten Besitz des Münchner Stadtmuseums gehören die von Erasmus Grasser geschnitzten Moriskentänzer. 1480 wurde er entsprechend des ursprünglichen Auftrags für 16 dieser Figuren bezahlt, aber wahrscheinlich hatte er nur zehn geschaffen. Die stellte man auf Konsolen unter dem Tonnengewölbe im Saal des 1470 bis 1480 von Jörg von Halsbach nach einem Blitzschlag neu errichteten spätgotischen Tanzhauses (heute: Altes Rathaus). Vier der Moriskentänzer erhielt Ludwig von Schwanthaler als Gegenleistung für von ihm modellierte und von Johann Baptist Stiglmaier 1836 bis 1842 für den König gegossene Bronzefiguren. Der Bildhauer verscherbelte sie nach Italien, aber 1887 kaufte die Stadt München die fehlenden Figuren zurück. 1928 ersetzte man die Moriskentänzer im Alten Rathaus durch Kopien, während die Originale in den Werkstätten des Bayerischen Nationalmuseums restauriert und 1931 dem Münchner Stadtmuseum übergeben wurden. ‒ Die Bezeichnung Moriskentänzer stammt wohl von maurischen Springtänzen, die auch an europäischen Höfen veranstaltet wurden.

»Virtuos sind die beschwingte Leichtfüßigkeit der Tänzer, ihre graziösen, die ganze Gestalt erfassenden Drehbewegungen […] in Grassers Schnitzwerken herausgearbeitet, aber auch die Individualität der Physiognomien und das Momentane der Erscheinung. Dies macht die Figuren rundum betrachtbar – eine Seltenheit in der meist auf Einansichtigkeit angelegten spätgotischen Plastik.« (Lothar Altmann: Streifzüge durch Münchens Kunstgeschichte. Von der Romanik bis zur Gegenwart, Regensburg 2008, S. 47)

An den vier Ecken des Sockels der → Mariensäule am Marienplatz München wurden 1641 Heldenputti aufgestellt – deren Originale das → Stadtmuseum aufbewahrt. Sie kämpfen gegen Allegorien des Krieges (Löwe), des Hungers (Drache), der Pest (Basilisk) und der Ketzerei (Natter). Wer die vom kurfürstlichen Stück- und Glockengießer Bernhard Ernst (um 1596 – 1682) gegossenen Bronzefiguren modellierte, ist nicht bekannt. Das Münchner Stadtmuseum hält es für nicht unwahrscheinlich, dass der Bildhauer Ferdinand Murmann in Georg Petels Augsburger Werkstatt die Heldenputti formte. Auf jeden Fall gehören sie zu den bedeutenden Werken des deutschen Frühbarock.

Münchner Stadtmuseum: Heldenputto der Mariensäule
Münchner Stadtmuseum: Heldenputto der Mariensäule

Originale der Heldenputten an der Mariensäule (Fotos: November 2023)

Eigentlich sollte ein Porträt von Pauline Hanfstaengl (1832 – 1864) in die → Galerie der schönen Münchnerinnen von König Ludwig I. aufgenommen werden, aber nach dem Skandal um Lola Montez verweigerte ihr Vater, der Fotograf und Kunstverleger Franz Hanfstaengl, seine Zustimmung. Friedrich Dürck, ein Schüler des Hofmalers Joseph Karl Stieler, durfte Pauline Hanfstaengl dann 1849 porträtieren.

Münchner Stadtmuseum: Pauline Hanfstaengl
Pauline Hanfstaengl (Foto: November 2023)

Gesamtes Album übers Münchner Stadtmuseum (privat)

»What the City. Perspektiven unserer Stadt«

Während das Münchner Stadtmuseum wegen der Sanierung geschlossen ist (2023 – 2031), lädt das Museum im 1500 von Lukas Rottaler gebauten gotischen Zeughaus zur Ausstellung »What the City. Perspektiven unserer Stadt« ein. Gezeigt wird unter anderem eine 1930 von Albert Maurer angefertigte Kopie des Sandtner-Stadtmodells aus dem Jahr 1570, das im Bayerischen Nationalmuseum zu finden ist. Albert Maurer hat dafür ebenso wie Jakob Sandtner Lindenholz verwendet, aber den Maßstab verdoppelt.

Münchner Stadtmuseum (offizielle Website)

Gesamtes Album übers Münchner Stadtmuseum (privat)