Olympiapark München

Der Olympiaturm
Der Fernsehturm stand zu Beginn der Bauarbeiten für die Sportstätten im Olympiapark bereits. Das Baureferat der Stadt München hatte ihn nach Plänen von Sebastian Rosenthal 1965 bis 1968 errichtet. Durch die Olympischen Spiele 1972 in München wurde der »Olympiaturm« zum Wahrzeichen des Olympiaparks.







Seit Juni 2024 ‒ und voraussichtlich bis 2027 ‒ ist der 291 Meter hohe Turm wegen Sanierung geschlossen. Einen Ersatz für die bis zu 192 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattformen des Olympiaturms bietet ein 70 Meter hoher »Skylift« von Timo Kollmann. Vier Gondeln mit je 20 Plätzen drehen sich während der Fahrt nach oben und unten um die senkrechte Achse des Turms. Bis zu sechs Personen können die Fahrt auf dem Dach einer Gondel im Freien erleben. Während der Wiesn ist der Skylift allerdings auf der Theresienwiese.

Das Olympiagelände
Als 1966 die Entscheidung gefallen war, die XX. Olympischen Sommerspiele 1972 in München auszutragen, wurde ein Areal im Norden der Stadt dafür vorbereitet. Auf dem Oberwiesenfeld in Milbertshofen, wo sich von 1925 bis 1938 der erste bayrische Verkehrsflugplatz befunden hatte, arbeiteten nach der Grundsteinlegung am 14. Juli 1969 bis zu 8000 Menschen, um ein fast drei Quadratkilometer großes Sport- und Erholungsgelände zu gestalten. Der Generalentwurf für die Anlage stammte von einer Architektengruppe um Günter Behnisch*, Fritz Auer, Carlo Weber, Erhard Tränkner, Winfried Büxel und Jürgen Joedicke, die 1967 einen entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatte.
*) Mehr zu Günter Behnisch im Album über Architekten









»Die in schönster Kongenialität vom Landschaftsarchitekten Günther Grzimek, vom Konstrukteur Frei Otto und vom Architekten-Team Günter Behnisch gestaltete Kunstlandschaft des Olympiaparks lässt einige monströse Großbauten der unterschiedlichsten Funktionen fast spurlos in einer sanften Hügelfolge versinken und zwingt die extrem heterogenen Baufiguren, die in allen anderen Olympiastädten wie Fremdkörper nebeneinanderstehen, mit dem gestischen Schwung des darübergespannten Zeltdachs zu einer überwältigenden Einheit zusammen. Die ganze Welt ist sich einig, dass dieses einzigartige symbiotische Ineinanderwirken von Ingenieursavantgarde und Landschaftsarchitektur der bedeutendste Beitrag Deutschlands zur jüngeren Architekturgeschichte ist.« (Gottfried Knapp, Süddeutsche Zeitung, 19. November 2007)
Olympiadach
Nach einer Idee von Cord Wehrse entwarf das Architektenbüro Behnisch & Partner das markante Olympiadach, und mit einem Nylonstrumpf bastelten die Architekten ein Modell davon. Das Projekt wurde zunächst für undurchführbar gehalten und deshalb von der Wettbewerbs-Jury abgelehnt. Aber deren Vorsitzender Egon Eiermann erreichte mit einem begeisterten Plädoyer für das zeltförmige Dach ein Umdenken.
Die Diskussion entzündete sich auch an den hohen Kosten. Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel meinte jedoch, eine Gesellschaft müsse die Kraft für eine Investition in ein architektonisches Kunstwerk jenseits von Kosten-Nutzen-Kalkulationen aufbringen.
Günter Behnisch* zog Frei Otto* hinzu, dessen Deutscher Pavillon bei der Weltausstellung 1967 in Montreal das Vorbild für die an 48 Stahlmasten hängende 80.000 m² große und bis zu 81 Meter hohe Zeltdachkonstruktion war. Auch die Bauingenieure Wolfhart Andrä, Fritz Leonhardt und Jörg Schlaich wirkten mit. Im Frühjahr 1971 begann die herausfordernde Montage.
Mit diesem antimonumentalen Bauwerk und der von Otl Aicher entwickelten visuellen Kommunikation in Regenbogenfarben rückten München und die Bundesrepublik Deutschland weit von den Gastgebern der Olympischen Spiele 1936 in Berlin ab. Bewusst vermieden die von Veranstalter alles Pompöse.
Der ursprüngliche Plan, das Olympiadach nach den Spielen abzureißen, wurde aufgrund der weltweiten Begeisterung für diese innovative Architektur verworfen.
Der aus Brandschutzgründen hinzugefügte Eisenbestandteil der Acrylglasplatten oxidierte im Lauf der Zeit und machte die Scheiben milchig. Bei der Sanierung Ende der Neunzigerjahre wurden die 11.000 Platten deshalb durch ein Material ohne Eisen ersetzt. 2026 bis 2029 sollen die drei mal drei Meter großen Acrylplatten zum zweiten Mal ausgetauscht werden. Die Kosten werden auf knapp 300 Millionen Euro geschätzt (Süddeutsche Zeitung, 24. September 2025).
*) Mehr zu Günter Behnisch und Frei Otto im Album über Architekten




Mahnmal und Gedenkstätte
Während der Olympischen Sommerspiele in München überfielen am 5. September 1972 um 5 Uhr morgens acht Terroristen der palästinensischen Gruppe »Schwarzer September« das Quartier der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf. Sie erschossen den Trainer Mosche Weinberg und den Gewichtheber Josef Romano und nahmen neun weitere israelische Sportler als Geiseln, um die Freilassung von mehr als zweihundert in israelischen Gefängnissen inhaftierten Palästinensern sowie der deutschen RAF-Häftlinge Andreas Baader und Ulrike Meinhof zu erpressen.
Die von Golda Meir geführte israelische Regierung war nicht bereit, auf die Forderungen der Organisation »Schwarzer September« einzugehen. Um eine Befreiungsaktion für die Geiseln vorbereiten zu können, verhandelte Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher mit den Terroristen über Fristverlängerungen.
Am späten Abend wurden sie zusammen mit den israelischen Sportlern, die sie in ihrer Gewalt hatten, in zwei Hubschraubern zum Militärflughafen Fürstenfeldbruck westlich von München gebracht, wo angeblich ein Flugzeug für sie bereit stand. Vor laufenden Fernsehkameras eröffneten fünf auf Dächern postierte Scharfschützen der Polizei gegen 22.45 Uhr plötzlich ohne vorherige Zielabsprache das Feuer. Die Terroristen schossen zurück und warfen schließlich um 00.05 Uhr eine Handgranate in einen der Hubschrauber. Bei der missglückten Befreiungsaktion kamen alle neun israelischen Geiseln, ein unbeteiligter deutscher Polizist und fünf der acht Palästinenser ums Leben. Drei Terroristen wurden festgenommen.
Der 1995 im Olympiapark enthüllte zehn Meter breite Granitbalken des Bildhauers Fritz Koenig* (1924 – 2017) erinnert an die elf getöteten Israelis und den ebenfalls umgekommenen Polizisten. In der Nähe des Klagebalkens befindet sich seit 2017 ein von Klaus-Peter Brückner und seinen beiden Söhnen (Brückner & Brückner) gestalteter Pavillon als multimedialer Ort des Gedenkens. Außerdem erinnert im Olympiadorf eine → Gedenktafel in der Connollystraße 31 an die israelischen Opfer.
*) Mehr zu Fritz Koenig im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Der Stadtpark
Das »demokratische Grün« des Olympiaparks wurde von dem Landschaftsarchitekten Günther Grzimek* (1915 – 1996) gestaltet, der dabei 3000 bis zu 30 Jahre alte Bäume anpflanzen ließ. Das gelungene Ensemble aus Baukunst und Landschaftsarchitektur gehört zu den größten Grünanlagen in München.
*) Mehr zu Günther Grzimek im Album über Architekten




Der mehr als einen Kilometer lange und bis zu 223 Meter breite Olympiasee wird vom Nymphenburg-Biedersteiner Kanal durchflossen und nimmt auch das Regenwasser von den Olympiadächern auf. Die vom Bildhauer Heinz Mack (*1931) geformte Fontäne »Wasserwolke« im Olympiasee wurde 2009 demontiert.













Krokusse im Olympiapark




Kirschblüte im Olympiapark
Sapporo, wo im Februar 1972 die Olympischen Winterspiele stattfanden, schenkte der Partnerstadt München anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 eine Reihe von Kirschbäumen, die auch noch ein halbes Jahrhundert später im Olympiapark prächtig blühen und an Hanami denken lassen.
2024








2025












Album über die Kirschblüte in München
Ost-West-Friedenskirche
Der Russe Timofei Wassiljewitsch Prochorow („Väterchen Timofei“) siedelte sich 1952 nach einem jahrelangen Aufenthalt in Wien mit seiner Lebensgefährtin Natascha auf dem Oberwiesenfeld an. Ohne Genehmigung errichteten die beiden aus Kriegsschutt ein Häuschen, eine Kapelle und später noch eine Kirche, deren Decke sie mit Silberpapier auskleideten. Als der Olympiapark für die Sommerspiele 1972 angelegt wurde, verhinderten Proteste aus der Bevölkerung den Abriss der Schwarzbauten.
Die 2002 gegründete Stiftung »Ost-West-Friedenskirche« setzt sich für den weiteren Erhalt ein, aber im Juni 2023 zerstörte ein vermutlich durch einen technischen Defekt verursachtes Feuer die Kirche. (Sie soll wieder aufgebaut werden.) Natascha war bereits 1977 gestorben; Timofei hatte noch bis Juli 2004 gelebt. Im Wohnhaus wurde ein Museum eingerichtet.




Olympiaberg
Die Trümmer aus dem Zweiten Weltkrieg hatte man zu drei Schuttbergen zusammengetragen. Die wurden später begrünt. So entstanden der Luitpoldhügel, der Neuhofener Berg und der 60 Meter hohe Olympiaberg.





»Schuttblume«
1966 kehrte der 1937 emigrierte Bildhauer Rudolf Belling (1886 – 1972) aus der Türkei nach Deutschland zurück und verbrachte die restlichen Lebensjahre in Krailling bei München. 1972 wurde auf dem Olympiaberg sein Mahnmal für die Opfer der Luftangriffe in der Zivilbevölkerung enthüllt: die »Schuttblume«. Aus den Trümmern der Kriegsvergangenheit erblüht (hoffentlich) eine friedliche Zukunft.
»Schuttblume« (Fotos: Neujahr 2024)
»Olympia Triumphans«
Die von dem Bildhauer Martin Mayer* (1931 – 2022) geschaffene, ohne Betonsockel knapp vier Meter hohe Bronzeplastik »Olympia Triumphans« wurde 1972 im Olympiapark aufgestellt.
*) Mehr zu Martin Mayer im Album über Kunst im öffentlichen Raum



SAP Garden
Anstelle des 2015 abgerissenen Radstadions im Münchner Olympiapark wurde ab 2020 (erster Spatenstich) bzw. 2021 (Grundsteinlegung) eine 22.500 m² große Mehrzweckhalle errichtet, die seit September 2024 bis zu 12.500 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet: »SAP Garden«. Bauherr war die Red Bull Stadion München GmbH. Gestaltet wurde der SAP Garden von dem dänischen Architekturbüro 3XN. Die Fassade ist mit 260 Aluminium-Lisenen verkleidet, die zwischen 11,60 und 18,20 Meter lang sind und bis zu einer Tonne wiegen.








Streetart im Olympiapark München
Vom 2. bis 4. August 2024 feierte das MASH-Fest im Olympia-Park sein zehnjähriges Jubiläum. In diesem Rahmen entstand auch eine Wand mit Streetart auf der Wiese über der Kleinen Olympiahalle.




Tollwood Festival
Als die 1972 gegründete Kleinkunstbühne »Musikalisches Unterholz« (MUH) in den Achtzigerjahren nicht mehr finanziert werden konnte, initiierten die Betreiber Uwe Kleinschmidt und Rita Rottenwallner das »Tollwood Festival«, das im Sommer 1988 erstmals stattfand. 1991 kam zum Sommerfestival im Olympiapark Süd ein Winterfestival hinzu, das seit 2000 auf der → Theresienwiese in der Ludwigsvorstadt veranstaltet wird.
Die Organisatoren engagieren sich für Umweltschutz und Internationalität, Toleranz und Offenheit. Neben der vorwiegend biozertifizierten Gastronomie mit Angeboten aus Entwicklungsländern und einem bunten Kulturprogramm – Musik, Performances, Kabarett, Theater – ist der »Markt der Ideen« charakteristisch für das Tollwood Festival: temporäre Kunstwerke und Stände, die Kunsthandwerk anbieten. Für viele der Veranstaltungen wird kein Eintritt verlangt.
Das Sommerfestival Tollwood 2025 fand vom 19. Juni bis 20. Juli unter dem Motto »Mut und Machen« statt.









Am Haupteingang zum Festival 2025 stand eine begehbare Skulptur aus Kanthölzern von Martin Steinert unter dem Titel »Wooden Cloud«. Besucherinnen und Besucher durften und sollten persönliche Statements aufs Holz schreiben.


Der Holzbildhauer Franz Jäger schraubte und nagelte Holzlatten zu Tierfiguren zusammen, die am Ende für wohltätige Zwecke versteigert wurden.


Der tschechische Künstler Jiří Kašpar formte im Bereich der »Half Moon Bar« Sandskulpturen.




Die 2016 bei der »Bristol International Balloon Fiesta« erstmals gezeigte Installation »Museum of the Moon« stammt von dem britischen Künstler Luke Jerram. Es handelt sich um einen am Kran hängenden, von innen beleuchtbaren Gasballon mit sieben Metern Durchmesser, dessen Oberfläche die des Mondes nach Vorgaben der NASA im Maßstab 1 : 500.000 fotografisch abbildet.

Feuerwerk im Olympiapark München
Feuerwerk »Spectacular Colours«, 15. Juli 2023
Zum Abschluss des Musikfestivals »Sommernachtstraum« am 15. Juli 2023 im Olympiapark fand ein 33 Minuten langes, von Thomas Jorhann und Parente Fireworks gestaltetes Feuerwerk mit dem Titel »Spectacular Colours« statt, bei dem 30.000 Raketen von 76 Plateaus verschossen wurden. Die Kosten beliefen sich auf etwa 130.000 Euro.





Feuerwerk am 18. August 2023
Auf dem Programm des Sommerfestivals vom 27. Juli bis 20. August 2023 im Olympiapark München standen auch zwei Feuerwerke. Das für 3. August 2023 angekündigte Feuerwerk musste jedoch wegen schlechten Wetters abgesagt werden. Am 17. August verhinderte ein Gewitter auch das zweite geplante Feuerwerk, aber das konnte am Tag darauf bei Bilderbuchwetter nachgeholt werden.


Feuerwerk am 23. August 2024
Auch im Rahmen des Sommerfestivals vom 9. bis 25. August 2024 im Olympiapark München fand am 23. August ein Feuerwerk statt.






Feuerwerk am 13. August 2025
Das Sommerfestival 2025 im Olympiapark dauerte vom 1. bis 24. August, und in diesem Rahmen veranstaltete man am 13. August auch wieder ein Feuerwerk.









Literatur:
Ines Jenewein: Olympiapark München. Architektur – Landschaft – Kunst (Amberg 2022)
Olympiapark München (offizielle Website)








