München: Universitäten

In München gibt es deutlich mehr als 100.000 Studierende, davon 55.000 an der Ludwig-Maximilians-Universität und 53.000 an der Technischen Universität. Dazu kommen die Studierenden der Akademie der Bildenden Künste, der Hochschule für Musik und Theater, der Hochschule für Fernsehen und Film, der Universität der Bundeswehr, der Hochschule für angewandte Wissenschaften, der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern u. a.

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Ludwig-Maximilians-Universität München

Die erste bayrische Universität wurde 1472 in Ingolstadt von Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut (1417 − 1479) mit päpstlicher Genehmigung gegründet. Der Kurfürst und spätere bayrische König Maximilian I. Joseph (1756 − 1825) verlegte die Universität 1800 nach Landshut. 1826 holte König Ludwig I. (1786 − 1868) die Ludwig-Maximilians-Universität in seine Hauptstadt München und beauftragte im Jahr darauf Friedrich von Gärtner*, den Entwurf für ein Universitätsgebäude vorzulegen. Die Bauarbeiten dauerten von 1835 bis 1840.

»Ludwig-Maximilians-Universität«, der 1802 eingeführte Name (»Ludovico-Maximilianea«) verweist nicht auf König Ludwig I., der die Hochschule nach München holte, sondern auf den Gründer Herzog Ludwig IX. den Reichen und auf Kurfürst Maximilian IV. Joseph, der die Universität 1800 von Ingolstadt nach Landshut umsiedelte.

*) Mehr zu Friedrich von Gärtner im Album über Architekten

Lichthof

Den Treppenaufgang im Lichthof des Hauptgebäudes der Universität flankieren König Ludwig I. und Prinzregent Luitpold. Die Statuen wurden 1911 von den Bildhauern Knut Åkerberg (1868 – 1955) bzw. Bernhard Bleeker* (1881 – 1968) geschaffen. Die Bodenmosaiken stammen von Wilhelm Köppen (1876 – 1917).

*) Mehr über Bernhard Bleeker im Album über Kunst im öffentlichen Raum

LMU: Lichthof-Kuppel
Lichthof-Kuppel (Foto: Mai 2024)
Ludwig-Maximilians-Universität
Ludwig-Maximilians-Universität

Fenster in der Ludwig-Maximilians-Universität (Fotos: Mai 2024)

»DenkStätte Weiße Rose«

1958 gestaltete der Bildhauer Lothar Dietz* (1896 – 1976) ein Bronzerelief zum Gedenken an Willi Graf, Kurt Huber, Hans Leipelt, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Hans Scholl und Sophie Scholl, die ihren Widerstand gegen das NS-Regime in der Gruppe »Weiße Rose« mit dem Leben bezahlen mussten. Das Mahnmal ist im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München zu finden.

1997 wurde neben dem Lichthof in der LMU die »DenkStätte Weiße Rose« eingerichtet. Dort informiert seit 2017 eine Dauerausstellung über den Widerstand gegen die NS-Diktatur.

Die 2003 vom Bildhauer Nikolai Tregor jr.* modellierte, Sophie Scholl darstellende Büste wurde 2005 im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München enthüllt, und zwar von der Schauspielerin Julia Jentsch, die im Kinofilm »Sophie Scholl. Die letzten Tage« die Titelrolle gespielt hatte.

*) Mehr zu Lothar Dietz im Album Kunst im öffentlichen Raum und über Nikolai Tregor im Album Denkmäler

Lothar Dietz Mahnmal Weiße Rose in der LMU
Nikolai Tregor Büste von Sophie Scholl in der LMU

Mahnmal »Weiße Rose« / Büste von Sophie Scholl (Fotos: September 2025)

LMU: DenkStätte Weiße Rose
DenkStätte »Weiße Rose« in der LMU (Foto: Mai 2024)

Gedenktafelcollage für die Weiße Rose

Robert Schmidt-Matt (*1954) studierte zunächst Malerei an der Hochschule (seit 2001: Universität) der Bildenden Künste Berlin, bevor er 1975 bis 1984 zur Bildhauerei wechselte und das Studium als Meisterschüler von Michael Schoenholtz abschloss.

1987/88 schuf der Bildhauer eine Gedenktafelcollage für die Weiße Rose auf dem → Geschwister-Scholl-Platz vor der Universität: Flugblätter, Fotos, Urteile, Briefe, Zeitungsartikel im Kopfsteinpflaster.

Die Große Aula

Die Aula der Ludwig-Maximilians-Universität wurde von Friedrich von Gärtner geplant und bis 1840 gebaut. Aber der dunkle Saal im Südflügel, der vom ersten bis zweiten Obergeschoss reicht, erhielt erst 1909 sein heutiges Jugendstil-Erscheinungsbild. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Große Aula unzerstört. Deshalb konnte dort 1946 die verfassungsgebende Landesversammlung des Freistaats Bayern stattfinden, in der die neue bayrische Verfassung angenommen wurde. Der Bayerische Landtag erklärte die Große Aula der LMU 2020 zu einem »Ort der Demokratie in Bayern«.

LMU Große Aula

Doryphoros von Polykles

Der griechische Bildhauer Polyklet modellierte im 5. Jahrhundert vor Christus die Bronzefigur eines Speerträgers (griechisch: Doryphoros). Der Doryphoros von Polykles gilt als eine der berühmtesten antiken Statuen, aber wie er aussah, lässt sich nur durch drei Marmor-Kopien der Römer erahnen.

1910 bis 1912 formte der Bildhauer Georg Römer (1868 – 1922) eine Nachbildung des Doryphoros von Polykles und kopierte dabei die jeweils besten Teilen der römischen Kopien. Diese Methode geht auf Adolf Furtwängler (1853 – 1907) zurück, der ab 1894 den Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität hatte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Doryphoros von Polykles in der Universität beschädigt, aber seit den Fünfzigerjahren steht er wieder im Hauptgebäude – ohne Speer.

Doryphoros von Polykles in der Ludwig-Maximilians-Universität
Doryphoros von Polykles (Foto: Juli 2025)

Audimax

Der Architekt German Bestelmeyer* (1874 – 1942) erweiterte das Universitätsgebäude 1906 bis 1909 zur Amalienstraße hin. Dabei entstand das Auditorium maximum mit 800 Sitzplätzen. Über einer der Türen des Audimax ist ein von Julius Diez (1870 – 1957) geschaffenes Mosaik zu sehen, das die Göttin der Wissenschaft darstellt.

*) Mehr zu German Bestelmeyer im Album über Architekten

Wandbrunnen

Von Wilhelm Köppen stammen nicht nur die Mosaiken auf dem Boden des Lichthofs, sondern auch der Wandbrunnen mit Uhr (1909/10) im Vestibül des Universitäts-Anbaus im Westen.

Eingang im Bestelmeyer-Anbau

Vor dem Eingang des von German Bestelmeyer errichteten Anbaus der Ludwig-Maximilians-Universität an der Amalienstraße stehen zwei 14 Meter hohe Pfeiler mit von dem Bildhauer Hermann Hahn* gestalteten und von Wilhelm Rupp gegossenen Erzfiguren, die Wissenschaft und Wahrheit symbolisieren (1907/10). Die sechs von dem Bildhauer Josef Flossmann* geschaffenen Figuren an der Fassade zeigen Augustinus, Papinian, Solon, Hippokrates, Aristoteles und Archimedes. Darüber befinden sich sieben antikisierende Reliefs des Bildhauers Georg Albershofer.

*) Mehr über Josef Flossmann und Hermann Hahn im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Ludwig-Maximilians-Universität: Bestelmeyer-Anbau
Ludwig-Maximilians-Universität: Bestelmeyer-Anbau
Ludwig-Maximilians-Universität: Bestelmeyer-Anbau

Innenhöfe

In einem Innenhof der Ludwig-Maximilians-Universität steht seit 1915 ein »Eulenbrunnen« des Künstlers Eduard Beyrer (1866 – 1934).

Salinenhof der Ludwig-Maximilians-Universität
Kirschblüte im Salinenhof der LMU (Foto: April 2025)

Dependencen in der Ludwigstraße

Am Ende der Ludwigsstraße wurde 1935 bis 1939 für die 1933 gegründete »Akademie für Deutsches Recht« das »Haus des Deutschen Rechts« nach Plänen des Architekten Oswald Eduard Bieber (1874 – 1955) gebaut.

Der Architekt leitete nach dem Zweiten Weltkrieg auch den Wiederaufbau (1950). Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität und die wirtschaftswissenschaftliche Universitätsbibliothek nutzen heute das Gebäude (Ludwigstraße 28).

Vor dem Eingang steht eine 1952 von dem Bildhauer Elmar Dietz* (1902 – 1996) gestaltete Bronzefigur, die trotz fehlender Attribute als Justitia oder Personifikation der Gerechtigkeit interpretiert wird.

*) Mehr über Elmar Dietz im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Elmar Dietz Bronzefigur
Bronzefigur von Elmar Dietz (Foto: September 2024)

Vier von Robert von Langer (1783 – 1846) für den Empfangssalon des Herzog-Max-Palais gemalte Fresken hatte man vor dem Abriss des Gebäudes 1938 mit Hilfe von stählernen Spannrahmen abgenommen und ins Bayerische Nationalmuseum gebracht. Wie und wann die 5 x 2,5 Meter großen und 10 Zentner schweren Teile ins »Haus des Deutschen Rechts« transferiert wurden, ist nicht bekannt. Jedenfalls entdeckte man die Fresken in den Fünfzigerjahren, und zwar im heutigen »Freskensaal« im ersten Obergeschoss, den damals das Volkswirtschaftliche Institut der Universität als Hörsaal nutzte. 1992/93 wurden sie restauriert.

Robert von Langer Fresko
Robert von Langer Fresko

Aufnahme von Herakles in den Olymp / Sieg von Theseus über Minotaurus (Fotos: Dezember 2025)

1838 bis 1843 errichtete der Architekt Friedrich Bürklein* (1813 – 1872) nach Plänen Friedrich von Gärtners* ein Gebäude für die damalige »General-Bergwerks- und Salinen-Administration«.

Das im zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Bauwerk wurde 1949 bis 1959 restauriert und 1968 bis 1970 entkernt. Seither arbeitet dort das International Office der → Ludwig-Maximilians-Universität München (Ludwigstraße 27). Als Mahnung wurden leichte Kriegsschäden an der Fassade nicht beseitigt.

*) Mehr zu Friedrich Bürklein und Friedrich von Gärtner im Album über Architekten

Nach Plänen von Friedrich von Gärtner* entstand 1833 bis 1837 ein Gebäude für das 1836 gegründete Münchner Blindeninstitut (heute: Landesblindenanstalt).

Der Bildhauer Francesco Sanguinetti** (1800 – 1870) schuf die Heiligenfiguren an den beiden neuromanischen Rundbogenportalen nach Modellen seines älteren Kollegen Konrad Eberhard (1758 – 1859): Benno und Rupert, Ottilia und Lucia.

Die Landesblindenanstalt zog 1968 nach Nymphenburg. Danach wurde das Gebäude bis 1971 entkernt, und die Ludwig-Maximilians-Universität richtete sich dort ein. Nach einer 2015 bis 2019 vorgenommenen erneuten Entkernung werden die Räume nun von der zur Universitätsbibliothek gehörenden Fachbibliothek Philologicum genutzt (Ludwigstraße 25).

*) Mehr zu Friedrich von Gärtner im Album über Architekten
**) Mehr zu Francesco Sanguinetti im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Album über die Ludwigstraße

»Schweinchenbau«

Zwischen → Leopoldpark und -straße errichtete die Ludwig-Maximilians-Universität unter Leitung des Architekten Ernst Baumann den im Januar 1986 eröffneten »Schweinchenbau« für die Fakultät Psychologie und Pädagogik, die Mensa und das Studentenwerk. (Die Bezeichnung bezieht sich auf die Außenwände in Rosa.)

Im Aufgang passiert man Reliefmedaillons des Bildhauers Jürgen Goertz (*1939): Kurt Huber*, Johann Michael Sailer*, Aloys Fischer*, Georg Kerschensteiner*, Carl Stumpf*. Im Hof trifft man dann auf Jürgen Goertz‘ mehrteilige Bronzeskulptur »Chaos im Kopf«, eine Allegorie der wissenschaftlichen Lehre.

*) Mehr zu Aloys Fischer, Kurt Huber, Georg Kerschensteiner, Johann Michael Sailer und Carl Stumpf im Album über Denkmäler

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Technische Universität München

König Ludwig II. von Bayern gründete 1868 eine polytechnische Schule in München, die 1877 offiziell die Bezeichnung Königlich Bayerische Technische Hochschule München erhielt (heute: Technische Universität München). 1864 bis 1868 entstand das entsprechende Gebäude nach Plänen des Architekten Gottfried von Neureuther (1811 – 1887) im Stil der Neurenaissance. Friedrich von Thiersch fügte 1910 bis 1916 den nach ihm benannten 37 Meter hohen Uhrturm hinzu, und Ernst Pfeifer (1862 – 1948) gestaltete das Turmportal. German Bestelmeyer erweiterte den Gebäudekomplex 1923 bis 1928 in der Arcisstraße. Weitere Ergänzungen folgten, aber im Zweiten Weltkrieg wurde nahezu alles zerstört.

Technische Universität

Technische Universität München, Fassaden in der Gabelsberger Straße
(Fotos: 2024)

Technische Universität
Technische Universität
Technische Universität

Technische Universität München, Fassaden in der Gabelsberger Straße
(Fotos: 2024)

Das 700 m² große Audimax (Werner-von-Siemens-Hörsaal) der Technischen Universität München mit 1000 Sitzplätzen befindet sich in einem 1990 bis 1994 vom Architekten Rudolf Wienands (*1940) errichteten Gebäude. Auf dem Hof davor befindet sich seit 1995 die von Fritz Koenig* (1924 – 2017) 1986 geschaffene »Große Blattfigur«.

Am Eingang der Technischen Universität München an der Ecke Luisen-/Theresienstraße (Luisenstraße 57) ist ein großformatiges Wandbild zu sehen.

*) Mehr über Fritz Koenig im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Der Physiker Georg Simon Ohm* (1789 ‒ 1854) wies nach, dass in einem stromdurchflossenen metallischen Leiter die Stromstärke dem Quotienten aus angelegter elektrischer Spannung und elektrischem Widerstand entspricht (Ohmsches Gesetz).

Nach einem Entwurf von Friedrich von Thiersch (1852 – 1921) schuf der Bildhauer Wilhelm von Rüman (1850 – 1906) das marmorne Ohm-Denkmal, das 1895 bis 1929 beim Polytechnikum stand, dann aber German Bestelmeyers An- und Neubau weichen musste. Heute steht es (auf einem Ersatz für den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Steinsockel) vor dem Neubau der Technischen Universität in der Theresienstraße.

Ludwig-Maximilians-Universität München / Technische Universität München (offizielle Websites)