Nymphenburg: Parkburgen

Neben dem Schloss Nymphenburg gibt es im Nymphenburger Schlosspark drei zwischen 1716 und 1739 errichtete Lustschlösschen (Pagodenburg, Badenburg, Amalienburg) und die Magdalenenklause. Sie werden als »Parkburgen« bezeichnet.

Die Parkburgen können von April bis Oktober besichtigt werden, entweder mit einer speziellen Eintrittskarte oder mit einer Gesamtkarte zusammen mit → Schloss und → Marstall.

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Baustelle:
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Nach der Lektüre werde ich meine Texte überarbeiten und ergänzen.

Pagodenburg

Baugeschichte

Die doppelgeschossige, achteckige Pagodenburg – die älteste zum Nymphenburger Schloss gehörende Parkburg – wurde angeblich von Kurfürst Max Emanuel entworfen. Wahrscheinlicher ist es, dass sich Joseph Effner* an Entwürfen des Architekten Germain Boffrand (1667 – 1754) für den Pavillon Bouchefort bei Brüssel orientierte, als er das ungewöhnliche Bauwerk 1716 bis 1719 errichtete. 1767 gestaltete François Cuvilliés der Ältere* das Bauwerk im Stil des Rokoko um.

*) Mehr zu Joseph Effner und François Cuvilliés im Album über Architekten

Salettl

Das Erdgeschoss der Pagodenburg besteht aus einem einzigen Raum, dem »Salettl«. Die Wände sind mit Delfter Fayence-Fliesen gekachelt. Johann Anton Gumpp (1654 – 1719) bemalte die Decke mit Personifikationen der vier Erdteile und andere Partien mit asiatischen Gottheiten, die damals als »Pagoden« bezeichnet wurden.

Die ursprüngliche Möblierung des Salettls wurde um 1770 durch eine neue im Stil des Rokoko ersetzt, die wir auch heute noch dort vorfinden. Auf der Tischplatte prangt das heraldische Wappen der bayrischen Wittelsbacher.

Pagodenburg in Nymphenburg
Pagodenburg in Nymphenburg

Treppe

Ein mit Rotterdamer Kacheln gefliestes Treppenhaus führt vom Salettl hinauf zum Obergeschoss. Bemerkenswert ist nicht zuletzt das Rokoko-Eisengitter.

Obergeschoss

Die beiden Kabinette im Obergeschoss der Pagodenburg sind prächtige Beispiele der Chinoiserie. Betreten darf man sie zwar nicht mehr, aber es lohnt sich, durch die beiden Eingangstüren zu schauen.

Küche der Pagodenburg

Die ehemalige Küche für die Pagodenburg befindet sich in einem separaten Gebäude östlich der Parkburg.

Küche der Pagodenburg in Nymphenburg
Küche der Pagodenburg (Foto: September 2026)

Badenburg

Baugeschichte

Nach der Pagodenburg errichtete Joseph Effner 1718 bis 1724 für Kurfürst Max Emanuel die Badenburg im Nymphenburger Schlosspark, ein spätbarockes Gebäude mit Festsaal, Wohnräumen und dem ersten beheizbaren Hallenbad der Neuzeit.

Schlosspark Nymphenburg Badenburg
Badenburger See, Badenburg (Foto: September 2026)

Die beiden Steinlöwen an der südlichen Freitreppe der Badenburg wurden von dem flämischen Hofbildhauer Charles de Groff (eigentlich: Guillielmus de Grof, 1676 – 1742) gestaltet. Nach ihnen ist die vom Gartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823) im südlichen Landschaftspark angelegte Wiese benannt (Löwental).

Festsaal

Der Schmuckdekor im Festsaal der Badenburg stammt von dem französischen Bildhauer und Stuckateur Charles Dubut. Das Deckenfresko von Jacopo Amigoni im Festsaal der Badenburg wurde 1944 zerstört. Als Ersatz malte Karl Manninger 1984 eine Kopie.

In zwei Ecken des Festsaals befinden sich Brunnen. Die als vergoldete Bleihohlgüsse ausgeführten Brunnenfiguren – auf Delfinen reitende Tritonenkinder – wurden 1722 von Charles de Groff gestaltet.

Badenburg Festsaal
Brunnenfigur von Charles de Groff (Foto: September 2026)

Wohnräume

Die Wände eines Wohnraums in der Badenburg sind mit einer chinesischen Floraltapete ausgestattet. In zwei weiteren Wohn- bzw. Schlafräumen zeigen die Tapeten Szenen aus dem Leben in China.

Badenburg Wohnraum mit chinesischer Tapete
Badenburg Wohnraum mit chinesischer Tapete
Badenburg Wohnraum mit chinesischer Tapete
Badenburg Wohnraum mit chinesischer Tapete
Badenburg Wohnraum mit chinesischer Tapete
Chinesische Tapete
Chinesische Tapete

Unter der Tapete im Schlafzimmer entdeckte man in den Achtzigerjahren eine um 1806 überklebte Tapete, die zwischen 1751 bis 1763 angebracht worden war und zu den ältesten erhaltenen chinesischen Papiertapeten zählt. Dabei handelt es sich nicht um eine bemalte, sondern um eine mit Holzschnitten bedruckte und handkolorierte Tapete.

Badesaal

Über zwei Stockwerke reicht der mit holländischen Fliesen gekachelte Badesaal, dessen Grundriss fast vollständig vom 8,7 mal 6,1 Meter großen, 80.000 Liter Wasser fassenden Becken ausgefüllt ist. Es war übrigens nicht nur zum Schwimmen, sondern auch zum Durchschreiten gedacht. Das schmiedeeiserne Geländer der Galerie stammt von Antoine Motté, das Deckengemälde von Nicolas Bertin.

Badenburg Badesaal
Badenburg Badesaal

Magdalenenklause

Baugeschichte

Kurfürst Max Emanuel ließ Joseph Effner 1725 bis 1728 auch die Magdalenenklause im Schlosspark Nymphenburg errichten. Die Magdalenenklause sollte dem Kurfürsten als Ort der Besinnung dienen und war deshalb einer Eremitage nachempfunden. Die Fertigstellung erlebte er jedoch nicht mehr. Der Ruinen-Stil weist auf die Vergänglichkeit alles Irdischen hin.

Nymphenburg Magdalenenklause

Vorraum

Den Vorraum der Magdalenenklause gestaltete Joseph Effner mit Stuck und Tuffstein, Muscheln und Blechblumen als Grotte.

Wohnräume

Die kurfürstlichen Wohnräume der Magdalenenklause wirken klösterlich streng. Zahlreiche Kupferstiche hängen an den mit Eiche vertäfelten Wänden. Genau gegenüber der Apsis der Kapelle befindet sich die Rundnische des Schlafzimmers. Das byzantinische Kreuz soll Kurfürst Max Emanuel aus Ungarn mitgebracht haben.

Kapelle

Die Kapelle ist ebenso wie der Vorraum als Grotte gestaltet, allerdings nicht mit Tuffstein, sondern mit Kieselflächen und Muschelornamenten. Die Stuckfigur der hl. Magdalena stammt von Giuseppe Volpini (1670 – 1729). Der Barockmaler Nikolaus Gottfried Stuber (1688 – 1749) schuf die Gewölbefresken.

Magdalenenklause Kapelle
Magdalenenklause Kapelle
Magdalenenklause Kapelle

Amalienburg

Baugeschichte

Bei der 1734 bis 1739 nach Plänen von François Cuvilliés dem Älteren* gebauten Amalienburg handelt es sich um ein Jagdschlösschen im Rokoko-Stil, das Kurfürst Karl Albrecht seiner Frau Maria Amalia schenkte. Von einer Plattform auf dem Dach konnten Fasane geschossen werden. Johann Baptist Zimmermann* schuf die Halbplastik mit der Jagdgöttin Diana an der Ostfassade. Von ihm und Johann Joachim Dietrich (1690 – 1753) stammt auch der Stuck. Die 1737 nach seinen Entwürfen angefertigten, inzwischen verschollenen Ziervasen wurden 1992 durch Nachbildungen von Hans Geiger ersetzt.

*) Mehr zu François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann im Album über Architekten

Blaues Kabinett

Der Rundgang durch die Amalienburg beginnt mit dem Blauen Kabinett im Südflügel.

Amalienburg Blaues Kabinett
Amalienburg: Blaues Kabinett (Foto: 2014)

Gelbes Zimmer

Auf dem Weg vom Blauen Kabinett zum Spiegelsaal durchquert man das Gelbe (Schlaf-)Zimmer.

Amalienburg Gelbes Zimmer
Amalienburg Gelbes Zimmer
Amalienburg Gelbes Zimmer

Spiegelsaal

Für den ursprünglich durch Portale im Osten und Westen zugänglichen zentralen Spiegelsaal (»Grand Salon«) der Amalienburg fertigten Georg Ludwig Fremel und Ludwig Marty zehn in jeweils 15 Flächen unterteilte Wandspiegel an. Sie bilden also die Realität »gebrochen« ab, und zugleich reflektieren sie das Licht in einem silbrig-blauen Farbton.

Amalienburg Spiegelsaal
Spiegelsaal (Foto: 2014)
Amalienburg Spiegelsaal
Amalienburg Spiegelsaal

Jagdzimmer

Vom Spiegelsaal im Zentrum der Amalienburg geht man weiter durchs Jagdzimmer zum Indianischen Kabinett im Nordflügel.

Amalienburg Jagdzimmer
Amalienburg: Jagdzimmer (Foto: September 2026)

Indianisches Kabinett

Die Wände des »Indianischen Kabinetts« bzw. »Fasanenzimmers« im Nordflügel sind mit hellblau grundierten Stoffen bespannt. Die ursprünglich farbenprächtige Malerei mit floralen Motiven, Pfauen und Fasanen ist inzwischen verblasst, während der Tapetenkleister Flecken gebildet hat.

Amalienburg Indianisches Kabinett
Amalienburg Indianisches Kabinett

Große Küche

Feuer prasselte damals auf (!) dem Herd. Neben dem gewöhnlichen Herd (im Bild vorne) steht in der Großen Küche der Amalienburg eine Besonderheit, ein 1735 von François Cuvilliés entworfener Castrol-Herd mit einem geschlossenem Feuerkasten.

Amalienburg Große Küche
Castrol-Herd im Hintergrund (Foto: September 2026)

Die barocken Fliesenfelder mit Blumenvasen und chinesischen Szenen wurden in den Niederlanden hergestellt. Joseph Pasqualin Moretti (um 1700 – 1758) schuf die blaue Camaïeu-Rokoko-Malerei an der Decke und an den Wänden.

Amalienburg Große Küche Deckengemälde
Amalienburg Große Küche

Mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Schlösserverwaltung