Schwabing Nord
Schwabing Nord wird von den modernen Stadtquartieren Berliner Viertel, Schwabinger Tor, Parkstadt Schwabing und Domagkpark gebildet. (Manche betrachten alles nördlich der Karl-Theodor-Straße als Nordschwabing.)

Berliner Viertel
Das als Gartenstadt konzipierte Berliner Viertel in Schwabing entstand in den Achtzigerjahren auf einer grünen Wiese.
Berolina-Brunnen
Bei Berolina handelt es sich um die Personifikation der Stadt Berlin. Der 1980 vom Bildhauer Ernst Andreas Rauch* (1901 – 1990) gestaltete Berolina-Trinkwasserbrunnen ist in der Johann-Fichte-Straße am Zaun des Ungererbads zu finden.
*) Mehr zu Ernst Andreas Rauch im Album über Brunnen in München

Schwabinger See
Der Schwabinger See wurde Ende der Achtzigerjahre auf dem Gelände des 1987 aufgelassenen Schwabinger Güterbahnhofs angelegt. Durchflossen wird er vom Nymphenburg-Biedersteiner Kanal (»Schwarze Lacke«), der im Englischen Garten in den Schwabinger Bach mündet. Ein Kilometer nördlich des Schwabinger Sees ragen die 2004 fertiggestellten → »Highlight Towers« 113 bzw. 126 Meter hoch auf.





Der Bildhauer Wilhelm Uhlig* (1930 – 2022) schuf 1980 zwei ähnliche Steinfiguren mit dem Titel »Hockende«. Eine davon steht in der → Maxvorstadt, die andere am Schwabinger See.
*) Mehr zu Wilhelm Uhlig im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Berliner Straße
1908 wurde die Berliner Straße in Schwabing nach der damaligen Reichshauptstadt benannt.
Christian Tobin (*1956), der als Erfinder der kinetischen Steinskulptur gilt und 1983 den → Kugelbrunnen »Oblio« im Westpark geschaffen hatte, gestaltete 2005 den Brunnen »Findling« an der Kreuzung Berliner -, Schlüter-, Schinkelstraße (Berliner Straße 85). In einem Video, das Josef Greber im September 2010 bei Youtube hochgeladen hat, ist zu sehen, wie die beiden Findlinge auf dem Wasser tanzen. Aber das ist wohl seit Jahren nicht mehr geschehen.


Schwabinger Tor
Westlich des Berliner Viertels baute die Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft 2013 bis 2019 das von der Straßenbahnlinie 23 erschlossene autofreie Stadtquartier »Schwabinger Tor« nach Entwürfen der »03 Architekten«.
An diesem Ort hatte der Augsburger Immobilienunternehmer Otto Schnitzenbaumer (1922 – 2012) 1973 vom Schweizer Architekten Justus Dahinden (1925 – 2020) »Schwabylon« bauen lassen, einen futuristischen Komplex mit Büros und Wohnungen, einem Einkaufszentrum, Gastronomie und Wellness sowie dem ersten »Holiday Inn« in München, zu dem der dreistöckige Nachtclub »Yellow Submarine« mit einem 600.000 Liter großen Haifisch-Aquarium gehörte. Aber das »Schwabylon« erwies sich als Fehlinvestition: 1979 riss man das meiste ab. Und um Platz für den Bau des Stadtquartiers »Schwabinger Tor« zu schaffen, mussten 2013 auch das Hotel und der Metro-Großmarkt weichen, der als »Hurler« bekannt war, denn der Metro-Konzern hatte 1987 den 1964 von Jost Hurler (1918 – 2003) eröffneten ersten SB-Großhandel in München übernommen.


Weißenhofweg
Seit Dezember 2009 fährt die Straßenbahn von der → Münchner Freiheit nach Schwabing Nord. Der einen halben Kilometer lange Fuß- und Fahrradweg entlang der Trambahntrasse zwischen den Haltestellen Schwabinger Tor und Am Münchner Tor trägt seit 2014 den Namen der 1927 errichteten Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die zu den Vorbildern der modernen Architektur zählt.

Leopoldstraße
Hinter alten Wohnblöcken an der Leopold-, Schenkendorf- und Wilhelm-Hertz-Straße – die Hertz-Höfe entstanden ab 1912 ‒ ragen das 2001 bis 2003 errichtete → Schwabinger Tor (MEAG) und die ein Jahr jüngeren → Highlight Towers 88 bzw. 126 Meter hoch auf.

Die Bildhauerin Ulla M. Scholl (*1948) gestaltete 2000 die 2,3 Meter hohe Bronzefigur »Balance«, die vor der Deutschen Bundesbank in der Leopoldstraße 234 zu finden ist.
Ulla M. Scholl: »Balance« (Fotos: Juli 2025)
Am Münchner Tor
Das »Münchner Tor«, ein 85 Meter (mit Aufbauten 88 Meter) hohes Bürohochhaus der Münchener Rück in Schwabing-Freimann, wurde 1999 bis 2003 nach Plänen des Architekturbüros Allmann Sattler Wappner errichtet. Der Platz, zu dem sich die Schlüterstraße im Norden weitet, heißt seit 2005 »Am Münchner Tor«. Im Teich befindet sich der 2020 von Roland Fischer (*1958) gestaltete Kubus »Intersection«.




Schenkendorfbrücke
Für die Straßenbahntrasse von der → Münchner Freiheit nach Schwabing Nord wurde 2007 bis 2009 eine 84 Meter lange Schrägseilbrücke über den Mittleren Ring gebaut. Die Fundamente für den 33 Meter hohen Pylon, an dem die Brücke hängt, waren bereits beim Bau des Petueltunnels gegossen worden. Und weil der Abschnitt des Mittleren Rings Schenkendorfstraße heißt, erhielt auch die Brücke den Namen des Dichters Max von Schenkendorf (1783 ‒ 1817).
Parkstadt Schwabing zwischen Highlight Towers und Skyline Tower
2000 wurde damit begonnen, die »Parkstadt Schwabing« nach Plänen des Architekten André Perret (*1954) und des Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt (*1954) zu bauen. Inzwischen ist ein neues Stadtquartier mit 12.000 Arbeitsplätzen und 1500 Wohnungen entstanden.
Entlang der Oskar-Schlemmer-Straße verläuft eine 600 Meter lange, 70 Meter breite Grünanlage. Gestaltet wurde der »Zentrale Park« 1999 bis 2002 von »Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten & Stadtplaner«. Im Südwesten beginnt der Park bei der Anni-Albers- bzw. Mies-van-der-Rohe-Straße unweit der Skyline Towers und führt dann nach Nordwesten bis zum Skyline Tower an der Marcel-Breuer-Straße. Die Straßennamen wurden alle 2001 vergeben. Sie erinnern in diesem Areal an den Maler und Bildhauer Oskar Schlemmer (1888 – 1943), den Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886 ‒ 1969), den Architekten und Möbeldesigner Marcel Breuer (1902 ‒ 1981) und die Grafikerin und Textilkünstlerin Anni Albers (1899 ‒ 1994), vier Kunstschaffende des Bauhauses.



Die nach Plänen des Architektenbüros von Helmut Jahn (1940 – 2021) und Charles Murphy (1890 – 1985) gebauten »Highlight Towers« in der Mies-van-der-Rohe-Straße 6 wurden 2004 bezugsfertig. Mit Höhen von 113 bzw. 126 Metern zählen die Türme aus Stahl und Glas zu den höchsten in München. Verbunden sind sie durch Übergänge im neunten, zehnten und 20. Stockwerk.
Helmut Jahn entwarf auch den 84 Meter hohen »Skyline Tower« (»m.pire«) im Nordosten der Parkstadt Schwabing, der 2010 fertiggestellt wurde (Adresse: Marcel-Breuer-Straße 6).





Die A9 trennt die Parkstadt Schwabing von der → Siedlung Alte Heide. Als Fußgänger kann man die Autobahn auf einer Brücke zwischen der Walter-Gropius-Straße und der Grünecker Straße überqueren. Im Nordosten ist der Skyline Tower zu sehen, im Südwesten blickt man auf die Hightlight Towers.


Die Wilhelm-Wagenfeld-Straße erinnert seit 2001 an den Produktdesigner Wilhelm Wagenfeld (1900 – 1990), der sich beim Bauhaus in Weimar zu einem der Vorreiter des Industriedesigns entwickelte.
Das Gewerbe- und Verwaltungsgebäude an der Wilhelm-Wagenfeld-Straße 26–30 wurde 2008 fertiggestellt (Kupferschmidt Architekten, KIB Projekt).

Alexander Tutsek-Stiftung
Seit 2001 erinnert die Georg-Muche-Straße an den Maler und Autor Georg Muche (1895 – 1987).
Der Unternehmer Alexander Tutsek (1927 – 2011) und die Psychologin Eva-Maria Fahrner-Tutsek (*1952) gründeten 2000 die gemeinnützige Alexander Tutsek-Stiftung in München zur Förderung von Kunst und Wissenschaft. Sitz war zunächst die 1911 von German Bestelmeyer* für den Bildhauer Georg Albertshofer als Atelier und Wohnhaus errichtete Villa an der Karl-Theodor-Straße 27. 2024 zog die Alexander Tutsek-Stiftung zur Georg-Muche-Straße 4. Dort verfügt sie über die Ausstellungsräume »BlackBox« und »BlackBox FirstFloor«.
Die Alexander Tutsek-Stiftung strebt eine Kunst- und Wissenschaftswelt an, in der sowohl das menschliche Miteinander als auch der gesellschaftliche Fortschritt hohe Werte darstellen. Der Schwerpunkt der internationalen Sammlung und der Ausstellungen liegt bei Fotografie und zeitgenössischen Skulpturen aus Glas. Die Stiftung fördert den Nachwuchs in Kunst und Wissenschaft ebenso wie Museen und Bildungseinrichtungen.
Vom 10. Oktober 2025 bis 19. Juli 2026 präsentiert die Alexander Tutsek-Stiftung Skulpturen und Installationen von fünfzig internationalen Künstlerinnen und Künstlern unter dem Titel »Future Horizons. Glas in der zeitgenössischen Kunst«.
*) Mehr zu German Bestelmeyer im Album über Architekten


Von Oktober 2014 bis August 2015 zeigte die Alexander Tutsek-Stiftung die Ausstellung »Ann Wolff. Persona« mit eigens dafür von der deutsch-schwedischen Künstlerin Ann Wolff (Ann Wärff, *1937) geschaffenen Plastiken wie »Mold« (2013). Dieses Kunstwerk steht inzwischen vor der »BlackBox« der Alexander Tutsek-Stiftung.

Album über die Alexander Tutsek-Stiftung
Domagkpark
Die Domagkstraße in Schwabing-Nord wurde 1966 nach Gerhard Domagk (1895 – 1964) benannt. Der Pathologe und Bakteriologe, der die antibakterielle Wirkung der Sulfonamide entdeckt hatte, war 1939 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt worden.
2005 erwarb die Stadt München einen Teil des Geländes, auf dem sich bis 1992/93 die Funkkaserne befunden hatte. 2007 bis 2009 wurde die Trambahnlinie 23 gebaut, und 2013 bis 2019 entstand nach Entwürfen des Architekturbüros Ortner & Ortner Baukunst und der Landschaftsarchitekten von »Topotek 1« ein Stadtquartier, das 2015 den Namen Domagkpark erhielt.
»Svapinga«
2018/19 schuf Martin Blumöhr in der Trambahnunterführung unter der Domagkstraße in Schwabing-Nord das 260 m² große Mural »Svapinga«. Dabei arbeitete er ohne Vorzeichnung mit Acrylfarben, Tusche und Lack.










Bauhausplatz
Auf dem Areal eines ehemaligen Golfplatzes hatte man 1936 bis 1938 die »Funkkaserne« errichtet. Deren militärische Nutzung endete 1992, und auf dem Areal entstand von 2013 bis 2019 ein neues Stadtviertel in Schwabing-Freimann: der Domagkpark. Den Mittelpunkt bildet der Bauhausplatz, der an die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete stilbildende Kunstschule erinnert, während umliegende Straßen nach Vertretern des Bauhauses benannt worden sind.
Auf dem Bauhausplatz stehen seit 2021 Parkbänke mit einer sieben Meter hohen Brunnenskulptur. Gestaltet wurde die Anlage bzw. das Kunstwerk mit dem Titel »Umsonst und Draußen« von dem Bildhauer Olaf Metzel (*1952) und den Landschaftsarchitekten Susanne Burger und Peter Kühn.



DomagkAteliers in der Margarete-Schütte-Lihotzky-Straße
Eine neue Straße am östlichen Rand des Domagkparks in Schwabing-Freimann wurde 2013 nach Margarete Schütte-Lihotzky (1897 – 2000) benannt. Die österreichische Architektin hatte 1926 das von Ernst May (1886 – 1970) im Rahmen des großangelegten Stadtplanungsprogramms »Neues Frankfurt« (1925 – 1930) angedachte Konzept der Einbauküche – damals: Frankfurter Küche – ausgearbeitet. Ziel war es, in einer kompakten Küche die Arbeitswege nach dem Vorbild des Taylorismus zu minimieren.
Seit 2009 wird ein ehemaliges Kasernengebäude an der Margarete-Schütte-Liholtzky-Straße 30 als größtes städtisches Atelierhaus Münchens (und eines der größten Europas) von etwa 140 Künstlerinnen und Künstlern genutzt: die DomagkAteliers. Mit der Halle 50 steht außerdem ein 160 m² großer Ausstellungsraum zur Verfügung.


Album über die DomagkAteliers (privat)




