München: Schloss Blutenburg
Das Schloss
Das von der Würm umflossene Schloss Blutenburg geht auf eine kleine Wasserburg des 13. Jahrhunderts zurück. 1431 bis 1440 ließ der spätere Herzog Albrecht III. die Anlage (»Pluedenburg«) zu einem Landsitz ausbauen. Von 1508 an diente die spätgotische Blutenburg als Jagdschloss. 1676 erwarb der Münchner Notar Freiherr Anton von Berchem die inzwischen marode Anlage und ließ sie umbauen. Aus dieser Zeit stammt der Zwiebelturm der Kapelle. Von 1980 bis 1983 dauerten umfangreiche Sanierungen.










Kapelle zur Heiligen Dreifaltigkeit
Obwohl bereits eine Kapelle in einem der Wehrtürme des Schlosses Blutenburg existierte, beauftragte Herzog Sigismund 1488 die Bauhütte der Münchner → Frauenkirche mit der Errichtung einer neuen spätgotischen Schlosskapelle. Die Pläne stammten wahrscheinlich von Jörg von Halsbach.
Die Fresken am Portal der Kapelle zur Heiligen Dreifaltigkeit stellen Adam und Eva, den hl. Onuphrius (Stadtpatron Münchens) und darüber den Gnadenstuhl dar. Die Originalfresken aus dem 15./16. Jahrhundert zu beiden Seiten des Portals sind hinter Schutzkästen gesichert, auf die Hermenegild Peiker Kopien gemalt hat. (Von ihm stammen auch die Deckenfresken im → Alten Peter aus dem Jahr 2000.)




Nicht Hans Olmendorfer, wie lange angenommen, sondern Jan Polack schuf die spätgotischen Altartafeln der Schlosskapelle im Auftrag von Herzog Sigismund.



Im Herbst 2023 wurde der spätgotische Glasgemäldezyklus der Schlosskapelle Blutenburg aus dem Jahr 1497 von der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck in München restauriert. Die um 1490/1500 geschnitzten Lindenholzfiguren werden inzwischen nicht mehr Erasmus Grasser zugeschrieben, sondern dem Münchner Bildhauer Markus Haldner (»Meister der Blutenburger Apostel«).



Umgebung
Zwischen Teich und Schloss fallen vier behauene und symmetrisch platzierte Granitblöcke auf. Dieses vom Bildhauer Klaus Behr* geschaffene Kunstwerk wurde 1985 enthüllt, und zwar anlässlich der ersten von drei Kunstausstellungen des Vereins der Freunde Schloss Blutenburg.
*) Mehr zu Klaus Behr im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Südlich des Schlosses wurde im September 1983 ein galizisches Steinkreuz aufgestellt. Bei dem Cruceiro Galega handelt es sich um ein Geschenk der autonomen spanischen Region Galizien an Bayern anlässlich eines Wiesn-Besuchs des damaligen galizischen Präsidenten Gerardo Fernández Albor.
In den letzten Kriegstagen im April 1945 mussten Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau nach Tirol marschieren. US-Soldaten brachten am 30. April 1945 beim Tegernsee einen der Todesmärsche auf, der am 26. April in Dachau begonnen hatte.
Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim* (1931 – 2026) schuf 23 identische Mahnmale, die an die Todesmärsche der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau 1945 erinnern. Eines davon befindet sich in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, die anderen Exemplare wurden 1989 bis 2009 entlang der Wege der Häftlinge aufgestellt. Dargestellt sind dreizehn bewusst nicht deutlich herausgearbeiteten KZ-Häftlinge. Im Raum München sind mehrere Abgüsse zu finden, so im → NS-Dokumentationszentrum, in der KZ-Gedenkstätte Dachau, beim Schloss Blutenburg und in Karlsfeld.
*) Mehr zu Hubertus von Pilgrim im Album über Kunst im öffentlichen Raum

Der Bildhauer Joseph Michael Neustifter* gestaltete 2013 im Auftrag des Obermenzinger Ehepaars Ursula und Fritz Heimbüchler ein »Ein Denkmal für die Liebe« zur Erinnerung an Agnes Bernauer und Herzog Albrecht III. Die Bronze-Stele ist nordöstlich des Schlosses zu finden. Auf der Rückseite hat Joseph Michael Neustifter das Paar in einem Badezuber dargestellt.
*) Mehr zu Joseph Michael Neustifter im Album über Kunst im öffentlichen Raum




