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Staatliche Münzsammlung München

Die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Herzog Albrecht V. im heutigen → Alten Münzhof gegründete Kunstkammer baute von Anfang an auch eine Münzsammlung auf. Im Dreißigjährigen Krieg wurde München zwar 1632 gegen eine exorbitante Lösegeldzahlung nicht zerstört, aber die Schweden plünderten die Kunstkammer (Stadtgeschichte).

Die übrig gebliebenen Münzen bildeten den Grundstock einer kurfürstlichen Münzsammlung in der Residenz, in die Ende des 18. Jahrhunderts eine kleinere Münzsammlung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eingebracht wurde. Außerdem brachte Kurfürst Karl Theodor 1777 die kurpfälzische Münzsammlung mit nach München. 1807 übernahm die Akademie der Wissenschaften die inzwischen königliche Münzsammlung, und im Jahr darauf wurde die »Bayerische Verordnung zum Schutze aufgefundener Münzen und anderer Altertümer« erlassen.

Die heutigen Ausstellungsräume in der Residenz wurden 1963 eröffnet (Residenzstraße 1). Die zentrale numismatische Sammlung Bayerns umfasst inzwischen mehr als 300.000 Münzen, Banknoten und Medaillen, Gemmen und Kameen von der Antike bis zur Gegenwart. Die ältesten Exponate stammen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Zur Staatlichen Münzsammlung München gehört außerdem die größte öffentliche numismatische Bibliothek in Deutschland.

Staatliche Münzsammlung München
Ausstellungsraum in der Staatlichem Münzsammlung München (Foto: Januar 2026)

Als Elektronstater bezeichnet man eine antike griechische Münze aus Elektron, einer Legierung aus Gold und Silber. Der Elektronstater wurde zwischen 410 und 330 v. Chr. in der Stadt Kyzikos in der Landschaft Mysien geprägt.

Unter einer inkusen Münze versteht man süditalienische Prägigungen archaischer Zeit, bei der das Bild der Vorderseite auf der Rückseite mit einem eigenen positiven Stempel vertieft eingeprägt ist – wie auf diesem zwischen 560 und 510 v. Chr. in Sybaris in Lukanien geprägten Stater.

Die Tetradrachme zeigt Ptolemaios I. von Ägypten (323 – 283 v. Chr.), einen der Generäle Alexanders des Großen, der die hellenistische Ptolemäerdynastie in Ägypten begründete. – Der Stater wurde zwischen 330 und 280 v. Chr. in der antiken Stadt Gortyn auf Kreta geprägt. – Die Didrachme entstand etwa im 4./3. Jahrhundert v. Chr. in der Kolonie Hyele in Lukanien.

In der antiken griechischen Kultur stellten sich die Menschen eine Stadt als weibliches und gottähnliches Wesen vor (Stadttyche). Das Motiv der Mauerkrone stammt aus dem Vorderen Orient. Die Tetradrachme wurde etwa im 2. Jahrhundert v. Chr. in Smyrna geprägt. – Die indo-skythischer Könige Azes I. und II. regierten im 1. Jahrhundert v. Chr. Aus dieser Zeit stammt die Didrachme. – Auf der anderen Tetradrachme ist König Phraates IV. von Parthien (37 – 2 vC) porträtiert.

Auf dem Medaillon aus Kupfer-Messing ist der römische Kaiser Commodus (180 – 192 n. Chr.) als Hercules dargestellt. – Auf dem 911/12 in Konstantinopel geprägten Solidus sind die byzantinischen Kaiser Leo VI. und der Konstantin VII. abgebildet. – Das historisch bedeutendste antike Stück der Staatlichen Münzsammlung München ist das um 315 in der Stadt Ticinum entstandene Silbermedaillon mit einem Porträt Konstantins des Großen.

Die unsignierte Bronzegussmedaille aus Ferrara mit einem Brustbild des Juristen Taddeo Casoli entstand um 1383. – Der byzantinische Kaiser Isaak II. ist auf dem um 1190 in Konstantinopel geprägten Hyperpyron abgebildet. – Ermes Flavio de Bonis (Künstlername: Lysippus d. J.) gestaltete um 1470 in Rom die Medaille mit dem Brustbild des Humanisten und Theologen Raffaello Maffei da Volterra.

Unter den Nasriden versteht man die letzte muslimisch-maurische Dynastie des Emirats von Granada auf dem Gebiet der heutigen spanischen Region Andalusien. Die Münze (2 Dinar) stammt aus der Zeit zwischen 1464 und 1485. – Nickel Milicz gestaltete 1549 die Medaille zum Thema Sündenfall. – Ende des 15. Jahrhunderts entstand die Bronzemedaille mit dem Jesus-Bild.

Hans Reinhart gestaltete 1544 in Leipzig für Herzog Moritz von Sachsen eine Trinitätsmedaille zur Versöhnung der beiden Konfessionen. Die Silbermedaille wurde nicht reprägt, wie üblich, sondern gegossen, und Details wie das Kruzifix lötete Hans Reinhart auf.

Trinitätsmedaille von Hans Reinhart
Detail einer Trinitätsmedaille von Hans Reinhart (Foto: Januar 2026)

Hans Aesslinger schuf nach 1554 in München eine Goldmedaille mit dem Bild des bayrischen Herzogs Albrecht V. – »Dickabschläge« wogen doppelt so viel wie eine normale Münze und waren auch nicht für den Geldumlauf gedacht, sondern als Sammler- und Präsentationsstücke. Der silberne Piedfort vom Écu stammt aus dem Jahr 1644. – Tobias Wolff gestaltete 1577 die Silbermedaille, auf der die Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg und August von Sachsen anlässlich des Torgauer Konvents und der Torgauer Konkordienformel abgebildet sind.

Auf der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien geschnittenen Gemme aus Sardonyx ist ein Symposion mit Apollo und Bacchus dargestellt. Merkur und Juper sind auf der Achat-Kamee vom Ende des 17. Jahrhunderts zu sehen.

Gemme aus Sardonyx
Gemme aus Achat

Kameen aus Sardonyx bzw. Achat (Fotos: Januar 2026)

Die Taler (links und recht) stammen aus den Jahren 1753 bzw. 1765. – In der Neuzeit wurde es in Deutschland üblich, dass Städte mit eigenem Münzrecht Stadtansichten darstellten. Das abgebildete Exemplar (12 Dukaten) wurde 1744 in Augsburg als Goldabschlag vom Talerstempel gefertigt.

Die beiden Vikariatstaler (Gedenkmünzen) aus dem Jahr 1790 zeigen den Kurfürsten Karl Theodor von Bayern.

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon Bonaparte in der Kathedrale Notre Dame de Paris in Anwesenheit des Papstes zum Kaiser. Die 5-Francs-Münze aus demselben Jahr zeigt sein Bild.

Napoleon
Napoleon (Foto: Januar 2026)

Tizian malte 1517 »Flora«. Nach diesem Gemälde gestaltete Niccolò Cerbara um 1830 in Rom eine Bronzemedaille. – Der österreichische Medailleur Franz Stiasny schuf 1910 das Porträt Ludwig van Beethovens. – Der bayrische Bildhauer und Medailleur Erich Ott bildete 1995 Leo von Klenze auf einer Silbermedaille ab.

Staatliche Münzsammlung München (offizielle Website)