München: Michaelskirche
Herzog Albrecht V. vereinbarte zwar bereits 1556 mit den Jesuiten den Bau einer Höheren Schule in München, aber der Grundstein für das Kolleg und die Kirche wurde erst 1583 gelegt, als bereits sein Sohn Wilhelm der Fromme regierte. Die Entwürfe im Stil eines Übergangs von der Renaissance zum Barock stammen vermutlich von Friedrich Sustris*. Das zweitgrößte freitragende Tonnengewölbe der Welt entstand 1587/88. Wendel Dietrich realisierte 1586 bis 1589 den Hochaltar nach Entwürfen von Friedrich Sustris, und Christoph Schwarz malte 1587 das Altarbild »St. Michael im Kampf mit dem Teufel«.
1597 wurde die Kirche dem Erzengel Michael geweiht. St. Michael galt als Zentrum der Gegenreformation in Bayern. Nach dem Verbot des Jesuitenordens (1773) und der Säkularisation (1808) kamen Kirche und Kolleg in den Besitz des Königs. Aber seit der Neugründung des Jesuitenkonvents im Jahr 1921 ist die Michaelskirche wieder eine Jesuitenkirche.
An der ungewöhnlichen Fassade sind Wilhelm V., Albrecht V. (mittig in der unteren Reihe) und andere Wittelsbacher als Verteidiger des »rechten« Glaubens dargestellt. Renoviert wurde die Fassade 1971/72 und 2009 ‒ 2013. Eine Nachbildung der 1944 zerstörten Figur des Christus Salvator am Giebel brachte man 1981 an.
*) Mehr zu Friedrich Sustris im Album über Architekten
Fassade der Michaelskirche (Fotos: 2014 / Februar 2025)
Fassade der Michaelskirche (Fotos: Februar 2023 / Februar 2025)

Die von Hubert Gerhard* gestaltete Figur des Erzengels Michael an der Fassade gilt als eine der ersten in München gegossenen Bronze-Plastiken. Darunter befindet sich das Wappenschild Wilhelms des Frommen (1548 ‒ 1626) mit der Ordenskette der Ritter vom Goldenen Vlies.
*) Mehr zu Hubert Gerhard im Album über Kunst im öffentlichen Raum





Hubert Gerhard* schuf zwischen 1593 und 1596 einen Engel für das Grabmonument, das sich das Herzogspaar Wilhelm V. und Renata von Lothringen in der Michaelskirche wünschte, das jedoch nicht zustande kam. Heute steht dieser Engel mit dem Weihwasserbecken am Eingang der Kirche.
*) Mehr zu Hubert Gerhard im Album über Kunst im öffentlichen Raum
Engel mit Weihwasserbecken, Hauptaltar (Fotos: Dezember 2024 / Februar 2025)
Die von dem Jesuiten Johann Hörmann gestaltete barocke Kanzel wurde 1597 in der Michaelskirche angebracht. Es war die erste fest verbaute Kanzel in München.
Über den Resten des zerstörten Altars einer der hl. Ursula geweihten Seitenkapelle der Michaelskirche brachte man nach dem Zweiten Weltkrieg die Kopie einer Marienfigur aus der Herzogspitalkirche an. Die so entstandene Marienkapelle wurde 2024 neu gestaltet: Seither ist der im Krieg beschädigte Sockel des ehemaligen Altars aus Backstein sichtbar, und die Madonna wird von einem Lichtkranz umgeben.
Eine erste Orgel erhielt die Michaelskirche 1590. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte vierte Orgel wurde nach Übergangslösungen in den Achtzigerjahren durch ein neues Instrument ersetzt.


Eugène de Beauharnais (1781 – 1824), ein Stiefsohn Napoleons, heiratete Auguste Amalie von Bayern und erhielt von seinem Schwiegervater König Max Joseph den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg. Nach seinem Tod ließ die Witwe von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen ein Denkmal für ihn anfertigen. Das Leuchtenberg-Denkmal befindet sich im linken Querschiff der Michaelskirche.

Die Sarkophage des Herzogs von Leuchtenberg und seiner Ehefrau Auguste Amalie von Bayern befinden sich in der Fürstengruft (Wittelsbachergruft) von St. Michael in München. Dort sind auch der Kirchengründer Herzog Wilhelm V. und zahlreiche weitere Wittelsbacher bestattet, darunter Kurfürst Maximilian I. und König Ludwig II. Dazu kommen Wittelsbacher, deren Urnen sich im (nicht öffentlich zugängigen) Kolumbarium der Michaelskirche befinden.
Nach dem Einsturz des ersten Glockenturms von St. Michael im Jahr 1590 – also noch vor der Fertigstellung der Kirche, deren Chorraum dabei zerstört wurde ‒ baute man ab 1592 einen neuen Turm an der Nordostecke des Jesuitenkollegs (heute: Maxburgstraße 1). Davon blieben nach dem Zweiten Weltkrieg nur der Hausteinsockel und der untere Teil der Ziegelmauern erhalten.














