München: Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Vorgeschichte: Central Collecting Points

Die »American Commission for the Protection and Salvage of Artistic and Historic Monuments in War Areas« wurde 1943 gegründet und bestand bis Juni 1946. Parallel zum Aufbau der Besatzungszonen in Deutschland begann die Kommission im Mai 1945, Kunstwerke zusammenzutragen, die in Depots vor Luftangriffen geschützt und/oder von den Nationalsozialisten geraubt worden waren. Dabei ging es um Provenienzforschung und die Restitution des NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts.

Die Briten richteten in Celle einen »Central Collecting Point« ein, die Amerikaner zunächst in Marburg, dann auch in München, Wiesbaden und Frankfurt/Main bzw. Offenbach. Als Sammelstellen bzw. Depots in München nutzte der CCP ab Mai/Juni 1945 sowohl das ehemalige Verwaltungsgebäude der NSDAP (»Gallery I«) als auch den »Führerbau« (»Gallery II«) – beides repräsentative neoklassizistische Bauwerke nach Plänen des Architekten Paul Ludwig Troost (1878 – 1934) nahe des → Königsplatzes in der Maxvorstadt.

Zentralinstitut für Kunstgeschichte: Die Anfänge

Aus dem Central Collecting Point in München ging im November 1946 das »Zentralinstitut für Kunstgeschichte« hervor, das im März des folgenden Jahres seine Arbeit im ehemaligen Verwaltungsgebäude der NSDAP aufnahm (heute: → Haus der Kulturinstitute, Katharina-von-Bora-Straße 10). »Die Idee des Zentralinstitus entstand in einer Arbeitsgemeinschaft deutscher und ausländischer Kunsthistoriker, die sich 1945 am Central Art Collecting Point in München gebildet hatte. Den Teilnehmern dieser Arbeitsgemeinschaft erschien es sehr bald als erstrebenswert, die persönlichen und sachlichen Beziehungen, die sich im Laufe ihres Zusammenwirkens ergeben hatten, sowie das als Arbeitsunterlage beschaffte reiche wissenschaftliche Material auch für die Zukunft zu erhalten und nutzbar zu machen.« (Ludwig H. Heyenreich: Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, hier zit. nach Wolfgang Augustyn, Iris Lauterbach, Ulrich Pfisterer, S. 19f)

Diese – seit 1979 vom Freistaat Bayern getragene – einzige außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Kunstgeschichte in Deutschland versteht sich als Ort des internationalen wissenschaftlichen Austausches. »Am ZI arbeitet eine internationale Gruppe von Wissenschaftler*innen an Projekten vor allem zur westlichen Kunst vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart.« (Ulrich Pfisterer, S. 9)

Zentralinstitut für Kunstgeschichte: Bibliothek und Fotothek

Der CCP in München hatte eine kunsthistorische Fachbibliothek und Fotosammlung angelegt. Beide wurden vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte weiter ausgebaut und entwickelt. Zugang zum »Zettelkatalog« hatten zunächst außer Institutsangehörigen nur Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, die dabei waren, zu promovieren oder sich zu habilitieren.

Das änderte sich, als das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und drei weitere kunsthistorische Einrichtungen in Paris, Rom und Florenz 1993 ‒ 1998 den gemeinsamen Online-Katalog »kubikat« aufbauten. In München wurden im Lauf der Zeit knapp zwei Millionen Karteikarten digitalisiert.

In der Fotothek geht die zur Jahrtausendwende begonnene Digitalisierung über einen Katalog hinaus, denn hier werden – unter Berücksichtigung von Urheber- und Verwertungsrechten – die Bestände gescannt.

Heute stehen die Bibliothek und Fotothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. »Mit Bibliothek und Fotothek sowie zahlreichen Online-Angeboten und Datenbanken bietet [das ZI] herausragende Arbeitsmöglichkeiten für die kunsthistorische Forschung im allgemeinen und die Provenienzrecherche im besonderen.« (Iris Lauterbach, S. 228)

Die Bibliothek mit etwa 750.000 Bänden, mehr als 77.000 Auktionskatalogen und mehr als 1200 laufend abonnierten Zeitschriften zählt zu den größten kunsthistorischen Fachbibliotheken der Welt.

Die Fotothek im Untergeschoss des Hauses der Kulturinstitute gilt mit etwa 900.000 Medieneinheiten als eine der größten fotografischen Studiensammlungen zur europäischen Kunstgeschichte vom frühen Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert. Das 1961 bis 1975 mit Fördermitteln der Fritz Thyssen Stiftung aufgebaute »Bildarchiv der deutschen Kunst« mit 264.000 Fotografien ist Teil der Fotothek des Zentralinstituts.

MunichArtToGo

Im Herbst 2022 fing das Zentralinstitut für Kunstgeschichte mit dem Aufbau der unkommerziellen App MunichArtToGo an, die auch als Web-Plattform genutzt werden kann. Ziel ist es, die Kulturgeschichte der Stadt München von 1800 bis zur Gegenwart direkt vor Ort erlebbar zu machen. Auf einer interaktiven Karte werden beispielsweise Bau- und Kunstwerke angezeigt. Dazu gibt es nicht nur Informationen, sondern auch historische und aktuelle Abbildungen.

Zentralinstitut für Kunstgeschichte (offizielle Website)

MunichArtToGo (auch als App verfügbar)

Literatur:

. Wolfgang Augustyn, Iris Lauterbach, Ulrich Pfisterer unter Mitarbeit von Krista Profanter (Hg.): ZI 75 – Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München. Zum 75-jährigen Bestehen (München 2022)
. Iris Lauterbach: Der Central Collecting Point in München. Kunstschutz, Restitution, Neubeginn, München (Berlin 2015)