München: Sudetendeutsches Museum
Die Geschichte der Sudetendeutschen
Im 12. und 13. Jahrhundert waren die Sudetengebiete vorwiegend von Bauern, Bergmännern, Handwerkern, Kaufleuten und Mönchen besiedelt, die auf Einladung der böhmischen und mährischen Herrscher (Přemysliden) aus Franken, Bayern, dem Rheinland, Sachsen und Schlesien kamen. In der neuen Heimat gründeten sie Dörfer und Städte.
Herzog Ottokar I. Přemysl erhielt 1198 den Titel »König von Böhmen«. Dieses erbliche Königreich erreichte unter Kaiser Karl IV. (1316 – 1378) aus dem Geschlecht der Luxemburger die größte Ausdehnung. Die Kaiser, die ab 1526 mit einer kurzen Unterbrechung von 1740 bis 1745 aus dem Hause Habsburg(-Lothringen) kamen, waren zugleich böhmische Könige.

Zu den böhmischen Krönungsinsignien gehörte neben Zepter und Reichsapfel die Wenzelskrone,
die Karl IV. 1347 anlässlich seiner Krönung anfertigen ließ.
Bis 1834 wurden 22 böhmische Könige mit der Wenzelskrone gekrönt.
Die miniaturisierte Nachbildung der Krönungsinsignien entstand zwischen 1900 und 1930 in Prag.
(Foto: Januar 2026)
In den Schlesischen Kriegen (1740 – 1763) verlor Maria Theresia den größten und wertvollsten Teil Schlesiens an den Aggressor Friedrich den Großen.
In den böhmischen Ländern wurde Tschechisch und Deutsch gesprochen, teilweise auch Jiddisch und Polnisch. In den Sommerferien tauschten Familien Kinder aus, damit diese eine Zweitsprache erlernten.
Aber die Habsburger sorgten dafür, dass ab Mitte des 17. Jahrhunderts die deutsche Sprache dominierte, und hundert Jahre später begann man, gemischtsprachige Vereine zu teilen.
In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörten die böhmischen Länder zur österreichischen Reichshälfte. Das Österreichische Staatsgrundgesetz (1867) garantierte die Gleichberechtigung aller Volksstämme. Zwei Jahre später führte das Reichsvolksschulgesetz die sprachlich getrennte Schulbildung ein, und durch eine Regierungsverordnung wurden Deutsch und Tschechisch 1880 gleichberechtigte Amtssprachen. Zwei Jahre später teilte sich die Karlsuniversität in Prag in eine tschechische und eine deutsche Hochschule.
Die Sudetendeutschen bildeten kein einheitliches Siedlungsgebiet, sondern lebten in mehr als einem Dutzend Regionen mit verschiedenen Bräuchen und Dialekten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich die Bezeichnung »Sudetendeutsche«, die der Publizist Franz Jesser (1869 – 1954) 1902/03 aufgebracht hatte.
Gegenüber der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik positionierten sich die Sudetendeutschen unterschiedlich: Während sich die »Aktivisten« um eine konstruktive Mitgestaltung bemühten, bekämpften die »Negativisten« den Staat, und diese Gruppe forderte in den Dreißigerjahren unter Konrad Henlein: »Heim ins Reich!«
Nach dem »Anschluss« Österreichs im Frühjahr 1938 einigten sich Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien im Münchner Abkommen Ende September 1938 ohne Beteiligung der Betroffenen darauf, dass die Tschechoslowakei die sudetendeutschen Gebiete sofort abzutreten habe. Bereits am 1. Oktober begann der Einmarsch der Wehrmacht. Und im März 1939 brach Hitler das Münchner Abkommen, indem er die »Rest-Tschechei« völkerrechtswidrig besetzte.

Der zu seiner Zeit berühmte Medailleur Karl Goetz (1875 – 1950)
gestaltete 1938 in München eine Gedenkmünze anlässlich des Münchner Abkommens:
»Sudeten Heimkehr 1. Oktober 1938 Ende 20 jähr. Unterdrückung«
(Foto: Januar 2026)
Tschechen wurden nun in ihrer Heimat unterdrückt. Sudetendeutsche beteiligten sich an Kriegsverbrechen des NS-Regimes, aber es gab auch Widerstandskämpfer unter ihnen.
Anders als in Ostpreußen, Pommern und Schlesien gab es im Sudetenland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs keine größeren Fluchtbewegungen. Aber die tschechoslowakische Exilregierung unter Edvard Beneš in London hatte die Alliierten bereits 1942/43 für das Projekt der Vertreibung der Sudetendeutschen gewonnen, und in der Konferenz von Potsdam im Sommer 1945 verständigten sich die Siegermächte über die Durchführung. Da hatte man bereits eine halbe Millionen Sudetendeutsche »wild« vertrieben. Weitere 2,2 Millionen Vertriebene kamen 1946 dazu.
Das Sudetendeutsche Museum in München
2020 wurde das 1982 bis 1985 gebaute Sudetendeutschen Haus (Hochstraße 8) in der Au um das vom Architekturbüro pmp gestaltete Sudetendeutsche Museum ergänzt (Hochstraße 10).
Die Dauerausstellung des Sudetendeutschen Museums befasst sich – in fünf Etagen gegliedert – mit der Geschichte der Sudetendeutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien: Heimat und Glaube, Wirtschaft und Kultur, Nationalismus und Nationalstaat, Verlust und Vertreibung, Nachkriegszeit und Neubeginn.
In der nach dem Künstler und Schriftsteller Alfred Kubin (1877 – 1959) benannten Galerie des benachbarten Sudetendeutschen Haus werden Sonderausstellungen gezeigt.
Exponate des Sudetendeutschen Museums
Das ausgestellte Siegel gehört zu einer Urkunde, mit der ein Abt des 1115 gegründeten Klosters Kladrau/Kladruby 1233 den Verkauf eines Dorfes an das Zisterzienserkloster Plass bestätigte. Beim Exponat handelt es sich um ein 2017 nach dem Original im Národní Archiv in Prag angefertigtes Replikat.

Kaiser Karl IV. erließ 1356 auf einem Hoftag in Nürnberg ein noch im selben Jahr in Metz erweitertes grundlegendes Gesetzbuch (»keiserliches rechtbuch«) für das Heilige Römische Reich, das nach dem an sechs von sieben Ausfertigungen angebrachten Siegel »Goldene Bulle« genannt wird. Dieses wichtigste Verfassungsdokument des Reichs, das 2013 zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde, hatte vor allem die Modalitäten der Wahl und Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser sowie die Wahl, Erbfolge und Reservatrechte der sieben Kurfürsten geregelt.
Das Replikat im Sudetendeutschen Museum entstand 2017 nach dem Original im Staatsarchiv Nürnberg.

Ausgestellt sind auch 1519 bis 1528 in Sankt Joachimsthal/Jáchymov geschlagene Silbermünzen (»Joachimstaler Groschen«).

Der dem Kunsttischler Johann Karl Haberstumpf (1656 – 1724) in Eger/Cheb zugeschriebene Kabinettschrank aus dem späten 17. Jahrhundert ist mit Relief-Intarsien geschmückt. Diese waren eine Spezialität der Egerer Kunsttischler, und Johann Karl Haberstumpf war einer der bedeutendsten von ihnen.
Über den Schmuck mit böhmischen Granaten ist nichts weiter bekannt.
Detail aus einem in Eger angefertigten Kabinettschrank / Schmuck mit böhmischen Granaten (Fotos: Januar 2026)

(Foto: Januar 2026)
Das Böhmerland-Motorenwerk Albin Liebisch in Kunnersdorf/Krunratice produzierte 1925 bis 1939 das bis heute längste Serien-Motorrad der Welt. Die bis zu 3.20 Meter langen viersitzigen Exemplare galten von Anfang an als Kultobjekte. Das bis 11. Januar 2026 im Sudentendeutschen Museum ausgestellte Motorrad – eine Leihgabe des Technik Museums Speyer – wurde 1938/39 hergestellt.

Sudetendeutsches Museum (offizielle Website)




