Haus der Kunst München

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Nachdem der Glaspalast im Alten Botanischen Garten von München 1931 niedergebrannt war, sollte ein neues von Adolf Abel gestaltetes Ausstellungshaus gebaut werden. Aber Hitler, der am 30. Januar 1933 die Reichsregierung übernahm, verwarf die Pläne und beauftragte Paul Ludwig Troost mit dem Neubau. Der Architekt entwarf daraufhin einen 175 Meter langen neoklassizistischen Monumentalbau mit Freitreppe, Portikus und Kolonnade auf der Schauseite. 1933 bis 1937 wurde das »Haus der Deutschen Kunst« errichtet. Am Tag nach der Eröffnung der ersten »Großen Deutschen Kunstausstellung« im »Tempel der deutschen Kunst« eröffneten die Nationalsozialisten im Galeriegebäude am → Hofgarten die Ausstellung »Entartete Kunst«.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das »Haus der Kunst« durch Ausstellungen im »Dritten Reich« verfemter Künstler gewissermaßen dekontaminiert. Das Haus der Kunst besitzt keine eigene Sammlung, sondern ist ein reines Ausstellungshaus.

Katalin Ladik. Ooooooooo-pus

Vom 3. März bis 10. September 2023 fand im Haus der Kunst in München die Ausstellung »Katalin Ladik. Ooooooooo-pus« statt. Die Künstlerin wurde 1942 in Novi Sad geboren und in den Sechzigerjahren zu einer Repräsentatin der künstlerischen Avantgarde der Stadt. »Mit ihrer Kunst hinterfragt sie konventionelle Geschlechterrollen und setzt dabei ihren Körper und ihre Stimme als Instrument und Medium ein. […] Ladiks visuelle Gedichte – Collagen aus Schnittmustern, Notenblättern und gefundenen Objekten wie Platinen von Radios und Küchengeräten – funktionieren auch als Partituren.« (Haus der Kunst).

Hamid Zénati. All-Over

Vom 16. März bis 23. Juli 1923 zeigte das Haus der Kunst in der ursprünglichen »Ehrenhalle« die Ausstellung »Hamid Zénati. All-Over«. Hamid Zénati (1944 – 2022) pendelte ein Leben lang zwischen Algier und München. Zur Welt gekommen war er in Constantine; in München starb er. »Die Werkauswahl der Ausstellung konzentriert sich auf die einzigartige Formensprache des Künstlers, die er in seinen Textilien entwickelte […].«. (Haus der Kunst)

Liliane Lijn: Arise Alive

Liliane Lijn wurde 1939 in New York geboren. Ihre Installationen, Skulpturen und Gemälde bewegen sich zwischen Bildender Kunst, Literatur und Physik. Das Haus der Kunst widmete ihr vom 5. April bis 22. September 2024 die Ausstellung »Arise Alive«.

Gesamtes Album übers Haus der Kunst München (privat)

Rebecca Horn

Vom 26. April bis 13. Oktober 2024 präsentierte das Haus der Kunst in München einen Querschnitt durch das transmediale Lebenswerk der 1944 geborenen Künstlerin Rebecca Horn, die sich mit den Grenzen bzw. Übergängen zwischen Natur und Zivilisation, Biologie und Technologie beschäftigt hat. »Horn beschreibt ihre Praxis als präzise kalkulierte Beziehungen von Raum, Licht, Körperlichkeit, Ton und Rhythmus, die ein Ensemble bilden. Maschinenwerdung, Tier­werdung oder Erdwerdung in ihren performativen, skulpturalen und filmischen Arbei­ten zielen auf eine von Körpern erfahrbare Präsenz eines sichtbaren, fühlbaren und hörbaren Daseins.« (Haus der Kunst)

Während die Ausstellung im Haus der Kunst gezeigt wurde, starb Rebecca Horn am 6. September 2024.

Ein Phallus aus Bronze schiebt sich motorbetrieben in eine Muschel und zurück: die Installation »Muschelschlaf« (2009) stellt den Koitus als mechanischen Vorgang dar.

Mit dem 1994 erstmals in Wien aufgebauten »Turm der Namenlosen« bezieht sich Rebecca Horn auf Krieg, Vertreibung, Tod und Erinnerungskultur. An den Holzleitern sind Geigen mit motorbetriebenen Bögen befestigt: Musikinstrumente als Maschinen.

Rebecca Horn im Haus der Kunst PRESS REFRESH
Rebecca Horn im Haus der Kunst PRESS REFRESH

Rebecca Horn: Turm der Namenlosen, 1994 (Fotos: Mai 2024)

Gesamtes Album übers Haus der Kunst München (privat)

Samaneh Atef, Belén Sánchez, Desmond Tjonakoy: euward9

Die Augustinum Stiftung verleiht seit 2000 alle drei Jahre den europäischen Kunstpreis für Malerei und Grafik im Kontext geistiger Behinderung. An der neunten Ausschreibung (»euward9«) beteiligten sich 240 Künstlerinnen und Künstler. Samaneh Atef, Belén Sánchez und Desmond Tjonakoy wurden von der Jury auf die Plätze 1 bis 3 gewählt. Vom 17. Mai bis 14. Juli 2024 stellte das Haus der Kunst das Werk der drei Preisträger vor und zeigte dazu auch einige Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die es in die Nominierung geschafft hatten.

euward9 im Haus der Kunst München PRESS REFRESH
euward9 München PRESS REFRESH

Aufgang zur Südgalerie / Enes Icer (*Berlin 1992): Aber ist privat, 2023; Bilder von Markus Buchser (*Basel 1959)

Die Preisträgerin Samaneh Atef wurde 1989 in der iranischen Metropole Bandar Abbas geboren und lebt seit ihrer Flucht aus dem Iran in Südfrankreich.

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Martino Gamper: Sitzung

Vom 28. Juli 2023 bis 27. Oktober 2024 war die Mittelhalle des Hauses der Kunst mit Stühlen – alles Unikate – des Meraner Designers Martino Gamper (*1971) möbliert: »Sitzung«. Besucherinnen und Besucher stellten die Stühle je nach Bedarf um – und veränderten mit jeder neuen Konfiguration den sozialen Raum.

Luisa Baldhuber: Afterglow

Vom 23. Februar bis 15. Dezember 2024 war im Haus der Kunst in München die minimalistische Installation »Afterglow« der Münchner Kunststudentin Luisa Baldhuber (*1994) zu sehen.

Literatur:
. Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus (München 2007)

Haus der Kunst München (offizielle Website)

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