München: Alter Peter
Baugeschichte der Kirche
Die Münchner nennen ihre älteste Pfarrkirche »Alter Peter« statt Sankt Peter.
1952/53 fand man auf dem Petersbergl Fundamente einer im 12. Jahrhundert errichteten, ab 1225/26 nachweisbaren Backstein-Basilika mit zwei Westtürmen. Diese romanische Kirche war 1278 bis 1294 durch eine gotische ersetzt worden. Nach einem Großbrand im Februar 1317 wurde das Langhaus verbreitert, und zwischen den dadurch ins Innere verlegten Stützpfeilern entstanden von Patriziern gestiftete Seitenkapellen. Zwischen den abgeschrägten Ruinen der beiden Türme baute man 1379 bis 1386 nur noch einen Turm, allerdings mit Doppelspitze – und der erhielt nach einem Blitzeinschlag 1607 eine neue Bekrönung, vermutlich nach Entwürfen von Heinrich Schön d. Ä.



Dass es acht statt vier Turmuhren gibt, fand Karl Valentin praktisch, denn so können acht Menschen gleichzeitig die Zeit ablesen.
Der Petersfriedhof wurde 1777 aufgelassen und 1789 eingeebnet. Einige Grabplatten sind noch an der Außenwand der Kirche St. Peter zu sehen.
St.-Martins-Altar
1844 entdeckte man einen St.-Martins-Altar, eine Stiftung der Familie Schrenck aus der Zeit um 1400 (Schrenck-Altar). Das ist heute der älteste erhaltene Altar in München und der einzige noch existierende Sandsteinaltar der Gotik in der Stadt.

Der restaurierte Innenraum
1630 bis 1636 entstand der vom Hofmaurermeister Isaak Pader d. Ä. gestaltete Dreikonchenchor. Nach Entwürfen des Hofbauamtsleiters Henrich Schön d. J. wurde 1642 bis 1644 ein neuer Hochaltar gebaut, und Hans Heiß gestaltete 1653/54 das Mittelschiff um.
Im 18. Jahrhundert wurde der Alte Peter erneut verändert, und zwar im spätbarocken Stil. Nach dem Vorbild von Berninis Cathedra Petri im römischen Petersdom entwarf Nikolaus Gottfried Stuber (1688 – 1749) einen neuen Hochaltar und realisierte den Plan 1730 bis 1734 mit Johann Georg Greiff und Egid Quirin Asam. Bei der zentralen Altarfigur, die Petrus darstellt, handelt es sich um ein Schnitzwerk von Erasmus Grasser aus dem Jahr 1517 mit einer Tiara des Goldschmieds Johann Michael Ernst aus dem Jahr 1733. Ignaz Anton Gunetzrhainer wölbte den Chor neu ein, und Nikolaus Gottfried Stuber malte ihn aus. Fresken und Stuck im Langhaus von St. Peter stammen von Johann Baptist Zimmermann. Jan Pollack gestaltete die Kanzel. Joseph Prätzner d. Ä. schuf die meisten Apostelfiguren an den Pfeilern der Arkaden; nur die Statuen der Apostel Paulus und Andreas stammen von Johann Georg Greif bzw. Andreas Faistenberger.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Ruine der zerstörten Kirche im Angerviertel gesprengt werden, aber 1946 bis 1954 baute man die älteste Pfarrkirche Münchens dann doch wieder auf. Karl Manninger rekonstruierte 1970 das Fresko der Vierung, und Hermenegild Peiker 2000 die Deckenfresken des Langhauses.



Bei einer Chor- und Konzertprobe im Alten Peter (Fotos: 19. Oktober 2024)
Aussicht vom Alten Peter
Der Alte Peter ist 92 Meter hoch. Von der über 306 Treppenstufen erreichbaren Aussichtsplattform in 57 Meter Höhe hat man einen unvergleichlichen Blick auf München.
Frauenkirche (Fotos: vor 1985)














2: Alter Hof, Nationaltheater, Monopteros
3: St. Anna Kirche, Nationalmuseum, HVB-Tower / Altes Rathaus, Hl.-Geist-Kirche
4: Tal / Viktualienmarkt
5: Viktualienmarkt
6: Schrannenhalle / St. Maximilian, St. Korbinian, Archiconvent der Templer
7: Matthäus-Kirche, Allerheiligenkirche am Kreuz / Paulskirche
(Fotos: vor 1985 / 2014)










